Was Federer zu Djokovics Glücksschlag sagt

Roger Federer übt nach dem verlorenen US-Open-Halbfinal gegen Novak Djokovic Selbstkritik, will aber nicht in Selbstzweifel verfallen.

Video: Youtube.
Alexander Kühn@alexkuehnzh

«Es ist unangenehm, diese Niederlage zu erklären», sagte Roger Federer nach seinem Scheitern im US-Open-Halbfinal gegen Novak Djokovic. Dass ihn das Ausscheiden nach zwei vergebenen Matchbällen schmerze, liege auf der Hand. «Daran kann ich nur mir selbst die Schuld geben», so Federer, der Djokovic in Flushing Meadows schon 2010 trotz zwei Matchbällen unterlegen war.

Das Momentum sei im fünften Satz auf seiner Seite gewesen, erklärte der Baselbieter. Dann aber habe ein einziger Schlag seines Gegners den Umsturz eingeleitet: «Es ist seltsam, dass so etwas passiert. Trotzdem war es ein gutes Turnier für mich. Natürlich wäre ich gern im Final und hätte die Chance auf den Titelgewinn, doch das ist nun nicht der Fall. Ich muss es akzeptieren und weitermachen.»

«So zu verlieren, das ist sehr enttäuschend»

Der eine Schlag, den Federer in seiner Analyse ansprach, war jener riskante Vorhand-Return, mit dem Djokovic beim ersten Matchball den Kopf aus der Schlinge gezogen hatte. «Ich habe nicht besonders gut serviert, aber er retourniert nun halt einmal so. Er hat wohl nicht mehr an den Sieg geglaubt. So zu verlieren, das ist sehr enttäuschend, da ich das Gefühl hatte, er sei im Kopf schon geschlagen gewesen», führte der 16-fache Major-Champion aus. Der 17. Titel wird für ihn immer mehr zu einer psychischen Herausforderung. Das physische und technische Arsenal für einen weiteren Coup besitzt Federer, das hat er in New York eindrücklich bewiesen. Wer den zurzeit stärksten Spieler der Welt an den äussersten Rand der Niederlage treibt, kann nicht so viel falsch gemacht haben.

«Ich komme aber schnell über solche Niederlagen hinweg»

Er selbst hätte beim Matchball für Djokovic nicht so viel Risiko genommen wie der Serbe, gab Federer zu: «Ich habe nie so gespielt. Ich glaube eher, dass sich harte Arbeit auszahlt. Für mich ist es äusserst schwer nachvollziehbar, dass man beim Matchball einen solchen Schlag wagen kann. Aber vielleicht macht er das schon seit 20 Jahren, dann war es für ihn vielleicht normal.» Im Gegensatz zur Niederlage gegen Jo-Wilfried Tsonga in den Viertelfinals von Wimbledon habe er nicht das Gefühl gehabt, dass das Spiel seiner Kontrolle entgleite, sagte Federer. «Ich denken, dass ich hier nie hätte verlieren dürfen. Ich komme aber schnell über solche Niederlagen hinweg. Auch Wimbledon hat mich nicht heruntergezogen.»

Den Vorwurf, er habe sich gegen Ende des vierten Satzes ein wenig gehen lassen, um Energie für den fünften Durchgang aufzusparen, wollte der Schweizer nicht gelten lassen. Er gebe einen Satz nicht einfach aus der Hand und habe noch an die Wende geglaubt. «Man weiss schliesslich nie, was noch passieren kann. Das hat man ja in diesem Match wieder gesehen», so Federer.

baz.ch/Newsnet

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