Lenny Federer – der Star des Nachmittags

Roger Federer spielt gegen Taylor Fritz am Australian Open gross auf und steht mühelos im Achtelfinal. Sein kleiner Sohn stiehlt ihm die Show.

Diese Szene geht um die Welt: Roger Federers Sohn Lenny amüsiert sich nach dem Match in der Box mit Coach Ivan Ljubicic. (Video: Australian Open)
René Stauffer@staffsky

Schon zum 100. Mal durfte Roger Federer in der Nacht auf Freitag am Australian Open im Hauptstadion antreten, in der Rod Laver Arena. Ein Rekord. Er schien bemüht, dieses Jubiläum mit einer denkwürdigen Leistung zu feiern – und das schaffte er auch. Ohne einen einzigen Breakball abwehren zu müssen, stürmte er gegen den Amerikaner Taylor Fritz (ATP 50) in nur 88 Minuten zu einem 6:2, 7:5, 6:2 und in die Achtelfinals. Dort trifft er am Sonntag auf den in Melbourne von seinen vielen griechischen Landsleuten umjubelten Stefanos Tsitsipas (ATP 15).

«Ich wollte möglichst gut in diese Partie starten, und das ist mir gelungen», sagte Federer im Siegerinterview zu Jim Courier. Nach einer Viertelstunde stand es schon 5:1. Courier befragte ihn auch nach seinem kleinen Ehrengast in seiner Box: Im ersten Satz war dort einer von Federers Zwillingsjungen gesessen und hatte sich mit dessen Coach Ivan Ljubicic vergnügt, ihm immer wieder einen Finger in die aufgeblasene Wange gedrückt.

«Ich hatte nicht gewusst, dass er kommt, plötzlich schaute ich und entdeckte meinen Spezialgast», sagte Federer. Er verriet Courier, dass es Lenny (4) gewesen war. Das heisse nun nicht, dass Lenny der grössere Tennisfan sei als Leo, sagte Federer auf Nachfrage. «Er wollte wohl unbedingt bei Mirka sitzen.» Seine Zwillingssöhne, die im Mai fünf werden, seien beide sehr ballsportbegeistert – deutlich mehr als die Mädchen. Oft könnten die Buben auch gar nicht an seine Partien kommen, da er immer wieder nachts spiele und sie dann schlafen müssten. «Aber es freut mich immer, wenn sie kommen.»

«Federer ist der grösste Spieler aller Zeiten»

Einen Ehrengast hatte während der Partie auch Jim Courier in seiner Kommentatorenbox, die etwas versenkt direkt am Spielfeldrand liegt und eindrückliche Perspektiven erlaubt. Für «Channel 9», das die australischen Übertragungsrechte für die nächsten sechs Jahre und umgerechnet 242 Millionen Franken erstanden hat, sass auch der Australier Nick Kyrgios am Mikrofon.

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Der 23-jährige Davis-Cup-Spieler, der Federer schon einmal schlagen konnte, schwärmte in den höchsten Tönen von ihm. «Er ist ein Chirurg und lässt den Platz kleiner werden», sagte er. «Du denkst, du weisst, was kommt, aber du weisst es nicht. Das passiert hier auch Fritz.» Dabei fand Kyrgios, dass der Amerikaner eine starke Leistung zeigte: «Taylor spielt gutes Tennis, aber er trifft auf einen brandheissen Gegner.» Federer sei der grösste Spieler aller Zeiten, er habe die beste Vorhand, und auch seine Rückhand sei fantastisch, mit all seinen Varianten, so Kyrgios. Oftmals würden die Zuschauer gar nicht realisieren, wie schwierig gewisse Schläge seien – wenn er beispielsweise einen Return des Gegners auf die Linie mit einem Halbvolley als Winner zurückspielt.

Video: Federers Matchball gegen Taylor Fritz

Mit Serve-and-Volley zum Matchgewinn: Roger Federer zieht souverän in die Achtelfinals ein. (Video: SRF)

«Sollte jetzt für alles bereit sein»

Federer hat in drei Partien noch keinen Satz abgegeben, ist in Melbourne seit 17 Partien ungeschlagen. Er spielte gegen Denis Istomin abends, gegen Daniel Evans am Tag und gegen Fritz nun bei geschlossenem Dach, da es am Morgen regnete. «Ich sollte jetzt für alles bereit sein», sagte er. Nun kommt es zum reizvollen Duell mit dem griechischen Gipfelstürmer Stefanos Tsitsipas, der als 20-jähriger schon auf Rang 15 angekommen ist. Tsitsitpas benötigte für seine drei Siege etwas länger, gegen Nikoloz Basilaschwili gab er nun erneut einen Satz ab, genau wie zuvor gegen Troicki und Berrettini.

Mit zwei Emojis reagierte Federer auf das via Twitter verbreitete Kurz-Video, in dem zu sehen ist, wie der Baselbieter nach dem Spiel gegen Fritz zum Handshake mit Rafael Nadal vor dessen Partie gegen De Minaur kommt:

baz.ch/Newsnet

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