Gehörloser schreibt Tennisgeschichte

Der 21-jährige Duckhee Lee (ATP 212) gewinnt in Winston-Salem als erster tauber Spieler ein Match auf der ATP-Tour.

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Den Jubel der Zuschauer bekommt Duckhee Lee wie immer nicht mit. Dabei fällt dieser nach dem 7:6 (7:4), 6:1 des 21-jährigen Südkoreaners gegen Henri Laaksonen (ATP 120) besonders laut aus. «Meine Botschaft an Menschen mit Hörbehinderung ist es, wenn du dich anstrengst, kannst du alles erreichen», lässt er an der Pressekonferenz die lokalen Reporter wissen, mit Hilfe seiner Verlobte und einem (der koreanischen Sprache mächtigen) Freiwilligen, die als Übersetzer fungieren.

Vater: Lieber Golf oder Bogenschiessen

Die wundersame Geschichte des ­Tennisspielers Lee, der von Geburt an taub ist, beginnt mit dem Racket seines Cousins. Sein Vater sagt zum Trainer aber nur: «Unser Junge soll nicht zum Spass trainieren, wenn Sie kein Potenzial sehen, werden wir nicht weitermachen.» Er bevorzugt eine akustisch weniger herausfordernde Sportart wie Golf oder Bogenschiessen.

Ein tauber Profi? Chancenlos

Die Eltern und Trainer seiner (meist unterlegenen) Gegner belächeln jedoch seine Ambitionen, da der Schlagklang im Tennis viel über Spin und Tempo des Balls verrät – ein riesiger Nachteil für Lee. Sie meinen, dass auf der Jugendstufe die Ballgeschwindigkeit noch langsam ist, dies sich bei den Profis jedoch rapide ändert und er dann nicht mehr reagieren kann, weil er nichts hört.

Das Gehör liefert wichtige Informationen

Auch für das Timing der eigenen Schläge ist das Gehör unerlässlich. Martina Navratilova bezeichnete das übermässige Stöhnen einst gar als Betrug, weil sie denkt, dass es den Klang des Balls vom Schläger verschleiert. Lee meint dazu: «Ich verfolge die Bewegungsabläufe des Gegners und die Flugkurve des Balls genau. Weil ich nichts höre, kann ich mich dafür komplett auf das Match konzentrieren und werde nicht abgelenkt.»

Gehörlosen-Weltmeister? Nein danke

Er trägt auch keine Hörhilfen. Nicht im Alltag, nicht auf dem Platz – obwohl er bei den Profi-Turnieren dürfte. Der 21-Jährige möchte keine Sonderstellung, lernt daher auch die Gebärdensprache nicht und verzichtet auf die Teilnahme an den «Deaflympics», den Olympischen Spiele der Gehörlosen. Lee hat ganz andere Sorgen. «Ich könnte etwas grösser sein, das würde meinem Spiel mehr helfen», sagt der 1,75 Meter kleine Südkoreaner.

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