Der Kraftakt der WTA-Stars

Vom Fed-Cup im europäischen Winter zum Outdoor-Einsatz im Mittleren Osten innert 48 Stunden: Die Aushängeschilder der Frauentour sind besonders gefordert.

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Es war eine Denksportaufgabe für die Spielplangestalter beim WTA-Turnier in Doha, die definitiv höhere Mathematikkenntnisse erforderte. Auf Montag war der Start des Hauptfeldes in Katar angesetzt, wie es an den meisten Events üblich ist. Allein, es fehlten die Spielerinnen, um den «Order of Play» für jenen Tag zu füllen. Einige waren zwar da, auch Stars wie Elina Switolina, Angelique Kerber, Julia Görges, Caroline Wozniacki oder Kiki Bertens, mussten aber noch auf ihre Gegnerinnen warten, die in der letzten Qualifikationsrunde ermittelt wurden. Oder auf jene, die noch gar nicht da waren.

Und das waren viele. 14 Spielerinnen, die in Doha im Einzel oder Doppel antreten, waren bei der Auslosung vom Samstagabend noch im Fed-Cup engagiert, der vom Internationalen Tennisverband ITF durchgeführt wird. Grossmehrheitlich in Europa zwar, aber doch eine halbe Ewigkeit von Doha entfernt. Der Beginn des Main Draw umfasste so gerade einmal eine Partie, jene zwischen der Tschechin Barbora Strycova und einer Wild Card aus dem Oman.

Halep feierte ausgiebig

Besonders hart traf es die Protagonistinnen des umkämpftesten Fed-Cup-Viertelfinals der Weltgruppe I zwischen Tschechien und Rumänien in Ostrava. Das Team um Simona Halep hatte die elf Siege umfassende Heimserie der Tschechinnen nach einem dramatischen Sieg im Doppel beendet und damit erstmals überhaupt den Halbfinal erreicht. Halep, die Pliskova am Sonntag in einem Klassiker mit 6:4 im dritten Satz niedergerungen hatte, war nachher beim Feiern an vorderster Front dabei.

«Ich habe dann den Sieg mit dem Team ausgiebig gefeiert», sagte Halep am Dienstagvormittag auf Anfrage, «dann war ich den ganzen Montag unterwegs, zuerst im Auto nach Wien und dann im Flieger. Jetzt bin ich vor allem eins: müde.» Eine Absage sei für sie aber nicht infrage gekommen, führte sie aus: «Ich habe gute Erinnerungen an dieses Turnier.»

Pliskova ihrerseits hatte schon am Montag die 300 Kilometer von Ostrava nach Wien zurückgelegt. In Schwechat bestieg sie noch am Abend den Flieger und landete am Montagmorgen in Doha. Am Nachmittag schlug sie die ersten paar Bälle und absolvierte dann ihre medialen Verpflichtungen. «Ich habe sehr wenig geschlafen und bin nun sehr müde», sagte die Turniernummer 2, «aber ich spiele erst am Mittwoch und hoffe, dass es bis dann besser geht.» Die Umstellung ist gross, auch wegen der völlig unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, aber Pliskova nimmt die Herausforderung an. «Natürlich hätte ich lieber ein paar Tage Pause gehabt. Ich werde aber versuchen, gut zu schlafen, und mein Physiotherapeut ist auch hier. Wir werden alles machen, damit ich fürs erste Spiel bereit bin.»

Nur Barty sagte ab

Die Arbeitsmoral stimmt aber: Von den Gemeldeten sagten nach der Auslosung nur Ashleigh Barty und kurz vor ihrem ersten Einsatz die Französin Caroline Garcia ab. Die Australierin, die am Sonntag in North Carolina noch zwei Punkte zum 3:2-Auswärtssieg gegen die USA beisteuerte, hätte aber schon übersinnliche Kräfte besitzen müssen, um Doha rechtzeitig zu erreichen.

Noch weniger Ruhezeit als Halep und Pliskova haben all jene, die nicht wenigstens von einem Startrundenfreilos profitieren: Camila Giorgi, Mihaela Buzarnescu, Jelena Ostapenko, Aljaksandra Sasnowitsch, Anastasija Sevastova, Elise Mertens und Katerina Siniakova – sie alle kamen am Montag an und müssen bereits am Dienstag spielen. Dies, weil das Turnier bereits am Samstag endet und sie so im Falle des Erreichens des Finals jeden Tag spielen müssten. Ob eine von ihnen der Müdigkeit bis am Schluss trotzen kann?

baz.ch/Newsnet

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