Spitzenspiel nach Basler Geschmack

Der FC Basel ist ein Mal mehr in dieser Saison zum richtigen Zeitpunkt bereit – und gewinnt die Partie gegen YB 3:0.

Stürmer Arthur Cabral (rechts) trifft bereits in der 6. Minute zur Basler Führung. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Stürmer Arthur Cabral (rechts) trifft bereits in der 6. Minute zur Basler Führung. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Der «neue» FC Basel hat unter der Führung von Bernhard Burgener ja inzwischen durchaus ein paar Erfolge gesammelt. Da waren die grossen Siege in der Champions League gegen Benfica Lissabon oder Manchester United gleich in der ersten Saison. Der Cupsieg im Vorjahr. Und – ganz frisch – das vorzeitige europäische Überwintern nach nur vier Runden.

Was im Leistungsausweis des gar nicht mehr so «neuen» FCB bislang fehlte, gestern aber eindrücklich nachgeholt wurde, war ein Sieg in einem echten Spitzenspiel. Erster gegen Zweiter, volles Stadion, das alles gepaart mit sportlicher Relevanz. So eine Partie hatten die Basler ja schon länger nicht mehr gewonnen.

Da war im Mai 2018 zwar ein 5:1 gegen die Young Boys. Dieser Sieg hatte aber den Makel, dass YB damals schon längst Meister war und sich in all den Feierlichkeiten auch über fünf Gegentore nicht wirklich aufregen konnte.

Gestern nun gab es nichts zu beanstanden am 3:0 des FCB. Es gab nicht einen einzigen Grund, warum dieser Spitzenspielsieg nicht Spitzenspielsieg-würdig sein sollte: Die Berner waren in der Tabelle noch nicht so weit entrückt, dass ihnen eine Niederlage egal sein konnte. Für den FCB ging es zudem darum, nicht hinter den FC St. Gallen zurückzufallen. Und die Basler waren ein paar Stunden vor dem Anpfiff gegen YB ja sogar noch beruflich in Russland unterwegs.

Die Spielfreude

Das war einer der Punkte, die im Vorfeld der Partie als Vorteil für die Berner aufgelistet wurde: YB hat am Donnerstag zwar auch ein Spiel in der Europa League bestritten, musste dafür aber nicht fünf Stunden im Flugzeug sitzen. Sondern nur ein paar Minuten ins eigene Stade de Suisse fahren. Doch von den befürchteten Reisestrapazen war bei den Baslern überhaupt nichts zu spüren.

Der FCB ging nämlich gleich mit seinen ersten Aktionen 2:0 in Führung. Vor dem 1:0 spielten sich Fabian Frei und Edon Zhegrova vor den Berner Strafraum, Zhegrova liess Verteidiger Cédric Zesiger stehen und bediente Stürmer Arthur Cabral (6.). Ein paar Minuten später erzielte Omar Alderete dann nach einer Ecke von Kevin Bua das 2:0 mit dem Kopf (13.). «Wir waren von Anfang an parat», sollte Marcel Koller den Auftakt später ziemlich nüchtern zusammenfassen.

Nun hat aber die Vergangenheit gezeigt, dass ein 2:0 gegen die Young Boys noch lange nicht die Entscheidung sein muss. Erst recht nicht in Zeiten, in denen die Berner gerne mal drei Tore kassieren und trotzdem noch gewinnen. Doch ein Aufbäumen der Gäste gab es dieses Mal nicht. Stattdessen hatten die Basler Chancen durch Zuffi (20.), Zhegrova (23.) oder Frei (42.), um vor der Pause das 3:0 zu erzielen.

«Wir wollten nach vorne spielen und wir wollten, ganz allgemein gesagt, spielen», sagte Koller. Das funktionierte, weil die Basler auch nach der Pause nicht aufhörten – und die Berner nie wirklich damit anfingen. Einerseits, weil YB doch spürbar von seiner Form des Vorjahres entfernt ist. Andererseits aber auch, weil die FCB-Defensive von Jonas Omlin über Eray Cömert sowie Omar Alderete bis hin zu Fabian Frei, Taulant Xhaka und Luca Zuffi im Zentrum nicht viel zuliess.

Die Basler verstehen es in dieser Saison, auf den Punkt bereit zu sein. Erst recht, wenn ein wichtiges Spiel im St.-Jakob-Park stattfindet. Das war gegen Eindhoven so, gegen Krasnodar und auch gegen Getafe. Und jetzt dieser Sieg gegen YB, der ebenfalls hochverdient war, weil Einstellung und Einsatz stimmten.

Denn gleich nach der Pause erhöhte Zhegrova mit einem Solo auf 3:0, und die restliche Zeit hatten die Basler keine Probleme, die YB-Angriffe zu unterbinden. Bis auf ein paar Chancen, die entweder am Tor vorbeigingen oder von Omlin pariert wurden, war da aber auch nicht viel.

Die Tabellenspitze

So konnte Koller nach dem Spiel darauf verweisen, dass seine Schonungsmassnahmen für das Spiel in Russland berechtigt waren. «Mir ist es auch noch nie gelungen, den Tabellenführer zu schlagen», sagte er nach dem Abpfiff. «Es ist schön, das zu erleben. Und das zeigt, dass wir Fussball spielen können – auch wenn es ab und zu mal eine kritische Stimme gegeben hat.»

Die sind vorerst verstummt. Um einen vergleichbar dominanten Sieg gegen YB zu finden, muss man in der Statistik nämlich einige Jahre zurückgehen. Und nach zuletzt zwei Niederlagen ohne Tor haben die Basler erneut zum richtigen Zeitpunkt ihre Fähigkeiten wieder bewiesen.

Auch dank dieser Leistung ist die Liga so spannend wie lange nicht. Die ersten drei Clubs tummeln sich innerhalb von zwei Punkten an der Spitze. Das ist gut für die Liga. Und das ist gut für den FCB. Denn damit ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der FCB auch im nächsten Jahr noch einige echte Spitzenspiele nach seinem Geschmack bestreiten wird.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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