Zu viel Regen für den Regenbogen

Ein Schweizer Mountainbiker gewinnt den Weltcup-Auftakt in Albstadt souverän. Aber der Sieger heisst für einmal nicht Nino Schurter, sondern Mathias Flückiger.

Am zweiten Weltcupsieg von Mathias Flückiger gibt es nichts zu bemängeln: Diesmal lässt der Berner die gesamte Weltelite stehen. (Bild: EGO-Promotion)

Am zweiten Weltcupsieg von Mathias Flückiger gibt es nichts zu bemängeln: Diesmal lässt der Berner die gesamte Weltelite stehen. (Bild: EGO-Promotion)

Emil Bischofberger@bischofberger

Nach zehn Rennminuten geht der Regen vom Tröpfeln über zum Schütten. Wenn einem Fahrer nun das Herz hüpft, dann Lars Forster, dem Regenspezialisten. Der St. Galler fährt da bereits an der Spitze des Rennens, zusammen mit seinem neuen Teamkollegen Nino Schurter. Werden die beiden ein einsames Paarzeitfahren abliefern und damit den Tag für Scott-Sram perfekt machen, nachdem ihre Kollegin Kate Courtney zuvor das Frauenrennen dominiert hat?

Doch ihr Traumszenario hält sich keine Runde lang aufrecht. Erst rutscht Forster in einer Kurve auf der Wiese das Vorderrad weg. Wenig später in einer an sich einfachen Passage ein zweites Mal. Nun muss er sein Bike richten, ehe er weiterfährt, weit zurückgefallen. Doch sein Tag wird noch schlechter: In der heiklen Waldabfahrt verletzt er sich beim dritten Sturz am Knie, muss von der Sanität geborgen und ins Spital gebracht werden.

Weltmeister Schurter sieht man derweil kämpfen wie noch fast nie. Nämlich so: vergeblich. Ein Fahrer nach dem anderen überholt ihn. Im Ziel, das weisse Regenbogentrikot komplett schlammverschmiert, gibt er sich sehr wortkarg. Er kennt das ­Gefühl nicht: Ohne Sturz oder Defekt nur Rang 6 zu erreichen. ­«So was gibt es halt manchmal», sagt er schulterzuckend. «Manchmal» heisst in seinem Fall: Alle acht Jahre. 2011 war er letztmals ohne Zwischenfall in einem Weltcup schlechter klassiert gewesen.

Ein Schweizer Tag wird es im süddeutschen Schlamm von Albstadt trotzdem: Mathias Flückiger gleitet trotz schwachem Start mühelos über den Parcours, ohne Wackler. Bei Rennhälfte übernimmt er die Führung – und schaut nicht mehr zurück.

Der Sieg ohne Makel

Es ist sein zweiter Sieg in den letzten drei Weltcuprennen, in Mont-Sainte-Anne hatte der 30-Jährige im August die lange überfällige Premiere gefeiert. «Ich war schon dort der Meinung, ich sei an dem Tag der Stärkste gewesen. Aber es gab diese Stimmen...», sagt Flückiger und meint damit jene, die sagten, er habe eben auch gewonnen, weil bei Schurter an jenem Tag die Kette riss und Übertalent Mathieu van der Poel gar nicht angetreten war. «Heute habe ich alle schlagen können», stellte Flückiger die Fakten klar. Und das ausgerechnet in Albstadt, wo er schon oft sein Potenzial angedeutet, aber eben doch nie in ein Topresultat umgesetzt hatte. Mal war es ein Plattfuss, mal ein Sturz, mal eine schlechte Renneinteilung. «Heute setzte ich aus all den Erfahrungen dieses Rennen zusammen.»

Bei der Siegerehrung steht neben Flückiger Van der Poel als Zweiter, und zwei Stufen weiter unten Florian Vogel (5.) – im ­Bike-Weltcup werden die Top 5 ausgezeichnet. Der 37-Jährige ist der zweitälteste Fahrer, der immer noch vorne mitmischt. Das Resultat überraschte ihn aber komplett, in der Nacht auf Samstag hatte er mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen gehabt.

Meilenweit entfernt auf Platz 2

Bei den Frauen fährt Jolanda Neff ein so einsames wie solides Rennen: Kurz nach dem Start reiht sie sich hinter Weltmeisterin Courtney auf Position 3 ein, kurz vor dem Ziel rückt sie nach einem Sturz einer Konkurrentin noch auf den zweiten Platz vor. «Superzufrieden» ist sie ob diesem Resultat. «Ich habe dieses Jahr bewusst meinen Formaufbau etwas verzögert, ich fühle mich noch meilenweit von meiner Topform entfernt», so Neff. Entsprechend ist auch ihr Plan nach dem Weltcup am Sonntag in Nove Mesto klar: «Dann kommt eine Pause, in der ich den Abstand von meilen- auf kilometerweit verkleinern werde.»

Redaktion Tamedia

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