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Sie fährt einfach nur durch die Halfpipe

Wie bitte? Keine Tricks? Skifahrerin Elizabeth Swaney zeigt nichts und wird Letzte. Wieso durfte sie überhaupt starten?

Ohne Tricks durch die Halfpipe: Elizabeth Swaney.

Teilnehmen ist wichtiger als siegen. Als Pierre de Coubertin, der als Gründer des Internationalen Olympischen Komitees IOK als Vater der modernen Olympischen Spiele gilt, dieses Bonmot prägte, dachte er kaum, dass noch rund 120 Jahre später eine Athletin dies so wortgetreu umsetzen würde.

Elizabeth Swaney, die für Ungarn startende 33-jährige Kalifornierin, machte 2018 in Pyeongchang nun genau das. Sie sagt es nicht nur, sie tut es offensichtlich. Im Qualifikations-Run der Freestyle-Skifahrerinnen belegte sie in der Halfpipe den letzten Rang, obwohl ihr kein einziger Fehler unterlief. Sie zeigte indes auch keinen einzigen Trick, sondern fuhr seelenruhig nach unten.

Reguläre Qualifikation, aber ...

Swaney, die erst seit fünf Jahren kompetitiv fährt, beherrscht offenbar auch so gut wie keine Tricks, zumindest keine, die sie auf Wettkampf-Level zeigen könnte. Die Qualifikation für Pyeongchang gelang Swaney zwar regulär, aber dennoch auch dank Lücken im Regelwerk.

Ungarn stellte vor ihr noch nie eine Ski-Halfpipe-Athletin und kam zum Quotenplatz nur, weil andere Nationen mangels Athletinnen verzichteten. Swaney startet erst seit 2016 für die Osteuropäer, zuvor war sie als Athletin Venezuelas notiert. Ein Start für ihr Heimatland USA kam wegen der starken Konkurrenz nie infrage.

Swaney holte die nötige Anzahl der geforderten Top-30-Ränge im Weltcup, indem sie an so vielen Wettkämpfen wie nur möglich startete, sie reiste mehrheitlich auf eigene Kosten nach Neuseeland, China, Kanada, Südkorea, Frankreich, Italien und startete auch in ihrem Heimatland USA. An vielen dieser Orte starteten nur rund 25 Athletinnen, womit der Top-30-Rang von vornherein feststand.

Ihr bestes Resultat beispielsweise, einen 13. Platz, holte Swaney an einem Weltcup mit nur gerade 15 Starterinnen. An jenem Tag fand an einem anderen Ort ein deutlich besser dotierter Weltcup statt, weshalb folglich die meisten der Top-Fahrerinnen nicht bei Swaneys Wettkampf dabei waren.

Hin und wieder auch besser als bloss Letzte

Swaney musste jeweils auch genügend Punkte an den Wettkämpfen sammeln. Sie tat das auf die gleiche Weise wie nun an den Olympischen Spielen. Eine Fahrt ohne Fehler und ohne Tricks garantiert ihr jeweils 30 Punkte. Stürzten Konkurrentinnen, konnte sie mit dieser Punktzahl hin und wieder auch mehr als bloss den letzten Rang belegen.

Gemäss Swaney wechselte sie zum ungarischen Verband, da ihre Grosseltern aus dem Land stammten. Auch der ungarische Skiverband zeigt sich von ihrer speziellen Performance überrascht: Wie der Journalist Gergely Marosi auf Twitter schreibt, habe der Verband Swaney seit über einem Jahr nicht mehr in Action gesehen und habe ihr Level erst in Südkorea feststellen können.

Swaneys Konkurrentinnen wollten sich in Pyeongchang nicht öffentlich zu den sportlichen Auftritten der Kalifornierin äussern, offenbar herrscht grosse Skepsis. Swaney selber möchte sich als Inspiration sehen. Für die Menschen in Ungarn, aber auch weltweit: «Damit sich mehr Leute im Freestyle-Ski involvieren. Damit sie sehen, dass man auf verschiedene Arten etwas erreichen kann. Vielleicht bin ich der Grund, dass andere mit dieser Sportart beginnen.»

Sie trat einst auch gegen den Terminator an

Dass Swaney gerne in grossen Bildern denkt, beweist eine Episode, welche die «Dallas Post» erzählt: Eine der Konkurrentinnen, die Arnold Schwarzenegger auf dem Weg zu Kaliforniens Gouverneur ganz im Sinne seiner berühmten Filmfigur (politisch) «terminierte», war … Elizabeth Swaney.

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