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Die stricken, die Finnen

Antti Koskinen, der strickende Snowboard-Coach: Er ist einer der Internet-Stars der Winterspiele in Südkorea. Und er hat das Strickfieber im finnischen Olympiateam ausgelöst.

Video: Tamedia/News Center

Ob stundenlang in der Sauna für verrückte Ausdauerwettbewerbe oder brutalster Heavy-Metal-Sound. Finnen lieben die Extreme.

Auch im Sport findet sich dieses Phänomen: Janne Niinimaa wurde in der Eishockeyszene auch wegen seiner Vorliebe für die ganz krassen Töne des harten Metal zur Kultfigur. Als er in der NHL spielte, rankten sich Legenden um den Verteidiger und angebliche dunkle Rituale in Hotelzimmern.

Als er 2007 in der Schweiz zum HC Davos stiess, verboten seine neuen Teamkollegen umgehend dem Liebhaber des Black Metal, einer der extremsten Formen des Heavy Metal, seinen iPod an die Musikanlage in der Garderobe zu schliessen – die erste kurze Kostprobe war bereits die berühmte eine zu viel gewesen.

Heute betreibt Niinimaa einen eigenen Heavy-Metal-Club in Oulu und promotet Konzerte mit hartem Sound.

Doch es geht auch anders. Ganz anders. Dann, wenn Finnen statt des totalen Lärms die totale Ruhe suchen.

Die spinnen, die Finnen? Nein, sie stricken

Wie bei Olympia in Pyeongchang. Was die Finnen dafür tun? Sie stricken. Ausgelöst hat den Strick-Boom Snowboard-Coach Antti Koskinen. Er strickt während des Wettkampfes, wenn er oben bei der Startrampe steht. Und er strickt nach den Rennen an der Pressekonferenz.

Koskinen tat dies bereits 2014 in Sotschi, er tut es wieder in Südkorea. Und seine Athleten stricken fleissig mit, genauso wie weitere finnische Sportlerinnen und Sportler anderer Sportarten. «Stricken beruhigt», weiss Koskinen.

Wenn also Slopestyler Roope Tonteri sich in den Parcours zu stürzen gedenkt, steht Koskinen zwar daneben, wie das Coaches zu tun pflegen. Er stimmt seinen Athleten aber weder mit heroischer Rede noch mit wildem Geschrei auf den Run ein, sondern er strickt. Die Kommunikation vor dem Run ist auf das Nötigste beschränkt: Das Strickzeug kurz in die eine Hand, mit der anderen ein schneller Fist Pump. Das muss reichen, danach wird gleich weitergestrickt.

Stricken ist in Pyeongchang nun gar ein politisches Grossprojekt geworden. In Sotschi wurde noch ein riesiger Schal im Teamwork hergestellt, nun ist das Ziel, bis zum Ende der Winterspiele eine grosse Decke für das neugeborene Söhnchen des Präsidenten Sauli Niinistö und seiner Ehefrau Jenni Haukio anzufertigen.

«Wenn ich Antti stricken sehe, muss ich lachen»

Doch bringt das Stricken auch Erfolg? Darum geht es Coach Koskinen nicht einmal: «Mit Roope haben wir die Tradition, am Start die Stimmung locker zu halten. Da hilft das Stricken definitiv.» Tonteri bestätigt: «Wenn ich Antti stricken sehe, muss ich lachen. Da denke ich gar nicht mehr allzu sehr an meinen Run. Und Stricken hat etwas sehr Finnisches: Du machst etwas und musst nicht unnötig sprechen.»

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