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«Es ist einfach Wahnsinn»

Der 18-jährige Max Verstappen begeistert mit dem Sieg in Spanien die Formel 1 und sich selbst. Bei Mercedes geht der Bruderkrieg in die nächste Runde.

Und so sieht er aus, der jüngste Formel-1-GP Gewinner aller Zeiten: Der Niederländer Max Verstappen lässt heute in Barcelona alle hinter sich.
Und so sieht er aus, der jüngste Formel-1-GP Gewinner aller Zeiten: Der Niederländer Max Verstappen lässt heute in Barcelona alle hinter sich.
Emilio Morenatti
Hinter ihm reihen sich die beiden Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel ein. Die Red-Bull und Ferrari-Piloten schenken sich nichts.
Hinter ihm reihen sich die beiden Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel ein. Die Red-Bull und Ferrari-Piloten schenken sich nichts.
Tom Gandolfini, AFP
Das Überraschungs-Podest am Ende der 66 Runden: Verstappen vor Räikkönen vor Vettel.
Das Überraschungs-Podest am Ende der 66 Runden: Verstappen vor Räikkönen vor Vettel.
AP Photo: Emilio Morenatti
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Sichtlich aufgewühlt machte sich Max Verstappen auf den Weg zur Siegerehrung. «Ich kann es noch nicht richtig glauben», sagte der 18-Jährige zu Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko, der glücklich entgegnete: «Aber es ist soweit.»

Verstappens Triumph ist ein Märchen, das kaum besser hätte inszeniert sein können. Unter der Woche beförderte ihn Marko von Toro Rosso zu Red Bull, begleitet von kritischen Stimmen. Der Holländer, Sohn des ehemaligen Rennfahrers Jos Verstappen, sei zu jung, zu unerfahren – vergangenes Jahr wurde er im Alter von 17 gar als Gefahr für die Formel 1 bezeichnet. Dazu stänkerte der nach einem Crash mit Sebastian Vettel degradierte Daniil Kwjat mehrfach gegen die Entscheidungsträger.

Nun das: Bei seinem Debüt für Red Bull holt er in Barcelona gleich als erster Niederländer überhaupt den GP-Sieg. Der jüngste Formel-1-Fahrer in der Geschichte wurde somit auch zum jüngsten Rennsieger. «Es ist einfach unglaublich», sagte Verstappen zuoberst auf dem Treppchen. Als ihn der Opernsänger und Ehrengast Placido Domingo fragte, ob sein Vater stolz sei auf ihn, sagte der frischgebackene Rekordhalter grinsend: «Das hoffe ich doch.»

Faire Verlierer

Natürlich war er das, wie Jos Verstappen gegenüber «Sky» selber bestätigte: «Was für ein Rennen. Max wusste genau, was zu tun war, und er hat das richtig umgesetzt. Es ist einfach Wahnsinn.» Daneben stand sein Freund Gerhard Berger, ein zehnfacher GP-Sieger, und erklärte: «Max hat eindeutig Weltmeister-Potenzial.» Berger ist schon länger ein grosser Fan des jungen Holländers, zuletzt sagte er dem «ORF»: «Bei Max wundere ich mich über gar nichts mehr. Dass er bei Red Bull Racing auf Anhieb mit den Besten mithalten würde, das war mir klar.»

Gratulationen gab es auch von den Gegnern. «Ich freue mich sehr für Verstappen», so der zweitplatzierte Kimi Raikkönen. Und an der Pressekonferenz erklärte Sebastian Vettel, Dritter beim GP in Barcelona und der jüngste Sieger vor dem neuen Rekordmann: «Das ist Max' Tag, denn dieser Rekord ist etwas ganz besonderes.»

«Eine komplette Katastrophe»

Weniger gut war die Stimmung im Mercedes-Lager. Pole-Starter Lewis Hamilton wurde von Teamkollege Nico Rosberg sofort überholt, worauf der Brite sich die Führung schnell zurückholen wollte. Obwohl er auf der rechten Seite eigentlich keinen Platz hatte, versuchte Hamilton vorbeizufahren, worauf es zu Crash kam. Beide Mercedes-Fahrer schieden aus. Mercedes-Boss Niki Lauda schimpfte: «Eine komplette Katastrophe. Der Fehler liegt voll beim Lewis. Er hat Nico unnötig abgeräumt. Wir haben jetzt ein Meeting und müssen das besprechen.»

Auch Teamchef Toto Wolff war sauer: «Wir haben 43 Punkte verloren. 1300 Leute haben sich auf dieses Rennen vorbereitet. Jetzt haben wir alles weggeschmissen.» Nach dem ersten Frust gab er sich gegenüber RTL aber etwas zurückhaltender: «Es ist nicht so, dass man einem ausschliesslich die Schuld zuschieben kann.» Die Teamleitung werde sich die Daten und Fernsehbilder in Ruhe anschauen.

Verstappen wird das alles egal sein. Er dürfte seinen Sensationssieg gebührend feiern. Berger hatte diesbezüglich so eine Vorahnung: «Das wird eine typisch holländische Party – mit ordentlich zu trinken.»

Die zehn jüngsten Grand-Prix-Sieger der Formel-1-Geschichte:

1. Max Verstappen (NED) 18 Jahre, 228 Tage – Spanien 2016 2. Sebastian Vettel (GER) 21 Jahre, 73 Tage – Italien 2008 3. Fernando Alonso (ESP) 22 Jahre, 26 Tage – Ungarn 2003 4. Troy Ruttman (USA) 22 Jahre, 80 Tage – Indy 500 1952 5. Bruce McLaren (NZL) 22 Jahre, 104 Tage – USA 1959 6. Lewis Hamilton (GBR) 22 Jahre, 154 Tage – Kanada 2007 7. Kimi Räikkönen (FIN) 23 Jahre, 157 Tage – Malaysia 2003 8. Robert Kubica (POL) 23 Jahre, 184 Tage – Kanada 2008 9. Jacky Ickx (BEL) 23 Jahre, 188 Tage – Frankreich 1968 10. Michael Schumacher (GER) 23 Jahre, 240 Tage – Belgien 1992

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