Intime Bilder: Sprinterinnen wehren sich gegen neue Kamera

Sie soll «besondere Bilder» liefern, doch die Startblock-Kamera sorgt an der Leichtathletik-WM vor allem für Ärger.

Die umstrittene Kamera befindet sich vorne am Startblock. (Bild: Getty)

Die umstrittene Kamera befindet sich vorne am Startblock. (Bild: Getty)

Sie hielten das tatsächlich für eine grosse Idee beim Leichtathletik-Weltverband: Sportler von unten durch die Beine hindurch ins Gesicht zu filmen. Anfang September verkündete man, dass rechtzeitig zur WM in Doha die neue Technik («bahnbrechend!») zum Einsatz kommt: Kameras in den Startblöcken. So versprach man Bilder, «die das Publikum noch nie zuvor gesehen hat». Die Verantwortlichen hätten ein Jahr daran gearbeitet, dass die Übertragung der WM «fresh and dynamic» werde. Das Ergebnis ist, wenig überraschend, nicht viel besser als die Idee eben klingt.

Wie viele Sportler in die Sache mit einbezogen wurden, ist nicht überliefert, aber die Vermutung liegt nahe: eher nicht so viele. «Ich finde diese Kameras nicht ganz so geil», sagte die Deutsche Gina Lückenkemper, nachdem sie im Khalifa-Stadion von Doha ihren Vorlauf über 100 Meter gerannt war, «ich weiss nicht, ob ihr unbedingt von unten von einer Kamera gefilmt werden wollt.»

Manchen hängen die Haare oder Ketten ins Gesicht

Die Bilder, die die Zuschauer zu sehen bekommen, sind ziemlich verzichtbar: Sie zeigen konzentrierte Gesichter, die eben auf den Startschuss warten. Manchen Sportlerinnen hängen die Haare oder Ketten ins Gesicht, manchmal ist noch ein Stück Bein zu sehen. «Du weisst, dass die Kamera da ist. Das ist das Unangenehme daran», sagte Lückenkemper.

Beim Einstieg in den Startblock wird zwar noch nichts für den Zuschauer übertragen, trotzdem kann irgendwo ein Kameramann die Bilder sehen. Für die Athletinnen eine unfreiwillig freizügige Aktion. «War bei der Entwicklung dieser Blöcke eine Frau beteiligt? Ich glaube nicht», sagte Lückenkemper, «in den knappen Sachen über die Kamera drüber zu steigen, um in den Block zu gehen, finde ich sehr unangenehm.» Auch Landsfrau Tatjana Pinto findet es «sehr fragwürdig, die Kamera da zu platzieren».

Erfolgreiche Beschwerde

Die Beschwerde der beiden Deutschen, die im Halbfinal gescheitert waren, führte zu einem Teilerfolg. Wie der Deutsche Leichtathletik-Verband am Sonntag mitteilte, habe man mit dem Weltverband IAAF einen Kompromiss gefunden. Demnach werden die Bilder der sogenannten «upper cameras» im TV-Kontrollraum des Khalifa-Stadions, im Fernsehen und auf der Stadion-Videowand erst gross gezeigt, wenn die Athleten im Block sitzen, teilte der DLV mit. «Es wird nur die finale Blockstellung der Athleten gezeigt», hiess es weiter. Zudem würden die Videodaten nicht gespeichert und täglich gelöscht. Der WM-Einsatz der neuen Kameras im Startblock ist nur bei den 100 Metern und im Hürdensprint vorgesehen.

Die neue Startblock-Kamera. (Video: Twitter)

sz/dpa

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