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So geht es mit den Wunderschuhen weiter

Der Weltverband stellt gemäss «Guardian» ein Moratorium für neue Laufschuhe vor. In der Zukunft sollen Wunderschuhe ausgebremst werden.

Eliud Kipchoge lief mit dem Wunderschuh eine Wunderzeit. (Bild: Keystone)
Eliud Kipchoge lief mit dem Wunderschuh eine Wunderzeit. (Bild: Keystone)

In dieser Geschichte ist der Leichtathletik-Weltverband die Katze Tom, der Schuhproduzent Nike die Maus Jerry: Jerry ist Tom stets einen Schritt voraus. Denn 2016 führte Nike einen Schuh ein, der das Laufen revolutionierte. Primär der Schuh macht seither den Unterschied, wenn zwei gleich gut Trainierte an der Startlinie stehen.

Ein Lauf für die Geschichtsbücher: Eliud Kipchoge rennt in Wien den Marathon unter der 2-Stunden-Grenze. (Video: ORF)

Damit schafft Nike im Elitesport eine Zweiklassengesellschaft: 31 der 36 Top-3-Plätze an den sechs Marathon-Majors (Tokio, Boston, London, Berlin, New York, Chicago) holten sich im letzten Jahr Athleten mit diesem besonderen Modell an den Füssen. Es wurde mittlerweile mehrfach weiterentwickelt und brachte Weltrekordhalter Eliud Kipchoge – der seine 2:01:39 Stunden mit einem Swoosh-­Modell ­erreichte – zuletzt bei laborartigen Bedingungen in Wien gar unter 2 Stunden.

Wissenschaftler gefragt

Nun werden die Funktionäre gemäss dem englischen «Guardian» morgen ein Technologie-Moratorium für 2020 bekannt geben – also im Olympiajahr. Heisst: Alle bislang verwendeten Modelle von Nike, aber auch der Konkurrenz, können getragen werden. Alle Schuhe, die in der Pipeline sind und kurz vor der Lancierung stehen, gerade wegen der Spiele im Juli, dürfen nicht verwendet werden.

Zudem soll eine Gruppe aus Wissenschaftlern und Brancheninsidern klären, was die Wunderschuhe wirklich so viel besser als alle anderen macht – und damit, wie der Schuhbau künftig reglementiert bzw. eingeschränkt werden kann, damit Chancengleichheit besteht.

Damit aber bleiben die Funktionäre weiterhin Toms: Schliesslich können alle bisherigen Schnellermacher auch an den Spielen benutzt werden. Weil diejenigen von Nike allen Konkurrenzprodukten überlegen sind, hinken die Hüter der Regeln trotzdem nach, ja sie schaffen gar per Reglement eine Ungleichheit mit immenser psychologischer Dimension.

Die Gegner wissen Bescheid

Die Gegner von Eliud Kipchoge, die nicht von Nike gesponsert werden, wissen nun an der Startlinie, dass er a) ihnen mit aller Wahrscheinlichkeit körperlich überlegen ist und b) auch besseres Material besitzt. Da braucht es fast mirakulöses Selbstvertrauen, dass sich Kipchoge-Gegner ohne Nikes nicht schon vor dem Start als Verlierer fühlen.

Hätten die Funktionäre alle Nike-Modelle rückwirkend für ungültig erklärt, hätten alle Zeiten und Siege der letzten rund drei Jahre konsequenterweise annulliert gehört.

Handkehrum: Hätten die Funktionäre alle Nike-Modelle rückwirkend für ungültig erklärt, hätten alle Zeiten und Siege der letzten rund drei Jahre konsequenterweise annulliert gehört. Eine GAU-Situation. Angesichts dieser zwei miesen Optionen scheinen sich die Regelhüter für das kleinere Übel entschieden zu haben – und würden Nike so zum grossen Sieger erklären.

Eine entscheidende Frage konnte der «Guardian» noch nicht zweifelsfrei klären: ob die Industrie ihre Innovationen auch den Hobbyläufern vorenthalten muss.

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