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Nach IOK-Entscheid prescht der Tennisverband vor

Rund um den russischen Dopingskandal liess das Olympische Komitee Milde walten. Trotzdem droht jetzt das Chaos.

Die russische Flagge wird an den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro vorerst zugelassen.
Die russische Flagge wird an den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro vorerst zugelassen.
Keystone

Wenige Stunden nach dem Entscheid des IOK, die russische Delegation nicht in corpore von den Olympischen Spielen auszuschliessen, erhalten die ersten russischen Sportler ihre Startberechtigung für Rio 2016. Als Erstes preschte der internationale Tennisverband ITF vor und schrieb in einer Mitteilung: «Wir glauben, dass die russischen Tennisspieler die Voraussetzung erfüllen, bei Olympia zu starten und werden sie deshalb in Rio willkommen heissen.»

Grundlage für diesen schnellen Entscheid ist wohl, dass im McLaren-Report der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) keine Tennisspieler des Dopingmissbrauchs bezichtigt werden. Dass demgegenüber unzählige Verdachtsmomente bestehen, liess die ITF unbeeindruckt.

Weil in diesem McLaren-Report staatlich angeordnetes systematisches Doping festgestellt worden war, behielt sich das IOK die Möglichkeit offen, Russland von den Spielen auszuschliessen. Diesen Entscheid fällte der Sportverband unter Präsident Thomas Bach gestern, und er liess mit den Russen Milde walten: Russland darf grundsätzlich teilnehmen, die Entscheidung obliegt aber den einzelnen Sportverbänden, wie sie auf den McLaren-Report reagieren.

Unwiderruflich gesperrt bleiben einzig die Leichtathleten. Diese waren mit ihrer Einsprache in der vergangenen Woche vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne (CAS) gescheitert.

Ein Kampf gegen die Zeit

In Russland nahm man den IOK-Entscheid mit Freude auf. «Wir sind dankbar für dieses Urteil», sagte Sportminister Witali Mutko und fügte an: «Ich gehe davon aus, dass der grösste Teil unserer Delegation in Rio am Start sein wird.» 339 Athleten hatte das Russische Olympische Komitee (ROC) gemeldet.

Trotzdem könnte durch das Verdikt des IOK jetzt ein Chaos entstehen, denn: Die Verbände müssen die Entscheide schnell fällen, ob ihrerseits sie die russischen Athleten sanktionieren wollen: Am Freitag in einer Woche werden in Rio die Spiele in Rio eröffnet, und bis in knapp zwei Wochen müssen alle Arbeiten erledigt sein. Um einem russischen Athleten die Teilnahme zu verbieten, muss ein Verband an den einen unabhängigen CAS-Richter gelangen, der abschliessend in der Sache entscheidet.

Der Internationale Leichtathletikverband IAAF, der die russischen Sportler auf Eigeninitiative ausgeschlossen hatte, bietet für alffällige Verfahren Hand an. «Wir sind gerne bereit, unsere Erfahrungen mit anderen Verbänden zu teilen», schrieb Präsident Sebastian Coe auf Twitter.

Stepanowa darf als Zuschauerin anreisen

Hingegen untersagt das IOK der russischen Whistleblowerin Julia Stepanowa die Teilnahme an den Spielen. Die Mittelstreckenläuferin, zusammen mit Ehemann Witali Stepanow Kronzeugin im Skandal um russisches Staatsdoping, hatte einen Antrag gestellt, in Brasilien unter neutraler Flagge zu starten. Dieser wurde nun abgelehnt. Das IOK lädt das Ehepaar aber ein, die Spiele als Zuschauer ansehen zu dürfen.

Sie genüge den ethischen Grundvoraussetzungen nicht, um an Olympischen Spielen teilzunehmen, lässt das IOK in einer Medienmitteilung wissen.

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