Zum Hauptinhalt springen

Profitieren Doper wirklich von Corona?

Der Schweizer Weltklassesprinter Alex Wilson behauptet, nun werde mehr gedopt, weil kaum mehr kontrolliert werde. Warum seine Aussage stimmt – und zugleich falsch ist.

Wird jetzt nicht mehr genügend auf Doping getestet? Foto: Roland Mühlanger (Imago)
Wird jetzt nicht mehr genügend auf Doping getestet? Foto: Roland Mühlanger (Imago)

Der schnellste Mann der Schweiz ist sich sicher: «Die Doper laden sich jetzt mit ihrem Zeugs voll.» Denn der Basler Alex Wilson, EM-Dritter über 200 Meter, sagt dem Online-Portal dieser Zeitung: «Wegen der Corona-Pandemie will jetzt doch niemand testen. Oder würden Sie in dieser Situation zu jemandem nach Hause kontrollieren gehen?»

Vereinfacht sagt Wilson: Doper sind im Spitzensport die grossen Profiteure dieser globalen Krise. Wird Ernst König, der Chef von Antidoping Schweiz, mit Wilsons Aussage konfrontiert, klingt seine Replik erst einmal wenig ­beruhigend. Man habe wie fast alle anderen nationalen Anti-Doping-­Agenturen die Kontrollzahl auf ein Minimum reduziert.

Die Wettkampftests fallen ohne Wettkämpfe weg, aber auch die Trainingskontrollen sind sowohl in der Schweiz wie in fast allen anderen Ländern stark ausgedünnt worden. In China musste die dortige Agentur in den ersten drei Februarwochen komplett aussetzen.

Überprüfung weiterhin erforderlich

Dass trotz Ausgangssperre oder zumindest Restriktionen der Bewegungsfreiheit global noch eine minimale Kontrolldichte vorhanden ist, hängt stark mit dem IOK zusammen. Es hat sich bislang nicht entscheiden können, die Olympischen Spiele vom Juli/August ­abzusagen. Ergo müssten in der Theorie alle (besseren) Olympiateilnehmer weiter regelmässig überprüft werden.

Keine Agentur aber kann diese Arbeit in der Breite zurzeit noch leisten – und Sonderfälle wie Alex Wilson schon gar nicht behandeln. Dieser trainiert momentan in den Vereinigten Staaten. Weil die Einreise in die USA zum jetzigen Zeitpunkt für Schweizer verboten ist, müsste Antidoping Schweiz also die amerikanischen Kollegen aufbieten. Diese aber haben zurzeit andere Prioritäten, als einen Schweizer Sprinter zu überprüfen. Sie sind schon froh, wenn sie wenigstens einige Eigene kontrollieren können.

Die Schweiz wiederum offenbart in der Krise erstaunliche Abstimmungsprobleme. In einer Ad-hoc-Übung entschieden das Bundesamt für Sport (Baspo) und Swiss Olympic jüngst, dass Schweizer Topathleten nach einer fünftägigen Selbstquarantäne quasi eine möglichst keimfreie Zone in Magglingen vorfinden würden, um sich gerade mit Blick auf die Spiele einigermassen normal vorbereiten zu können.

Ein Zeitfenster zum Betrügen

Mit Antidoping Schweiz aber sprach man sich nicht ab, weil man gemäss Baspo-Direktor Matthias Remund gar nicht erst an die Agentur gedacht habe. Man habe schlicht schnell helfen wollen. Müssten die Kontrolleure von Antidoping Schweiz aber erst einmal in eine fünftägige Quarantäne, ehe sie Athleten in Magglingen um Urin bzw. Blut bitten könnten, hätten diese ein sicheres Zeitfenster zum Betrügen.

Remund findet den Hinweis absurd – und sehr schweizerisch, will heissen: Probleme suchen, wo es keine gebe. Denn natürlich könnten Kontrolleure jederzeit und ohne vorheriges Absitzen das Baspo aufsuchen, sagt er. Zumindest diese ­Botschaft war bis am Donnerstagnachmittag bei den hiesigen Dopingbekämpfern gar noch nicht angekommen, weil sich diese beiden bedeutenden Player im Schweizer Sport schlicht nicht ausgetauscht hatten.

Bleibt die Frage, ob sich das ­Betrügen ausbezahlt – und gemäss Alex Wilson die Stunde der Doper geschlagen hat. Nein. Denn ohne Wettkämpfe gibts keine Gegner und damit keine Betrogenen, zumal auch das IOK umdenken und die Spiele absagen wird. Den Dopern wird die Plattform fehlen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch