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Aufruf ans IOK: «Erlöst die Athleten»

Mit dem Leichtathletik-Weltverband fordert der erste und wichtigste olympische Verband, die Sommerspiele zu verschieben. Auch die Schweizer Olympiafunktionäre plädieren für einen späteren Termin.

Christian Brüngger
IOK-Präsident Thomas Bach gerät immer mehr in die Defensive.
IOK-Präsident Thomas Bach gerät immer mehr in die Defensive.
Keystone

Kaum hat das Internationale Olympische Komitee (IOK) angekündigt, innert vier Wochen über eine mögliche Verschiebung der Spiele von Tokio zu entscheiden, muss es bereits nachlegen.

Denn mit World Athletics fordert nun erstmals ein olympischer Verband – und gleich der wichtigste –, die Spiele zu verschieben. Präsident Sebastian Coe teilte IOK-Präsident Thomas Bach in einem Brief diese Botschaft mit – und reichte seine Schrift auch gleich einigen Medien weiter, um den Druck auf Bach zu erhöhen. «Es ist weder möglich noch wünschenswert, dass die Spiele wie geplant im Juli und August ausgetragen werden», schreibt Coe.

«Ich glaube, es ist Zeit zu handeln. Das schulden wir den Athleten.»

Sebastian Coe

«Niemand möchte Olympische Spiele verschieben, aber wir können sie nicht durchzwängen, und schon gar nicht auf Kosten der Athleten. Darum muss nun sehr schnell entschieden werden», schreibt Coe und schränkt so den Handlungsspielraum des IOK weiter ein. Schliesslich teilte dieses noch am Sonntag mit, innert vier Wochen informieren zu wollen, nachdem es zuvor gesagt hatte, es bestehe kein Grund zur Eile. Coe ist anderer Ansicht: «Ich glaube, es ist Zeit zu handeln. Das schulden wir den Athleten. Denn jeder meiner Kontinentalpräsidenten glaubt, dass wir (wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Red.) keine Chancengleichheit mehr haben, weil viele Athleten im Training stark eingeschränkt sind. Büssen wir aber die Chancengleichheit ein, zerstören wir die Integrität des Wettkampfs. Und das will niemand, schon gar nicht die Athleten oder Zuschauer.» Und: «Indem wir die Spiele verschieben, erlösen wir die Athleten von ihrem Zwiespalt, trainieren zu müssen, während das Leben fast zum Stillstand kommt.»

Noch einen Schritt weiter sind die Olympischen Komitees von Kanada und Australien gegangen: Sie haben dem IOK mitgeteilt, dass sie die Spiele boykottierten, falls sie wie geplant stattfinden würden. Sie würden keine Athleten nach Japan senden. Denn: «Die Gesundheit der Athleten, ihrer Familien, ja der ganzen Bevölkerung geht vor.» Entsprechend appellieren sie, Olympia ins Jahr 2021 zu verschieben. Selbst die japanischen Politiker, die sich bislang nur schon sträubten, an eine Verschiebung zu denken, knicken ein. Premier Shinzo Abe sprach jüngst erstmals davon, dass eine solche Verschiebung realistisch sei.

Swiss Olympic wartet zu

Und die Schweiz? Die Olympiafunktionäre sind von den Ereignissen der letzten 36 Stunden überrollt worden. Swiss Olympic, der Dachverband des Schweizer Sports, versuchte gestern, zu einer Position zu gelangen. Am Abend meldete Swiss Olympic: Man habe dem IOK einen Brief geschickt und eine Verschiebung der Spiele beantragt. Swiss-Olympic-Präsident Jürg Stahl schreibt darin: «Die Athletinnen und Athleten leiden unter schwierigen Trainingsbedingungen. Zudem haben nun die ersten Länder ihre Olympiateilnahme abgesagt. Unter diesen Voraussetzungen sind aus unserer Sicht keine fairen, weltumspannenden Spiele im Sinne der olympischen Bewegung möglich.»

Pound: «Schon entschieden»

Darf man Dick Pound, einem IOK-Schwergewicht glauben, hat sich das Internationale Olympische Komitee festgelegt. Gegenüber «USA Today» behauptete er: «Das IOK hat die Verschiebung entschieden.» Ein IOK-Mediensprecher replizierte: «Jedes Mitglied kann den Entscheid interpretieren.» Er lautet wie erwähnt, dass die Hüter der Ringe innert vier Wochen darlegen, was mit den Spielen passiert.

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