Die nicht endenden Doping-Vorwürfe gegen Mo Farah

Mo Farah übertrifft sich von Jahr zu Jahr selber, reiht Medaille an Medaille. Das lässt das Misstrauen wachsen.

Mo Farah nach seinem Sieg am Diamond-League-Meeting in London. Die Laune änderte sich nach dem Rennen.

Mo Farah nach seinem Sieg am Diamond-League-Meeting in London. Die Laune änderte sich nach dem Rennen.

(Bild: Keystone)

Wenn Leichtathleten grosse Leistungen vollbringen, sind Doping-Vorwürfe nicht weit. Das kennt auch Mo Farah nur zu gut. Der in Somalia geborene Langstreckenläufer, kürzlich von der Queen zum Sir geschlagen, sieht sich schon lange mit Verdächtigungen konfrontiert. Befeuert wurden diese insbesondere durch Farahs Zusammenarbeit mit Trainer Alberto Salazar und dem Nike-Oregon-Project, einem Trainingszentrum für Langstreckenläufer an der amerikanischen Westküste, in das der Sportartikelhersteller Nike viel Geld investiert.

Laut einem im Februar 2017 veröffentlichten Bericht der russischen Hackergruppe Fancy Bears soll es nahezu sicher sein, dass Farahs Trainer Salazar die Anti-Doping-Bestimmungen gebrochen hat. Die Echtheit der Vorwürfe ist von der amerikanischen Anti-Doping-Behörde Usada indirekt bestätigt worden. So soll Salazar unter anderem seinen Schützling Galen Rupp mit einer Testosteroncreme eingeschmiert haben.

Der beschuldigte Trainer wehrte sich und dementierte die Vorwürfe. Das Testosteron sei für seinen Eigengebrauch. Vern Gambetta, ein ehemaliger Trainer beim Nike Oregon Project, bezeichnete Salazar darauf via Twitter als «teuflischen Irren». Es sei nur eine Frage der Zeit, bis er mit seinen Experimenten einen Athleten töte.

Farah unter Verdacht

Vier Monate später steht auch Farah selbst unter Verdacht, gedopt zu haben. Beim jüngsten Hackerangriff von Fancy Bears kamen belastende Dokumente zum Vorschein. Im E-Mail-Verkehr zwischen Pierre-Yves Garnier, einem leitenden Arzt in der Anti-Doping-Abteilung des Weltleichtathletikverbands IAAF und dem Anti-Doping-Manager der Organisation, Thomas Capdevielle, taucht Farahs Name auf. Der Kommentar dazu: «Wahrscheinliches Doping, weitere Kontrollen erforderlich.» Diese Einschätzung basierte auf Untersuchungen vor November 2015. In einer zweiten Datenbank mit Resultaten von April 2016 wurden Farahs Werte für normal erklärt.

Trotzdem steht der vierfache Olympiasieger nach wie vor unter Verdacht, seine Erfolge mithilfe der Einnahme von unerlaubten Substanzen erreicht zu haben. So musste er sich auch nach seinem klaren Sieg über 3000 Meter am Diamond League Meeting in London vom vergangenen Wochenende den Fragen der anwesenden Journalisten stellen.

«Ich werde nie durchfallen»

Dabei machte Farah deutlich, dass er von den Dopingvorwürfen gegen ihn und seinen Trainer langsam aber sicher genug habe. Auf der Pressekonferenz nach dem Rennen darauf angesprochen, war sein Frust deutlich spürbar. «Ich habe es satt, mich zu wiederholen. Ich werde nie bei einem Dopingtest durchfallen», sagte er zu den anwesenden Journalisten.

Diese liessen nicht locker, schliesslich hätten auch Lance Armstrong und Marion Jones lange versprochen, sauber zu sein. Mit seinem typischen Lächeln, das seinen Ärger aber nicht wirklich verbergen konnte, antwortete Farah: «Wie gesagt, ich habe es satt, mich zu wiederholen. Ich glaube an den sauberen Sport und lasse euch tun, was ihr tut. Ich tue das, was ich tue, mit Liebe und Freude. »

So wird es auch an den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in London sein. Dort hat Mo Farah die Chance, seine Titel über 5000 und 10'000 m zu verteidigen. Natürlich ist er Favorit an seiner Heim-WM, und natürlich wird er sich auch dort wieder die Fragen über Doping und Alberto Salazar anhören müssen.

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