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Soll der ZSC zum Meister erklärt werden?

Die Clubs entscheiden, ob die Zürcher für den Qualifikationssieg in der abgebrochenen Saison mit dem Titel belohnt werden sollen.

Da waren die ZSC Lions letztmals Meister: Mathias Seger stemmt 2018 den Pokal.
Da waren die ZSC Lions letztmals Meister: Mathias Seger stemmt 2018 den Pokal.
Keystone

Simon Graf

Sportredaktor, war einmal Tennis-Clubmeister im Doppel.

Ja

Worum haben die National-League-Clubs in den vergangenen sechs Monaten vor über zwei Millionen Zuschauern in den Stadien gespielt? Um die goldene Ananas oder um den tönernen Blumentopf? Das wäre die Frage, die sich stellen würde, sollten sich die Clubs nicht dazu durchringen, jenes Team zum Meister zu erklären, das bei Abbruch der Saison vorne stand. Und das waren die ZSC Lions mit ihrem Qualifikationssieg.

50 Runden lügen nie. So wie die Zürcher vergangene Saison mit dem Verpassen des Playoff für ihre Fehler bestraft wurden, so verdienten sie sich diesmal Rang 1. Es gab sogar noch einen Showdown in der letzten Runde gegen den EV Zug, den sie gewannen.

Aber lösen wir diese Diskussion kurz von den Teams. Die Clubs werden aufgrund der Erfahrungen mit dem Coronavirus nicht darum herumkommen, in ihren Reglementen künftig den Fall zu klären, was geschieht, wenn die Saison abgebrochen werden muss. Und betrachtet man diese Frage ganz nüchtern, so kann man nur zu einem Schluss kommen: Ja, man muss einen Weg finden, um auch dann einen Meister zu küren, aufgrund der gespielten Ergebnisse.

Wurde die Nationenwertung im Ski nicht vergeben, weil die Saison abgebrochen wurde?

Das ist in anderen Sportarten auch der Fall. Wurde die Nationenwertung im Ski nicht vergeben, weil die Saison abgebrochen wurde? Mitnichten! Die Schweizer wurden zu den Siegern erklärt. Und Mauro Caviezel erhielt die kleine Kristallkugel im Super-G, obschon die letzten beiden Rennen ausfielen.

Hätte der Titel für die ZSC Lions den gleichen Wert wie einer, den sie im Playoff errungen hätten? Nein, natürlich nicht. Und es geht auch nicht ums Geld. Weder werden sie von ihren Sponsoren Meisterprämien einfordern, noch werden sie solche an die Spieler ausbezahlen. Es geht darum, die Besten dieses Winters auszuzeichnen. Damit nicht alles umsonst war.

Philipp Muschg

Sportredaktor, war fünfmal Meister der MHL – seiner lokalen Fantasy-Hockey-Liga.

Nein

Der Sport lebt nicht von Zwischentönen. Der Sport lebt davon, dass er Klarheit schafft. Es geht um Zentimeter und Hundertstelsekunden, Sieg und Niederlage. Wer ist besser? Der Sport gibt Antworten.

Und wenn er wirklich eine Lebensschule ist, dann wäre das tausendmal gehörte «Ich bin ein schlechter Verlierer» bestenfalls ein Erstklässlersatz. Dann würde der Baseballer, der «Wenn du nicht betrügst, gibst du dir zu wenig Mühe» sagte, die Gymiprüfung schaffen. Und dann wären die ZSC Lions Schweizer Meister.

Sich vorzeitig einzugestehen, dass man verloren hat, gehört nicht nicht zur DNA des Profisports. Das mag mit ein Grund sein, warum jemand ernsthaft auf die Idee kommen kann, es brauche trotz Pandemie auch 2020 einen Schweizer Meister im Eishockey. Den ZSC Lions fehlen drei gewonnene Serien zum Champion. Und doch würden sie ihren zehnten Meistertitel gerne einheimsen. Das ist hoffentlich, bei allem Respekt, ein Witz.

Diese kaputte Saison braucht weder Trostpreise noch Absahner.

Es geht überhaupt nicht darum, dass irgendjemand die erstklassige Arbeit in Zweifel zieht, die bei den ZSC Lions geleistet wurde. Die Behauptung ist nicht gewagt: Finanziell bringt diese abgebrochene Saison ein halbes Dutzend Clubs an den Rand des Ruins – die ZSC Lions gehören nicht dazu.

In Wahrheit geht es darum, dass Corona ein Gegner ist, der nicht nur die Schweizer Liga samt TV-Partnern zu Verlierern macht, sondern ein ganzes Land, das nicht nur aus Saisonabo-Käufern und Fans besteht. Das Eishockey muss zeigen, dass der Sport mehr kann, als in Siegen und Niederlagen denken. Der ZSC wäre gerne Meister? So what. Diese kaputte Saison braucht weder Trostpreise noch Absahner. Wer das noch immer nicht begriffen hat, verdient den Hohn, den jeder Möchtegern-Corona-Profiteur sich redlich verdient hat.

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Der Tamedia-Hockey-Podcast «Eisbrecher»

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