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SCL Tigers: Auch Niederlagen haben Qualitäten

Die SCL Tigers stecken vor den Spielen gegen Lugano und Davos einmal mehr in einer Phase der Unsicherheit. Insofern kann Goalie Matthias Schoder (26) mit der neuen Konkurrenz auf seiner Position, Reto Berra, «gut leben».

Unten durch: Tigers-Verteidiger Eric Blum im Zweikampf mit Ambris Noah Clarke.
Unten durch: Tigers-Verteidiger Eric Blum im Zweikampf mit Ambris Noah Clarke.
Keystone

Den SC Bern und die SCL Tigers könnte zurzeit mehr als die Freundschaft der beiden Geschäftsführer verbinden. Beide Teams scheinen die Nachwehen schmerzlicher Niederlagen zu spüren – und zwar in Form von verunsicherten Auftritten. Die SCL Tigers tragen die Bürde der Schmach von Biel. Die Schande, ein sicher gewonnen geglaubtes Spiel – das 4:2 fiel 51 Sekunden vor Schluss – noch aus der Hand gegeben zu haben (4:5 n.V.). Der SC Bern seinerseits hat zwar auf deutlich höherem Niveau, aber trotzdem den Meister gezeigt bekommen. Am Victoria-Cup in Bern unterlag der Titelfavorit den New York Rangers mit 1:8. Wenig später, im ersten Champions-League-Spiel gegen Jönköping, mit 2:6. Deklassierungen, die man nicht mit simplen Relativierungen aus dem Kopf streichen kann.

Durchhalteparolen wie: «ein Gegner aus einer anderen Kategorie»; «nur ein Testspiel»; «ein Ausrutscher»; «wir mussten damit rechnen», «abhaken und vergessen». Leistungsorientiert und selbstkritisch denkenden Sportlern gehen derartige Niederlagen von höherer Qualität nahe. Gegen die New York Rangers ging es für die Spieler des SCB zwar nicht um Punkte, aber um Selbstwertgefühl. Im Fall der Tigers ging es in Biel um beides.

Nicht der Sündenbock

Bei den SCL Tigers haben zuletzt Wutausbrüche des Coachs ebenso wenig gefruchtet wie eine subtilere Konversation. Mit der Verpflichtung von Goalie Reto Berra hat man auch einen Input von aussen gesetzt. Was nicht heissen soll, dass die bisherige Nummer 1 im Tor der Emmentaler, Matthias Schoder, nun als Sündenbock dastehen soll: «Ich fühle mich nicht als solcher», sagt Schoder. Gewiss sei der Zeitpunkt der Verpflichtung von Berra insofern unglücklich, als dass dieser Eindruck nun entstehen könne. «Wir haben einen Kick gebraucht», sagt der 26-jährige Zürcher. «Wir haben nicht die Spieler, die uns im Alleingang aus einem solchen Tief herausführen können.» Matthias Schoder, in seiner vierten Saison in Langnau, spricht aus Erfahrung.

Mehr als zwei Punkte

Faktisch haben die SCL Tigers in Biel «nur» zwei Punkte verloren. Durch die Art und Weise und die Folgeerscheinungen kann sich dieser Wert jedoch multiplizieren. «Hätten wir in Biel gewonnen, bin ich überzeugt, dass wir auch das nächste Spiel gegen Ambri gewonnen hätten», meint Schoder. Die 0:4-Niederlage am Samstag gegen die Tessiner sei insofern eine Folge gewesen. Den Teufelskreis der grassierenden Unsicherheit gelte es nun zu durchbrechen. Insofern könne er mit seiner neuen Rolle als nicht mehr unbestritten gesetzt «gut leben». Viel tiefer könne es ja nicht mehr gehen. Was nun auf keinen Fall sein dürfe, sagt der 26-Jährige, sei, «dass man beginnt, die Fehler beim anderen zu suchen». Dass es nun heute just gegen Lugano und am Samstag gegen Davos geht, betrachtet Schoder nicht als Nachteil. «Der Druck gegen diese Spitzenteams ist für uns weniger gross.» Abgesehen davon, dass man etwa gegen Lugano in der jüngsten Vergangenheit, sprich beim 5:2-Auswärtssieg, schon ganz akzeptabel ausgesehen hat.

Verunsicherung kann man mit Einsatzbereitschaft und einer gewissen Gelassenheit bekämpfen. Geschürte Angst vor Fehlern oder weiteren Niederlagen ist oft das schlechteste Rezept. Letzte Saison haben 26 Niederlagen in 50 Spielen für die Playoffs gereicht. Die SCL Tigers stehen bei 9.

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