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Kloten beendet ein Missverständnis

Der EHC suspendiert Kevin Schläpfer, als Trainer in der Ligaqualifikation übernimmt André Rötheli.

Muss seinen Posten als Cheftrainer räumen: Der EHC Kloten entlässt Kevin Schläpfer per sofort.
Muss seinen Posten als Cheftrainer räumen: Der EHC Kloten entlässt Kevin Schläpfer per sofort.
Patrick B. Krämer, Keystone
Der 48-Jährige versuchte im Playout-Final gegen Ambri-Piotta vergeblich, die Mannschaft zu erreichen.
Der 48-Jährige versuchte im Playout-Final gegen Ambri-Piotta vergeblich, die Mannschaft zu erreichen.
Patrick B. Krämer, Keystone
Im EHC kam es zu einer Rochade: André Rötheli (l.) kümmerte sich wieder um die Elite-Junioren und Niklas Gällstedt schlüpfte erneut in die Rolle des Assistentcoachs.
Im EHC kam es zu einer Rochade: André Rötheli (l.) kümmerte sich wieder um die Elite-Junioren und Niklas Gällstedt schlüpfte erneut in die Rolle des Assistentcoachs.
Patrick B. Kraemer, Keystone
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Kevin Schläpfer wurde beim EHC Kloten abgesetzt. Suspendiert, wie es offiziell heisst. Nach 45 Spielen, 13 Siegen und 32 Niederlagen. Nach 1:4 Siegen im Playout gegen Ambri, das zweitschlechteste Team der Liga. Der Wechsel war überfällig. Nicht weil Schläpfer ein miserabler Trainer wäre. Sondern weil dieses Team unbedingt einen Impuls braucht, soll es nicht unrühmlich Geschichte schreiben: als Klotener Abstiegsmannschaft nach 56 Jahren höchste Liga.

Nichts wies seit Oktober darauf hin, dass Schläpfer diesen Impuls geben kann. Nie in den letzten 43 Spielen gab es auch nur zwei Siege in Folge. Den Auftritten der Mannschaft fehlte kaum je das Engagement, umso mehr das Vertrauen – in die eigenen Fähigkeiten, in die Mitspieler, wohl auch ins taktische Konzept. Der oft ungestüme Einsatz zeugte eher von Orientierungslosigkeit als von Entschlossenheit.

«Egal, wer jetzt an der Bande steht»

Wenn sogar Präsident Hans-Ulrich Lehmann zugibt, es sei «egal, wer jetzt an der Bande steht», man habe einfach handeln müssen, klingt das zwar nicht nach einem Vertrauensbeweis für André Rötheli, der nun mit Felix Hollenstein und Nik Gällstedt an der Seite den Fall in die Swiss League abwenden sollen. Und doch ist es im Kern richtig.

Die Frage ist, ob diese Erkenntnis nicht zu spät kommt. Ob die Loyalität zum Wunschtrainer und die Hoffnung, am Ende doch Recht zu bekommen, den Blick für die sportlichen Realitäten nicht auf fatale Weise vernebelt hat – zumal ein verantwortlicher Sportchef fehlt, der diese Realitäten hätte benennen können. Kurz: ob Kloten sich nicht schon gegen ein keineswegs überlegenes Ambri hätte retten können, wenn dieser Impuls früher gekommen wäre. «Es ging ein richtiger Ruck durch die Mannschaft», beschreibt Lehmann den Moment in der Kabine, als er vor dem Morgentraining am Freitag den Trainerwechsel verkündete.

Nur Basel schoss im Playout weniger Tore

Wo Rötheli, Hollenstein und Gällstedt ansetzen müssen, ist klar: Bei der Torproduktion. Sie war schon in der Qualifikation die tiefste der Liga und brach im Playout ganz zusammen. 1,6 Treffer pro Match: Einen weniger produktiven Playout-Final erlebte im vergangenen Jahrzehnt einzig der EHC Basel 2008. Er stieg danach sang- und klanglos ab. Viel Zeit bleibt den Neuen nicht, um im Team das Vertrauen zu schaffen, ohne das ein Abstiegskampf auch 2018 nicht zu gewinnen ist. Ob der Gegner nun Lakers oder Olten heisst.

Einen Nebenschauplatz können sie dabei nicht brauchen. Und doch schaffte es der Club, bei Schläpfers Freistellung zu irritieren. Man spiele mit dem Gedanken, den 48-Jährigen im Fall des Ligaerhalts auf die neue Saison hin wieder als Cheftrainer zu installieren. Man habe ja dann eine ganz andere, junge Mannschaft, bei der die Ideen des Sissachers auch anders fruchten könnten, dachte der Präsident schon laut. Bestätigen will er das nun nicht mehr. «Wir haben im Moment ganz andere Sorgen», sagt Lehmann, «der Fokus liegt nur auf der Gegenwart.»

Schläpfer hat einen Vertrag bis 2020, bezahlen muss man ihn nur im Abstiegsfall nicht mehr. Aber wenn einer als Krisenspezialist kommt, bis zur Krise keine Resultate liefert und in der Krise suspendiert werden muss, ist sein Kredit bei Mannschaft und Publikum aufgebraucht. Die Verbindung von Kevin Schläpfer und dem EHC Kloten war ein teures Missverständnis. Je eher die Clubführung das akzeptiert, umso besser für alle. Heute war wenigstens der erste Schritt dazu.

Welchen Preis dieses Missverständnis hat, erfährt der EHC noch früh genug.

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