Zum Hauptinhalt springen

Im Mutterland des Eishockeys geht die Post ab

Nach den Rängen 4 und 5 streben die Schweizer Eishockeyaner an der am Montag beginnenden U20-WM in Calgary und Edmonton eine weitere Top-6-Klassierung an.

Sven Bärtschi gehört zu den Leistungsträgern der Schweizer U20-Auswahl. Der Berner wurde von den Calgary Flames bereits gedraftet.
Sven Bärtschi gehört zu den Leistungsträgern der Schweizer U20-Auswahl. Der Berner wurde von den Calgary Flames bereits gedraftet.
Keystone
Christoph Bertschy (r.) hat schon für den SC Bern in der NLA getroffen.
Christoph Bertschy (r.) hat schon für den SC Bern in der NLA getroffen.
Keystone
Wird auch in Kanada gejubelt? Klotens Verteidiger Christian Marti und seine Kollegen stehen vor delikaten Aufgaben.
Wird auch in Kanada gejubelt? Klotens Verteidiger Christian Marti und seine Kollegen stehen vor delikaten Aufgaben.
Keystone
1 / 9

Die Gruppengegner in Calgary sind der Reihe nach Titelverteidiger Russland, Schweden, Lettland und die Slowakei. «Unser primäres Ziel ist der Ligaerhalt, aber wir wollen mehr», formuliert der neue Headcoach Manuele Celio die Zielsetzung. Um die Viertelfinals zu erreichen, müssen die Schweizer in ihrer Gruppe mindestens Dritter werden. Die Schlüsselpartie dürfte jene gegen die Slowakei werden, gegen Aufsteiger Lettland ist ein Sieg ebenfalls Pflicht. «Die Letten und die Slowaken sind zwei technisch sehr gute Mannschaften», sagt Celio. «Sie werden gegen uns defensiv auftreten, auf Konter und Powerplays warten. In einem Spiel kann viel passieren. Deshalb sind beide Teams nicht zu unterschätzen.» Erschwerend kommt hinzu, dass die Begegnungen gegen Lettland und die Slowakei innerhalb von 20 Stunden stattfinden.

Die SEHV-Auswahl rechnet sich auch gegen Schweden und vor allem im Startspiel gegen Russland etwas aus. «Die Russen sind nicht top organisiert. Ich habe sie zweimal gesehen: Du kannst nicht genau sagen, was sie spielen. Wenn du einen guten Start hinlegst, gut ins Spiel findest, ist eine Überraschung möglich», erklärt Celio. Zudem haben die Schweizer gute Erinnerungen an die Osteuropäer, setzten sie sich doch an der vorletzten U20-WM im Viertelfinal mit 3:2 nach Verlängerung durch.

Springt Bärtschi in die Lücke?

Damals zeichnete sich Nino Niederreiter als Doppeltorschütze aus. Der 19-jährige Churer spielt mittlerweile in der NHL für die New York Islanders, weshalb er diesmal nicht dabei ist. Sven Bärtschi, der als nächster junger Schweizer Spieler den Sprung in die beste Liga der Welt schaffen dürfte, sieht darin auch Vorteile: «Das gibt Platz für andere.» Bärtschi selber dürfte noch mehr Verantwortung übertragen werden. «An der letzten U20-WM stand ich im Schatten von Nino. Nun versuche ich, dessen Rolle einzunehmen.»

Die spielerischen Qualitäten dazu besitzt der 19-jährige Aarwangener mit Sicherheit. Seine Skorerwerte in der Juniorenliga Western Hockey League sind in der laufenden Saison überragend: In 25 Partien für die Portland Winterhawks brachte er es auf 12 Tore und 42 Assists. Zudem ist Bärtschi bis in die Fingerspitzen motiviert, da er im vergangenen Juni von den Calgary Flames als Nummer 13 gedraftet worden war. «Nun kann ich ihnen zeigen, dass ich bereit bin für die nächste Saison. Es passt alles zusammen. Ich bin zuversichtlich, dass es sehr gut rauskommt», meint der Berner.

Mehr Potenzial in der Offensive

Das Potenzial der Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr stuft er als «etwas mehr» ein. «Es hat ein paar junge Spieler wie (Christoph) Bertschy oder (Dario) Simion, die extrem talentiert sind.» Das sieht auch Klotens Samuel Walser so, einer von sieben WM-Teilnehmern, die bereits vor einem Jahr in Buffalo (USA) dabei waren. «Von der individuellen Qualität her haben wir bessere Spieler.» Viele würden schon über Erfahrung in der NLA verfügen. «Ich denke, dass wir sehr gute Chancen haben, etwas zu erreichen.» Neben Walser hoben sich in der höchsten Spielklasse die beiden Berner Bertschy und Joël Vermin, der nach einem Bruch des Mittelfussknochens am linken Fuss wieder fit ist, besonders hervor.

Zudem sind gleich acht «Nordamerikaner», die an die kleineren Eisfelder gewöhnt sind, ins finale Camp eingerückt. Darunter Tanner Richard (Guelph Storm/OHL) und Sven Andrighetto (Royen Noranda Huskies/QMJHL), die in ihren Ligen mehr als einen Skorerpunkt pro Spiel erzielt haben. Letzterer ist wie Alessio Bertaggia (Brandon Wheat Kings/WHL), der es in 35 Partien auf 34 Punkte brachte, aktuell der drittbeste Rookie. Auch der nur 1,68 grosse Lino Martschini (Petersborough Petes/OHL) verfügt dank seiner Schlauheit über enormes Potenzial in der Offensive.

Das Versprechen der SCB-Kanadier

Bärtschi findet auch für die Defensive nur lobende Worte: «Wir haben viele Spieler in der Verteidigung, die einfache Pässe spielen und schnell auslösen können. Es ist sehr wichtig, dass man solche in einer Mannschaft hat.» Allerdings haben die Schweizer den Ausfall des Davosers Samuel Guerra (Leistenverletzung) zu verkraften. Auf der Goalieposition ist die Auswahl im Vergleich zum Vorjahr, als Benjamin Conz das Tor hütete, schwächer besetzt. Ist es ein Vorteil, zuerst gegen die beiden vermeintlichen Topteams der Gruppe zu spielen? «Ich finde es nicht so schlecht. Gegen Russland und Schweden können wir frei von der Leber weg spielen und ins Turnier reinfinden», sagt Walser. Auch Bärtschi erachtet es als Vorteil.

Die Vorfreude bei den Schweizer Spielern auf das Turnier ist sehr gross. Für Walser ist es ein «riesiges Highlight». Dies ist verständlich, dürften doch sämtliche Partien ausverkauft sein. Und auch in den Medien ist der Anlass omnipräsent. Vermin: «Die Kanadier in Bern haben gesagt, dass es abgehen wird.» Auch Nationaltrainer Sean Simpson lässt sich die U20-WM nicht entgehen: Er wird den Staff je nach Bedarf unterstützen.

si/fal

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch