Für den ZSC auf Millionen verzichtet

Der kanadische Verteidiger Kevin Klein unterschreibt bei den Lions. Und zahlt dafür einen hohen Preis.

2013 Teamkollege, heute Informant: Nashvilles Roman Josi (links) mit Kevin Klein.

2013 Teamkollege, heute Informant: Nashvilles Roman Josi (links) mit Kevin Klein.

(Bild: Keystone Mark Humphrey)

Simon Graf@SimonGraf1
Philipp Muschg@tagesanzeiger

Dass einer auf 2,9 Millionen Dollar verzichtet, um beim ZSC zu spielen: Das ist eine Premiere. Doch genau das tat der neueste Zuzug der Lions: Kevin Klein, 32-jährig, Verteidiger. Der Kanadier unterschrieb einen Vertrag bis 2018 und besetzt nach Mattias Sjögren und Drew Shore den dritten Ausländerplatz.

Sportchef Sven Leuenberger verspricht einen mannschaftsdienlichen Allrounder, den man allerdings nicht an den Skorerpunkten messen dürfe. «Klein ist physisch präsent, kann hart spielen und auch einmal dreinschlagen», sagt Leuenberger, «er spielt einen einfachen ersten Pass und hat einen guten Schuss.» Der langjährige NHL-Spieler könne in jedem Team Captain sein, glaubt der Sportchef, «er ist ein Charakterspieler».

Einen eindrücklichen Beleg dieses Charakters lieferte der Kanadier erst letzte Woche: Er gab offiziell seinen Rücktritt aus der NHL und verzichtete damit auf 2,9 Millionen Dollar Lohn, den ihm die New York Rangers fürs letzte Vertragsjahr noch geschuldet hätten. 30,32 Millionen hat er allerdings auch so noch verdient in einem Dutzend Jahren in der besten Liga der Welt. Vor seiner Zeit mit den Rangers verbrachte er die ersten acht in der Organisation der Nashville Predators.

Roman Josi, der berühmte Informant

Es erstaunt darum nicht, dass Leuenberger vor der Verpflichtung einen berühmten Informanten nutzte. Roman Josi kennt den Kanadier aus drei gemeinsamen Saisons, lobte besonders dessen Schuss und die Bereitschaft, gegnerische Schüsse zu blocken. Als ehrlichen, harten Arbeiter mit gewissen spielerischen Fähigkeiten schilderte der Berner NHL-Star den früheren Teamkollegen.

Dass Klein auf Millionen verzichtete, um in Europa zu spielen, zeigt, dass es ihm ernst ist mit dem Neustart in der Schweiz. Schon früh liess er seinen Agenten den hiesigen Markt sondieren, auch wenn er wenig Erfahrung in der Alten Welt zu bieten hatte. 8 Spiele in Dänemark während des Lockouts 2012/13: Ansonsten hat er seit Juniorenzeiten nicht mehr auf den grossen europäischen Feldern gespielt.

Entsprechend plädiert Leuenberger für Geduld. Klein muss sich zuerst ans neue Umfeld gewöhnen und soll die Zeit dafür erhalten bei den Zürchern. Die entscheidende Saisonphase, in der sich die Lions zuletzt so schwer taten, kommt ohnehin erst im Frühjahr. «Im Playoff bringt er Härte rein, die wir brauchen können», sagt Leuenberger über den guten Schlittschuhläufer, der in der NHL stets die Rolle des zuverlässigen Abwehrspielers im zweiten oder dritten Verteidigerpaar spielte.

Auch beim ZSC soll Klein für defensive Stabilität sorgen. Dass der Club nun neun Abwehrspieler mit Anspruch auf Eiszeit im Kader hat, sieht Leuenberger nicht als Problem. «Es hat sich gezeigt, dass es immer verletzte Verteidiger gibt», so der Ostschweizer. Einen Ausländerplatz muss er nun noch besetzen. Ein Angreifer soll es sein, der sowohl in der Mitte wie am Flügel spielen stürmen kann. «Man kann nie genug Center haben», weiss der Sportchef.

baz.ch/Newsnet

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