Fangt mich, wenn ihr könnt

Dem HC Davos droht eine Saison mit Problemen. Der neue, flinke Amerikaner Shane Prince kann dafür sorgen, dass der Rekordmeister diesen davonläuft.

Shane Prince in der Davoser Vaillant Arena. (Bild: Fabienne Andreoli)

Shane Prince in der Davoser Vaillant Arena. (Bild: Fabienne Andreoli)

Kristian Kapp@K_Krisztian_

Plötzlich fragte auch der offizielle Twitterer der russischen KHL-Meisterschaft: «Wer ist dieser Shane Prince?»

Sechs Tore hatte der neue amerikanische Stürmer des HC Davos vor drei Wochen in zwei Testspielen gegen KHL-Clubs in Riga erzielt, davon zwei gegen den aktuellen Champion Kasan, und für einige hochgezogene Augenbrauen gesorgt.

Ja, wer ist dieser Shane Prince? Scouting Reports verraten, er sei ein kleiner, flinker, offensiver Allrounder, gleichermassen als Flügelstürmer wie auch als Center einsetzbar.

Die ersten Eindrücke beim HCD zeigen jedoch: Das mit dem Mittelstürmer lassen die Davoser vorerst besser sein, Prince ist keiner für defensive Aufgaben, er ist auf Offensive gepolt. Das sagt er sogar selber: Wenn es sein müsse, lasse er sich schon auch in ein konservatives System pressen. Wenn nicht, «dann will ich immer loslaufen, nach vorne, ‹Run and Gun›! Ich bin keiner fürs Abwarten.»

Luke Richardson, ein kanadischer Trainer und Förderer von Prince, als dieser noch in der nordamerikanischen Farmteam-Liga AHL spielte, beschrieb ihn als einen fast schon Besessenen, wenn es ums Toreschiessen gehe. Man könne vieles coachen und trainieren, aber nicht diese Emotion. Prince habe sie. Prince lächelt verlegen, als er von diesem Zitat hört. Aber er sagt auch: «Einverstanden!»

Eine eigene Hockeyschule

Und wer ist Shane Prince neben dem Eis? Der 25-jährige New Yorker isst gerne «Müll-Platte». Und bevor das nun gegen ihn verwendet wird, sollte man wissen, dass ­seine Heimatstadt ­Rochester ­kulinarisch für die «Garbage ­Plate» bekannt ist. «Die heisst wirklich so. Weil so viel Zeugs drauf ist», erklärt Prince. Und auch wenn es nicht so töne: «Sie ist sehr lecker!»

Aber das nur nebenbei.

Prince ist vor allem einer, der Eishockey nicht nur als Spass und Verdienstmöglichkeit ansieht wie die meisten in seinem relativ jungen Alter. Seit Jahren betreibt er mit seinem Vater im Sommer eine Hockeyschule für 10- bis 13-jährige Kids, die Einnahmen gehen ans lokale Kinderspital.

Dazu organisiert er ein Beach-Hockey-Turnier auf Sand, dies in Gedenken an ein an Krebs erkranktes Kind, das sich für seine Hockeyschule ein­geschrieben hatte, wenige Tage vor der ersten Austragung aber starb.

Das Beach-Hockey-Turnier von Shane Prince, organisiert zu Ehren des mit 11 Jahren an Krebs verstorbenen Patrick Carr:

Ein Jahr, ein Tor

Nach Davos ist Prince aber gekommen, um Tore zu schiessen, das wird von ihm erwartet. Er ist ein Zweitrunden-Draft von 2011, er hätte die läuferischen Skills und die Hände, um auch in der NHL offensive Rollen spielen zu können.

Der Blick auf die letzten eineinhalb Jahre zeigt, warum er nicht mehr in der ­besten Eishockeyliga für die New York Islanders, sondern in der Schweiz für Davos stürmt. Entweder spielte er gar nicht, da er verletzt war. Oder er tat dies schwer angeschlagen, mit einer mühsamen Blessur am Fuss­knöchel.

«Meine letzten rund 50 NHL-Partien absolvierte ich quasi auf einem Bein», sagt Prince. Er meine das wörtlich, er habe gewisse Kurvenwinkel gar nicht mehr fahren können, betont er. Die Horrorbilanz für einen vom Toreschiessen Besessenen: ein einziger Treffer zwischen Dezember 2016 und Januar 2018.

«Das war frustrierend», sagt Prince. «Aber da ich den Grund kannte, konnte ich mental damit einigermassen umgehen. Ich schaue nun nur noch nach vorne.»

Shane Prince beim kleinen Wald vor der Davoser Vaillant Arena. (Bild: Fabienne Andreoli)

Als Prince keine Tore mehr schoss, reduzierten sich seine Einsatzminuten bei den Islanders. Nach Operationen im Sommer kam die Idee, nach Europa zu wechseln: «Ich hatte auch in Nordamerika Angebote. Doch mir war wichtig, nach der Verletzung viel spielen zu ­können.»

Und im europäischen Eishockey gibts einen Bonus, Prince erfreut sich am grösseren Feld: «Der zusätzliche Raum ist perfekt für mich. Es wird schwierig sein, mich einzu­holen.»

Das jüngste Team

In Davos ist Prince überrascht vom tiefen Altersdurchschnitt der Mannschaft, mit seinen 25 Jahren gehört er zu den Routiniers: «Das ist crazy. In sieben Jahren als Profi habe ich so etwas noch nicht mal annähernd erlebt.»

Davos, bereits letzte Saison jüngstes National-League-Team, wurde auf diese Saison nochmals unerfahrener. Die Bündner spüren die finanziellen Folgen der grossen Eishallen­sanierung, das Budget der ersten Mannschaft leidet darunter.

Da braucht es schon jugendliche Unbeschwertheit, um optimistisch zu bleiben. «Ich bin sicher, dass wir ins Playoff kommen», sagt Prince. Er hat sogar die Schweizer Sportbücher genau studiert: «Wurde Davos vor drei Jahren unter ähnlichen Vorzeichen nicht sogar Meister?»

baz.ch/Newsnet

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