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Eishockey-Pionier erobert seine neue Welt

Für NHL-Verteidiger Mark Streit (30) hat in New York sportlich und privat ein neues Abenteuer begonnen.

Der Indian Summer ist wohl die schönste Jahreszeit an der amerikanischen Ostküste, sogar in Midtown Manhattan, wo man vom wunderbaren Farbenspiel der Bäume nicht viel sieht. Auch Mark Streit nutzt einen dieser warmen Herbsttage, an dem gerade kein NHL-Spiel ansteht, um ein paar Stunden durch die Weltstadt zu bummeln. «Ich liebe New York», sagt der Berner, «schon seit ich mit sechzehn zum ersten Mal hier war.» In den vergangenen drei Saisons kam er mit den Montreal Canadiens öfter zu Besuch her. Nach seiner Vertragsunterschrift bei den New York Islanders liegt die Metropole nun für die nächsten fünf Jahre fast vor seiner Haustür. «Ich freue mich darauf, diese Stadt zu entdecken», sagt Streit.

Noch kein eigenes Auto

In New York City ist er an diesem Nachmittag aber erst zum dritten Mal, seit er Mitte September ins Trainingscamp seines neuen Klubs einrückte, denn seine neue sportliche Heimat ist nicht das Zentrum, sondern die Agglomeration der Grossstadt. Wenn er ausgeht, nimmt er den Zug, ein eigenes Auto hat der Eishockey-Profi, der 4,1 Millionen Dollar pro Saison verdient, noch nicht. Eine Dreiviertelstunde war Streit mit der Long Island Rail Road unterwegs. Ausgestiegen ist er beim Madison Square Garden, dem Stadion der New York Rangers, eingestiegen in Garden City, ein paar Autominuten vom Nassau Coliseum entfernt, wo seine Islanders spielen.

«Ein wenig wie in den Ferien»

Einige von Streits Teamkollegen besitzen auf Long Island Villen am Meer, Streit hat im 20'000-Seelen-Dorf Garden City eine Wohnung in einem vierstöckigen Gebäude bezogen. «Ich brauche für mich allein kein Haus», sagt er. In dem Apartmenthaus wohnt auch sein Verteidigerkollege Andy Sutton, mit dem er schon in der Lockout-Saison 2004/05 bei den ZSC Lions zusammen spielte.

Die Gegend ist grün, wie es der Name vermuten lässt, und grossmehrheitlich von weissen Familien der gehobenen Mittelschicht bewohnt. «Die Leute sind eher zurückhaltend», sagt Streit, auf der Strasse habe ihn noch keiner angesprochen. Es ist nicht mehr viel los gewesen in Garden City, seit der Fliegerpionier Charles Lindbergh 1927 von dort aus zur ersten Alleinüberquerung des Atlantiks startete. Heute steht auf dem Flugfeld immerhin eine der grössten Shoppingmalls Amerikas.

«Mir ist es am liebsten so», sagt der Schweizer Eishockey-Pionier, «in Manhattan wohnen möchte ich nicht. Die Stadt bietet viel, ist aber auch sehr hektisch. Auf Long Island fühlt man sich ein wenig wie in den Ferien.» Zum Ausspannen ist er natürlich nicht auf der grössten Insel der USA. Wenn die Mannschaft keinen Roadtrip absolviert, ist Streit normalerweise gegen halb neun Uhr morgens im Trainingszentum und erst zwischen zwei und drei Uhr nachmittags wieder zu Hause.

82 Spiele stehen allein während der Qualifikation auf dem Programm, und die sind für Streit länger als für seine Teamkollegen. Darüber, dass er bisher in jedem Spiel am meisten Eiszeit erhielt, beklagt sich der 30-Jährige natürlich nicht. «Wenn ich nur zehn, fünfzehn Minuten spielen wollte, hätte ich in Montreal bleiben können», sagt Streit. «Ich bin hierhergekommen, um als Verteidiger zu spielen und Verantwortung zu übernehmen.»

Weit weg vom SC Bern

Der Schweizer entdeckt mit dieser zentralen Rolle auch auf dem Eis eine neue Welt. Er werde wohl eine gewisse Anlaufzeit brauchen, sagt Streit. «Aber ich bin überzeugt, dass ich dafür bereit bin.» Es ist kein riesiger Schritt mehr für ihn, aber ein wichtiger fürs Schweizer Eishockey. Es ist auch ein weiterer Schritt weg von einer möglichen Rückkehr zum SCB, der Streit als Junior verschmäht hatte, wo er aber vor dem Ende seiner Karriere gerne noch einmal spielen würde. «Das ist jetzt sehr weit weg», sagt er. Näher ist ihm an diesem schönen Tag die Eroberung von New York. Es ist der Jahrestag von Christoph Kolumbus’ Landung in der Neuen Welt.

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