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Biels verhinderte Heldenstory

Michael Hügli, der erstmals auf höchster Stufe Playoff spielt, hätte Biel in den Final schiessen können. Stattdessen kommt es morgen in Bern zu Spiel 7.

Wieder nichts: Michael Hügli (#61) scheitert an Leonardo Genoni, Kollege Marc-Antoine Pouliot (#78) ist entsetzt.
Wieder nichts: Michael Hügli (#61) scheitert an Leonardo Genoni, Kollege Marc-Antoine Pouliot (#78) ist entsetzt.
Peter Schneider, Keystone

Er hatte das letzte Wort, Michael Hügli. Den letzten Schuss, abgefeuert aus nächster Nähe, just im Moment, als die Sirene ertönte und das Spiel beendete. Wahrscheinlich wäre es zu spät gewesen, sinnierte der Bieler Stürmer danach, doch es spielte eh keine Rolle.

Denn Leonardo Genoni im Berner Tor hielt ja auch diesen Schuss. 38 waren es am Ende, 38:19 lautete das Schussverhältnis für Biel, doch es gewann Bern, mit 1:0, und glich die Best-of-7-Serie zum 3:3 aus.

Der letzte Schuss kam von Hügli. Der erste auch: Wieder hatte er sich im Slot freigespielt, natürlich hielt Genoni, den ­Abpraller setzte Marc-Antoine Pouliot an den Aussenpfosten. Gespielt waren da erst 34 Sekunden. Hügli sollte in der Folge zu einigen weiteren Schüssen aus guter Position kommen – stets stand Genoni im Weg.

Ja, es hätte tatsächlich auch der Abend des Michael Hügli werden können.

Das Verdienst der Eltern

Und welch eine Story das ­gewesen wäre: «Rookie schiesst Aussenseiter in den Final!» ­Hügli ist zwar schon 23, spielt aber ­seine erste volle Saison in der höchsten Liga, er kam nach drei Jahren bei Rapperswil-Jona aus der Swiss League zu Biel. Sein Aufstieg setzt sich nun auch im Playoff fort: Im Viertelfinal gegen Ambri war Hügli noch Viertlinienspieler, er nervte gemeinsam mit Jan Neuenschwander und Julian Schmutz mit aufsässiger Spielweise auch Ambris Toplinie um Dominik Kubalik. Mittlerweile wurde Hügli von Headcoach Antti Törmänen aber befördert: zu Pouliot und Toni Rajala.

Und selbst wenn Hügli sagt, dass er auch neben den Ausländern nichts anderes mache als aufsässig zu sein, kann er sich nun offensiv noch mehr in Szene setzen: Es war seine Linie, die Genoni mit 14 der 38 Schüsse am meisten forderte. Dieses 0:1 im Spiel, das für den EHC Biel mit dem erstmaligen Einziehen in den Playoff-Final historisch hätte werden können, es war für Hügli besonders bitter. «Aber wir dürfen den Kopf nun trotzdem nicht hängen lassen», sagte er.

Das gelang. Als Hügli nach dem Spiel frisch geduscht zum Interview erschien, war der Frust schon verschwunden. Er kam nicht aus der Garderobe, sondern zurück von draussen vor der Halle, seine Eltern waren zu Besuch gewesen, Hügli wollte sich noch kurz verabschieden. Mutter und Vater schafften es, dem Sohnemann wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. «Ja, du musst wieder lachen können», sagte Hügli, «denn es geht weiter.»

Schere-Stein-Papier

Zuvor, auf dem Eis, hatte sich die Mannschaft von den Fans verabschiedet. Und es hatte vielleicht symbolischen Charakter, dass es Marco Maurer war, der voranging und das Eis als einer der Ersten verliess – den Verteidiger zieht es Ende Saison nach vier Jahren in Biel Richtung Genf.

Das Voranschreiten ist auch darum erwähnenswert, weil Maurer jeweils nach dem Aufwärmen vor dem Spiel das Eis eben stets als Letzter verlassen will – Aberglaube halt … Und weil bei Bern Calle Andersson immer das Gleiche vorhat, lösten es die beiden in dieser Serie bislang spielerisch, zum Beispiel am Donnerstag in Bern mit Schere-Stein-Papier. Weil Andersson Spiel 6 verletzt verpasste, hatte Maurer zumindest vor dem Spiel freie Bahn vom Eis.

Als Törmänen kapituliert

Ein bisschen Spass darf also auch in einem Playoff-Halbfinal sein. Und wenn es nach Antti Törmänen geht, dann darf sogar viel gelacht werden. Während der eine oder andere Bieler Spieler und Betreuer mit enttäuschter Miene rund um die Garderobe schlich, trat der Headcoach mit einem ­Lächeln vor die Medien, wie es sonst dem Gewinner vorbehalten ist.

Er parierte jede Frage mit Schalk («Wie Spiel 7 am Dienstag wird? Für den Gewinner grossartig, für den Verlierer hart»), ­kapitulierte erst («Das weiss ich nicht»), als jemand wissen wollte, ob seine Spieler nicht in Genoni hineinfahren hätten sollen.

Das Lachen, die Freude, nichts war gespielt von Törmänen, auch auf der Bank während des Spiels war all das beim Aufmuntern und Motivieren der Spieler zu erkennen – selbst an einem Abend, als das Spiel 0:1 ausging, weil der gegnerische Goalie überragend spielte. «Wir wollen den Spass im Team bewahren», sagte Hügli. «Das macht uns aus, so hatten wir bislang Erfolg, dank ihm ­haben wir diese Energie.»

Aber zurück zu dieser Verabschiedung, zur Ehrenrunde. Denn Hügli wollte betont haben, dass all diese Kundgebungen der Mannschaft der Dank für die Unterstützung am Samstag gewesen seien – und nicht der Abschied und das «Merci!» für die Saison: «Wir wollen wieder hierher zurückkommen.»

Das wäre Spiel 2 im Final gegen Zug.

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