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Die Ruhe des Meisters, die sich die Flyers wünschen

Die ZSC Lions und die Kloten Flyers treffen sich heute unter ganz unterschiedlichen Vorzeichen zum 2. Derby.

Beim ersten Derby der Saison: Kloten-Verteidiger Rene Back (links) gegen ZSC-Stürmer Reto Schaeppi. Foto: Keystone
Beim ersten Derby der Saison: Kloten-Verteidiger Rene Back (links) gegen ZSC-Stürmer Reto Schaeppi. Foto: Keystone

Zürcher Eishockeyderbys beziehen ihren Reiz nicht daraus, eine Rarität zu sein. Seit die Qualifikation auf 50 Runden aufgestockt wurde und Lions wie Flyers der gleichen «Gruppe» zugeteilt wurden, treffen sie pro Winter mindestens 6-mal aufeinander. Letzte Saison duellierten sie sich sogar 10-mal. Doch es liegt, seit beide Clubs gleichzeitig hohe Ambitionen haben dürfen, etwas Spezielles in der Luft, wenn sie auf­einandertreffen. Im Frühjahr blickte die Eishockeyschweiz nach Zürich, als sie sich erstmals im Final massen. Doch es war keine Serie, die mitriss, weil die ZSC Lions schlicht zu überlegen waren. Und man kann ihnen nicht vorwerfen, sie hätten den Sieg nicht ausgekostet. Die Flyers mussten manche Stichelei über sich ergehen lassen.

Seitdem haben sich die Formkurven der beiden Clubs auseinander entwickelt. Die Stadtzürcher sind zu gut, um den Meisterblues anzustimmen. Sie sind an der Spitze dabei, obschon man bei ihnen die richtig guten Auftritte – wie gegen den HCD oder den SCB – ­bisher an einer Hand abzählen konnte. Die Ruhe, die im Club herrscht, ist gut, solange sie nicht in Lethargie umschlägt. Es war, für die nationale Meisterschaft betrachtet, wohl gar nicht schlecht, dass die ZSC Lions in der Champions League scheiterten und die Spieler so Coach Marc Crawford wieder einmal von seiner lauten, ungemütlichen Seite erlebten.

Der Meister scheint dieser Tage aber so gefestigt, dass er Verletzungen spielend wegstecken und es sich leisten kann, die nächsten jungen Spieler einzubauen. Siegenthaler tritt in seiner ersten NLA-Saison erstaunlich abgeklärt auf, Malgin verblüfft mit seiner Kreativität, Junggoalie Schlegel ist ein weiterer Beweis dafür, wie viele Talente die Organisation auf dieser Position entwickelt. Crawford tut gut daran, den Konkurrenzkampf im Team zuzulassen, aufstrebenden Spielern wie Künzle oder Baltisberger Raum zu geben. Allzu wohlig darf es den Akteuren nicht werden in einem Kampfsport wie Eishockey.

Die Kloten Flyers haben ganz andere Probleme. Ihr verpatzter Saisonstart könnte sich für sie wie eine lästige Erkältung entwickeln, die man lange mit sich herumschleppt. Der Rückschlag gegen Lausanne nach einer zuletzt positiven Entwicklung zeigt, wie fragil beim Finalisten noch alles ist. Und ein Blick auf die Statistik zeigt, wie schwierig es ist, nach einem langsamen Beginn Fahrt aufzunehmen: In den letzten sechs Jahren waren die Flyers, aktuell auf Rang 10, nach 50 Runden nie besser klassiert als nach 13 Spielen. Immerhin: Sie dürfen nach hinten schielen auf Gottéron, dem es noch schlechter geht. Und wenn die Regel der letzten Jahre, dass immer ein «Grosser» das Playoff verpasst, weiter Bestand hat, dürfte es eher die ­Freiburger treffen.

Man darf den Kloten Flyers attestieren, die Krise der ersten ­Saisonwochen gut gemanagt zu haben. Im Nachhinein könnte man es sogar als weise Voraussicht bezeichnen, dass sie zunächst auf einen vierten Ausländer verzichtet hatten. Denn einen besseren als Peter Mueller, den verlorenen Sohn, der nun reuig zurückgekehrt ist, hätten sie ohnehin nicht gefunden. Nicht nur er, die ganze Mannschaft, hat gegen die ZSC Lions einiges gutzumachen. ­Zürcher Derbys sind zur Massenware geworden – und doch hat jedes seinen eigenen Reiz.

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