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«Die Parallelen zum ZSC sind verblüffend»

ZSC-Meistercoach Harold Kreis ist mit Düsseldorf gut in die DEL-Saison gestartet. Seine zwei Jahre in Zürich bezeichnet der Deutschkanadier als beste Schule.

Harold Kreis, Sie sind in Düsseldorf mit vier Punkten aus zwei Spielen gestartet. Sind Sie zufrieden? Absolut. Im Startspiel, als wir gegen Mannheim nach Penaltys verloren, waren wir noch etwas verkrampft. Beim 2:0 gegen Köln haben wir eine grossartige kämpferische Leistung gezeigt. Es war ein wichtiger Sieg. Das Team muss nach einer durchzogenen letzten Saison mit leidenschaftlichem Eishockey die Herzen der Zuschauer zurückgewinnen. Auch sonst sind die Parallelen zum ZSC verblüffend.

Inwiefern? Auch die Stadionsituation ist ähnlich. Wir trainieren hier an der Brehmstrasse, beim alten Stadion, und tragen unsere Spiele in einer neuen Arena aus, dem ISS Dome. Auch hier haben sich die Zuschauer noch nicht richtig mit dem neuen Stadion angefreundet.

Wie unterscheidet sich Ihr Alltag in Düsseldorf von jenem in Zürich? Die längeren Reisen an die Auswärtsspiele sind der grösste Unterschied. Was mir auch auffällt: Die Stadien sind moderner, die Shows rund ums Spiel auch. Bei uns werden vor dem Match Spielszenen auf die Eisfläche projiziert. Allerdings geniesst Eishockey hier nicht den hohen Stellenwert wie in der Schweiz. Es steht im Schatten des Fussballs. Der Arbeitsalltag für mich ist recht ähnlich wie in Zürich.

Und wie gefällt Ihnen die Stadt? Düsseldorf ist, mit rund 600 000 Einwohnern, wie Zürich überschaubar. Und hier haben wir auch eine Bahnhofstrasse mit teuren Geschäften, die heisst Königsallee - die «Kö». Düsseldorf ist eine Messestadt und bietet kulturell viel, Joseph Beuys lebte ja lange hier. Im Gegensatz zu meinen Anfängen beim ZSC habe ich schon recht viel von der Stadt erkundet. In Zürich kam ich erst im zweiten Jahr dazu.

Wieso? (lacht) Wieso wohl? Das erste Jahr bei den ZSC Lions war recht stressig, ich hatte keine Zeit, mich anderen Dingen zu widmen als Eishockey. In der zweiten Saison entdeckte ich dann all die Juwelen in Zürich, die kleinen Lokale, Gässchen. Wenn ich auf meine Zeit beim ZSC zurückblicke, muss ich sagen: Es war extrem intensiv und anspruchsvoll, aber ich habe sehr viel gelernt. Zürich war für mich die beste Schule.

Was haben Sie gelernt? Wie ich mit Druck umgehen muss, mit den Medien, auch mit den Spielern. Das Wichtigste ist, dass man sich treu bleibt. Wenn man seinen Weg geht und es nicht passt, dann war es halt so. Aber wenn man sich verbiegt, hat man schon verloren. Ich behandle meine Spieler wie Erwachsene. Die ersten Wochen und Monate sind besonders interessant. Es braucht ein paar Stresssituationen, bis die Spieler den Trainer nicht nur als Trainer kennen lernen, sondern auch als Menschen. Bis sie merken: Das ist seine Linie.

Sie haben in Düsseldorf eine Mannschaft mit zehn Ausländern. Funktioniert die anders als ein Team in der Schweiz? Wir haben hier kein multikulturelles Team wie andere DEL-Klubs. Wir haben keine Schweden oder Norweger, sondern nur Kanadier und Amerikaner. Das macht es recht einfach.

Wie würde Ihr Team in einem Spiel gegen die ZSC Lions abschneiden? Es gäbe sicher ein temporeiches Spiel. Wir haben eine junge Mannschaft, der Schnitt ist nur 25,4 Jahre. Läuferisch und technisch sind wir für DEL-Verhältnisse sehr stark, vielleicht fast so gut wie der ZSC. Aber wir sind nicht so kräftig. Grundsätzlich sind die Schweizer Spieler läuferisch und technisch besser ausgebildet, dafür wird in der DEL körperbetonter gespielt. Der Drang zum Tor ist hier unheimlich, der Torhüter wird immer wieder angerempelt. Es ist ein kanadischeres Eishockey.

Welche Spieler hätten Sie gerne vom ZSC mitgenommen? (lacht) Es ist schwer, jemanden hervorzuheben. Ich hätte in Düsseldorf sicher für einige Platz gefunden. Aber Namen nenne ich natürlich nicht.

Verfolgen Sie das Geschehen in der Schweiz? Ja, ja, ich weiss, dass der SCB schon Leader ist und Zug Zweiter. Ich schaue mir nach jeder Runde die Resultate an. Und ich wünsche dem ZSC natürlich das Beste.

Wäre es für Sie nicht besser, wenn der ZSC ohne Sie keinen Erfolg mehr hätte? Nein, so denke ich nicht. Dave Chambers und ich wollten in Zürich etwas aufbauen. Da hoffe ich doch nicht, dass es dem ZSC nun schlecht geht. Zudem sind mir viele Spieler ans Herz gewachsen.

Pflegen Sie noch Kontakt nach Zürich? Absolut. Ich pflege regelmässig Kontakt, auch zu Spielern. Ich bekomme immer wieder SMS, einige gratulierten mir zum Sieg gegen Köln. Andere ziehen mich auf, sie nehmen das deutsche Eishockey nicht so ernst. Ich hoffe, dass ich mit Düsseldorf mal den Gegenbeweis antreten kann.

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