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Die Absage als einzige Konstante

In zwei Wochen beginnt die Eishockey-WM in Minsk. Der Schweizer Nationalcoach Sean Simpson wird von einer Absagewelle überrollt.

Mürrischer Blick: Für Sean Simpson läuft es im WM-Countdown in Sachen Personelles nicht nach Wunsch.
Mürrischer Blick: Für Sean Simpson läuft es im WM-Countdown in Sachen Personelles nicht nach Wunsch.
Keystone
Schweizer Meister müssen für die A-WM passen: Goalie Lukas Flüler (l., Meniskusriss) und Flügel Roman Wick (Handgelenk) sind verletzt und haben abgesagt. Erstaunlich, wie gut die beiden ZSC-Cracks angesichts ihrer Beschwerden während des Playoffs gespielt haben.
Schweizer Meister müssen für die A-WM passen: Goalie Lukas Flüler (l., Meniskusriss) und Flügel Roman Wick (Handgelenk) sind verletzt und haben abgesagt. Erstaunlich, wie gut die beiden ZSC-Cracks angesichts ihrer Beschwerden während des Playoffs gespielt haben.
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Auch der defensiv starke ZSC-Center Morris Trachsler fährt nicht nach Minsk, genauso wie Ryan Gardner, Philippe Furrer (beide SCB), Julian Walker (Lugano) und Dario Bürgler (Davos).
Auch der defensiv starke ZSC-Center Morris Trachsler fährt nicht nach Minsk, genauso wie Ryan Gardner, Philippe Furrer (beide SCB), Julian Walker (Lugano) und Dario Bürgler (Davos).
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Die WM in Weissrussland ist bekanntlich der letzte Auftrag, den Sean Simpson für die Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) erfüllen muss. Danach ist seine Mission beim Schweizer Verband beendet, ein neuer Job in der KHL wartet auf ihn. Im Vorfeld des Turniers in Minsk bläst dem Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft punkto Personalfragen ein rauer Wind entgegen: Er muss Absage um Absage in Kauf nehmen.

Die Liste von WM-Kandidaten, die dem Turnier fernbleiben, ist lang und teilweise prominent: Tobias Stephan und Goran Bezina (beide Servette), Philippe Furrer, Martin Plüss, Ryan Gardner (alle SCB), Julien Sprunger, Andrej Bykow (beide Fribourg), Dario Bürgler, Dino Wieser (beide Davos), Julian Walker (Lugano), Lukas Flüeler, Roman Wick (beide ZSC Lions) sowie Matthias Bieber (Kloten Flyers), der in diesem Winter noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht hat. Ob die Absagen plausibel (verletzt oder zumindest körperlich angeschlagen) oder eher fadenscheinig (persönliche Gründe) sind, spielt letztlich keine Rolle. Für den Headcoach bleibt ganz einfach der Fakt, dass er auf diese Profis nicht zählen kann.

Neue Situation bei den Torhütern

Es ist damit zu rechnen, dass weitere Spieler der Playoff-Finalisten ZSC und Kloten dem scheidenden Nationalcoach eine Absage erteilen werden. Gesundheitlich angeschlagen sind beispielsweise die Flyers Simon Bodenmann und Patrick von Gunten. Ob Klotens Martin Gerber zusagen wird, hängt ebenfalls von dessen Gesundheitszustand ab. Für den 39-jährigen Burgdorfer wäre es wohl der letzte Auftritt an einem internationalen Grossanlass. Am Montag macht die SIHF öffentlich publik, wer von den Zürcher Clubs dem Aufgebot Folge leisten wird.

Gerade auf dem Goalieposten könnte die Schweiz ein anderes Gesicht als bei den letzten Turnieren präsentieren. Weil Jonas Hiller (Anaheim) und Reto Berra (Colorado) in den NHL-Playoffs – in welcher Rolle auch immer – engagiert sind, stehen zurzeit mit Robert Mayer (Hamilton/AHL), Leonardo Genoni (Davos) und Daniel Manzato (Lugano), der in der Landesauswahl um eine Klasse besser spielt als im Verein, drei Torhüter zur Verfügung, die noch keine WM bestritten haben. Simpson wäre also nicht unglücklich, wenn wenigstens Routinier Gerber seine Zusage für Minsk geben würde. Mayer hat noch kein Länderspiel bestritten, der Churer gibt am Sonntag in Basel gegen Tschechien sein Debüt im Nationalteam.

Angenehme Erinnerungen

Die Tschechen sind bereits heute Abend in Neuenburg Gegner der Schweizer Auswahl. Diese hat schon in dieser Woche mit den NHL-Profis Roman Josi (Nashville), MVP der aus Schweizer Sicht wunderbaren WM in Stockholm, und Damien Brunner (New Jersey Devils) sowie den Genfern Denis Hollenstein (bald Kloten), Kevin Romy und Juraj Simek namhafte Zuzüge bekommen. Und weiterer Zuwachs aus Übersee neben Allrounder Yannick Weber (Vancouver) könnte in Bälde kommen: In den NHL-Playoffs duellieren sich Philadelphias Mark Streit und Rafael Diaz von den New York Rangers, der robuste Flügeltank Simon Moser (Milwaukee) und Sven Bärtschi (Abbotsford) kämpfen um Meriten in der AHL. Sven Andrighetto (Hamilton) weilt auf Abruf für die Canadiens in Montreal.

Trotz der Flut von Absagen während des WM-Countdowns heisst das nicht, dass die sportliche Zukunft für die Nationalmannschaft schwarz aussehen muss. Unter Simpson hat die Schweiz sechs von acht Duellen gegen Tschechien gewonnen. Und vor vier Jahren, ebenfalls nach dem olympischen Turnier, reiste Simpson an seiner ersten WM mit der Schweiz mit einem B-Team nach Deutschland und scheiterte erst knapp im WM-Viertelfinal am Gastgeber. Seit WM-Silber 2013 sind die Erwartungen hierzulande allerdings nochmals gestiegen – mit diesem Druck der Öffentlichkeit müssen der Coach und seine Spieler nun mal leben. «Das gehört zum Business» ist eine Wortwendung, die Simpson selbst gerne mal verwendet.

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