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Der vergessene NHL-Goalie

Trotz 6 Millionen Dollar Jahreslohn wartet ein Schweizer seit über einem Jahr auf einen Sieg. Kehrt er bald in die Alpen zurück?

Illustration: Kornel Stadler.
Illustration: Kornel Stadler.

Heute erhält der einzige Schweizer NHL-Goalie die Chance, wieder einmal ein Spiel zu gewinnen. Es gibt noch einen Schweizer NHL-Goalie? Wer diese Frage stellt, hat wohl höchstens Reto Berra im Kopf, der sich letztes Jahr nach einer Hand voll Einsätze in seiner fünften NHL-Saison zur Rückkehr in die Heimat entschied. Doch es stimmt: Es gibt weiterhin einen Schweizer Goalie in der besten Liga der Welt. Er hat dort sogar mehr Spiele gewonnen als jeder andere Landsmann ausser Jonas Hiller. Nur dass sein letzter Sieg in der Regular Season mittlerweile ein Jahr, einen Monat und 18 Tage her ist.

Am 27. Dezember 2017 war das. Ein gewisser Nico Hischier schoss zwei Tore beim 3:1 gegen Detroit, und im Tor der New Jersey Devils parierte ein Landsmann des Walliser Liganeulings 31 Schüsse. Sein Name: Cory Schneider. Der 32-Jährige ist der vergessene dritte Schweizer im Team von Supertalent Hischier und dem Winterthurer Verteidiger Mirco Müller. Dabei galt er lange als einer der besten Goalies der Welt.

Die Nummer 80 der Liga

Und heute: muss sich der 32-Jährige nach einer Hüftoperation langsam wieder zurückkämpfen. Ist mit einer Fangquote von 86,8 Prozent bloss die Nummer 80 der Liga, hat seinen Stammplatz bei den Devils verloren. Um Selbstvertrauen zu gewinnen, wurde er zwischenzeitlich ins Farmteam geschickt – mit dem niederschmetternden Ergebnis, dass in der AHL sogar 86 Torhüter eine bessere Fangquote aufweisen.

Wie anders klang es vor ein paar Jahren. «Ambri holt Top-NHL-Goalie», «Vancouvers Goalie zu Ambri», «Einer der besten NHL-Goalies ist in Ambri gelandet»: Die Liste von Schlagzeilen aus dem November 2012 liesse sich beliebig verlängern. Denn dass den Leventinern ein Coup gelungen war, das stand damals ausser Frage.

Als die NHL wegen des Lockouts pausierte, hatten sie im Tessin nämlich in Erfahrung gebracht, dass Cory Schneider aus Massachussetts Schweizer Vorfahren und womöglich einen roten Pass hatte. Nachdem die Bestätigung aus Bundesbern kam, begann ein kurzes Abenteuer in den Alpen. Es war nach acht Spielen und ein paar Spengler-Cup-Einsätzen mit Fribourg zwar wieder vorbei, weil der Arbeitskampf in Nordamerika endete und Schneider abreiste. Doch vielleicht hat es bald unerwartete Folgen.

Alle Spiele verloren

Denn sechs Jahre später ist Schneiders Ruhm verblasst. Die neun Saisonpartien, die er von Anfang an bestreiten durfte, verlor er allesamt. Heute in Chicago erhält er Chance Nummer zehn. Einfach wird die Aufgabe nicht: Die Blackhawks gehören zu den offensiv besten Teams der Liga, haben 7 ihrer letzten 8 Spiele gewonnen.

Für Schneider geht es auch um die Fortsetzung der Karriere. Eigentlich läuft sein Vertrag noch bis 2022, garantiert ihm jährlich 6 Millionen Dollar. Doch wer als Goalie dauerhaft die Nummer 80 der NHL ist, muss damit rechnen, dass seine Chefs sich Fragen stellen. Zum Beispiel, ob die Devils ihn trotz erheblicher Kostenfolge nicht aus dem Vertrag herauskaufen sollen. Schneider wäre dann frei, seinen nächsten Arbeitgeber zu wählen. Fürs Schweizer Nationalteam kommt er nach seinen Länderspielen für die USA zwar nicht mehr in Frage. Sehr wohl hingegen für die hiesige Liga, wo er das Ausländerkontingent nicht belasten würde und gute Goalies nach wie vor gesucht sind – in Lugano oder Davos zum Beispiel.

Es gibt also durchaus einen dritten Grund, die New Jersey Devils diese Saison besonders aufmerksam zu verfolgen.

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