Zum Hauptinhalt springen

Ein verwehrter Penalty und eine Prügelei nach Abpfiff

Der Halbfinal Bern gegen ZSC gab zu reden: Drei umstrittene Torszenen und nach Spielende noch ein grosses Handgemenge.

Die Berner holen in der Serie auf. Nach dem Abpfiff kochen die Emotionen hoch. Video: Tamedia

Den ersten Matchpuck in ihrem Halbfinal konnten die ZSC Lions am Donnerstag in Bern nicht nützen, nach der 3:4-Niederlage liegen sie im Best-of-7 aber immer noch mit 3:2 Siegen vorne. Und je länger eine Serie dauert, desto grösser wird die gegenseitige Abneigung der beiden beteiligten Mannschaften. Auch in dieser Hinsicht ist die Serie nach fünf Partien endgültig lanciert.

Es war ein Check des Berners Thomas Rüfenacht gegen den Zürcher Chris Baltisberger, der alles auslöste. Eine eigentlich regelkonforme Charge. Doch weil Rüfenacht sie exakt mit der Schlusssirene ausführte, war sie als bewusste Provokation gedacht und löste spontane Rudelbildung aus.

Die turbulenten Schlusssekunden nach Rüfenachts Check. Video: Tamedia mit Material von SRF

Schieds- und Linienrichter wussten kaum noch, wo sie dazwischen gehen sollen: Kevin Klein ging auf Rüfenacht los, Justin Krueger forderte Chris Baltisberger erfolglos zum Faustkampf, während sein Bruder Phil und Alain Berger sowie Berns Tristan Scherwey und Reto Schäppi sich Saures gaben – all dies begleitet vom Geschrei der 17 000 Zuschauer in der Post Finance Arena. Das Resultat: zwar 34 Strafminuten, Scherwey und Klein kamen im Tohuwabohu dennoch ungeschoren davon.

Wie Baltisberger das Lachen wieder fand

«Das sind Emotionen und Meinungsverschiedenheiten, sowas gehört einfach dazu.» Das sagte Chris Baltisberger, und er konnte sich das Lachen nicht verkneifen, als er kurz danach aus der ZSC-Garderobe kam und zu den wilden Szenen befragt wurde.

Die gute Laune war trotz Niederlage wieder da, Baltisberger wusste auch, wieso: «All die Emotionen sorgten in der Kabine für viel Energie. Daran müssen wir uns am Samstag wieder erinnern, dann kommt’s gut.»

Und wenn es gut kommt, dann heisst das für den ZSC, dass er sich mit einem vierten Sieg in der Serie für den Playoff-Final qualifizieren wird. Ein vierter Sieg, der für die Zürcher auch am Donnerstag plötzlich fast wieder möglich schien. Und dies, obwohl sie bei Spielhälfte noch 1:4 zurückgelegen waren, weil dem SCB eine Tor-Triplette in den Minuten 25, 26 und 27 gelang.

«Da verloren wir das Spiel, nicht am Schluss», sagte Chris Baltisberger. Der Stürmer sprach von der Szene 90 Sekunden vor Ende, als der ZSC plötzlich das vermeintliche 4:4 bejubelte – der Ausgleich, der von den Schiedsrichtern nach Videokonsum aber zurecht nicht gegeben wurde. Der Berner Gaëtan Haas hatte den Puck gerade noch auf der Torlinie gestoppt. Allerdings regelwidrig, weil er den Puck in die Hand nahm und weg warf.

Die umstrittene Szene im Video. Video: Tamedia mit Material von SRF

Den für dieses Vergehen fälligen Penalty, den Chris Baltisberger auf dem Eis als erster Spieler gleich einforderte, gaben die Referees nicht – weil sie den «Puck-Wurf» von Haas ebenfalls erst auf den Videobildern sahen. Gemäss Regeln zu spät, um noch richtig entscheiden zu dürfen. «Schade», sagte Chris Baltisberger, «aber das müssen wir nun abhaken.»

Im «Mysports»-Studio erklärt der ehemalige Schiedsrichter Nadir Mandioni den Sachverhalt beim vermeintlichen Penalty:

Diese Szenen bildeten auch für die Schiedsrichter den Schlusspunkt hinter einen aufwühlenden Abend, an dem sie gleich drei umstrittene Torszenen per Video beurteilen mussten. Die anderen beiden betrafen den SCB: Das vermeintliche 2:0 wurde annulliert, das 3:1 hingegen gegeben – beides wohl richtige Entscheide.

«Wie ein Neustart»

Dieses 3:1, es war für Baltisberger eine typische Berner Szene, ein schneller Gegenstoss, den seine Mannschaft schlecht verteidigt hatte: «Drei Tore kassierten wir heute auf diese Art und Weise.» Er konstatierte aber zufrieden, wie nach Spielmitte, als ZSC-Trainer Hans Kossmann alle Sturmlinien umstellte, seine Mannschaft ins Spiel fand auf 3:4 verkürzte: «Die veränderten Linien waren Impulse, wie ein Neustart, das war positiv, vielleicht brauchten wir genau das.»

Bern - ZSC Lions 4:3 (1:1, 3:2, 0:0)

17'031 Zuschauer (ausverkauft). - SR Koch/Wehrli, Kovacs/Obwegeser. Tore: 12. Kämpf (Noreau, Gerber) 1:0. 18. Wick (Geering, Pettersson) 1:1. 25. (24:28) Arcobello (Rüfenacht, Andersson) 2:1. 26. (25:49) Moser (Untersander, Ebbett) 3:1. 27. (26:27) Arcobello (Untersander) 4:1. 33. Pettersson (Herzog, Suter) 4:2. 40. (39:19) Künzle (Miranda, Sutter) 4:3.Strafen: 5mal 2 plus 10 Minuten (Berger) gegen Bern, 6mal 2 plus 2mal 10 Minuten (Klein, Schäppi) gegen die ZSC Lions. Bern: Genoni; Untersander, Blum; Noreau, Gerber; Andersson, Krueger; Kamerzin; Hischier, Haas, Scherwey; Aaltonen, Arcobello, Rüfenacht; Bodenmann, Ebbett, Moser; Berger, Heim, Kämpf. ZSC Lions: Flüeler; Klein, Phil Baltisberger; Sutter, Geering; Berni, Marti; Guerra, Seger; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Pettersson, Vey, Korpikoski; Wick, Suter, Kenins; Künzle, Prassl, Miranda.Bemerkungen: Bern ohne Raymond und Pyörälä. ZSC Lions ohne Pelletier, Shore (überzählige Ausländer), Blindenbacher, Nilsson und Sjögren (alle verletzt). - 17. Tor von Ebbett aberkannt (Puck bereits vom Goalie blockiert). - Timeout ZSC Lions (58:06), danach ohne Goalie.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch