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Das getrübte Glück des Wunderteams

So schnell kann es gehen. Die Vegas Golden Knights, die in der letzten NHL-Saison für die Erfolgsstory des Jahres sorgten, müssen sich nun in einem Dopingfall erklären.

Dopingfall: Nate Schmidt, eine der grossen Figuren der Vegas Golden Knights.
Dopingfall: Nate Schmidt, eine der grossen Figuren der Vegas Golden Knights.
Bild: Jeff Bottari/Getty Images)

«NHL-Spieler wegen Dopings gesperrt.» Diese Art Meldung kommt nun wirklich nicht häufig vor. Erst fünf Fälle waren bis letzten Samstag dokumentiert. Es betraf vor allem Spieler, die entweder in erster Linie als «Enforcer» (Massregler und Faustkämpfer) angestellt waren oder in ihrer gesamten NHL-Karriere total sagenhafte null Tore erzielt hatten – keine Akteure also, die ihre Teams wirklich besser machten.

Und nun Fall Nummer 6 am Sonntag: Nate Schmidt, Verteidiger der Vegas Golden Knights. Das übliche Verdikt für Ersttäter: 20 Spielsperren.

Wow!

Wow!, weil Vegas – das Wunderteam der Saison 2017/18.

Die Mannschaft, die ein paar Tage vor dem ersten Heimspiel der Vereinsgeschichte durch den furchtbaren Amoklauf wenige Strassen von ihrer Heimarena entfernt zusammengeschweisst und zum Symbol des Zusammenhalts in der Stadt wurde.

Nur Washington war besser

Die Mannschaft, die in ihrer ersten Saison bis in den Playoff-Final stürmte und erst dort von den Washington Capitals gestoppt wurde. Dies, obwohl die goldenen Ritter grösstenteils aus Spielern bestanden, welche sie im Sommer zuvor von den 30 anderen Teams im Rahmen des Expansion Drafts «klauen» durften – Spieler, die mit ganz wenigen Ausnahmen keine prioritäre Stellung im alten Club hatten. Die 30 anderen Teams durften ihre rund 10 besten Spieler vor der Übernahme durch Vegas schützen.

Spätestens dieser Dopingfall reisst die Golden Knights definitiv aus dem Traum der letzten Wundersaison und holt sie mitten in der Vorbereitung auf 2018/19 brutal zurück in die harte Realität.

Aber auch Wow!, weil ausgerechnet Nate Schmidt.

Schmidt war letzte Saison nicht nur auf dem Eis eine der markantesten Figuren der Golden Knights. In einem vor allem in der Defensive auf flache Hierarchie bedacht gecoachten Team entwickelte sich Schmidt spätestens im Playoff zum Nummer-1-Verteidiger in Vegas.

Nate Schmidt (2. v.l.), ist bei den Golden Knights eine Art Kultfigur. (Bild: Willy Sanjuan/Keystone)

Einer der beliebtesten Spieler

Der 27-jährige Amerikaner aus Minnesota ist aber mehr. Schmidt ist ligaweit einer der bei Fans, Spielern und Medien gleichermassen beliebtesten Repräsentanten der NHL. Ein liebenswerter Kerl mit Sinn für Humor und vor allem Selbstironie, ohne Allüren, stets für Spässe zu haben. Eine Figur, die immer seltener wird im NHL-Business, das seine Akteure auf Mainstream trimmt. Eines der ersten Stichworte, die bei einer Nate-Schmidt-Suche auf YouTube automatisch vorgeschlagen werden, ist «Funny Moments» – lustige Momente ...

Nate Schmidt, der Mann mit dem ansteckenden Lachen, der Mann, dem man nach nur einem Blick ins Lausbubengesicht kaum böse sein kann – der soll nun Dopingsünder sein?

«Sieben Milliardstel eines Milligramms»

Die Fangemeinde der besten Eishockey-Liga der Welt zumindest mag das nicht glauben. Sie hat sich in den sozialen Medien zusammengetan, unter dem Hashtag #FreeNate wird mit Posts vor allem die Liga angegriffen. Die NHL solle gescheiter gegen die wahren Bösewichte mit drastischen Sperren vorgehen. Zum Beispiel gegen jene Spieler, die ihre Gegner mit fiesen Checks gegen den Kopf lange Zeit ausser Gefecht setzen.

Die Fans stützen sich dabei (natürlich) auf die Argumentation Schmidts. Dieser zeigt sich, wie dies des Dopings überführten Sportler oft tun, als schockiert. Er sei weder ein Betrüger noch habe er je wissentlich unerlaubte Substanzen zu sich genommen, teilt er in einer längeren Stellungnahme mit.

Der Arbeitsweg vom damaligen Schweizer Vegas-Spieler Luca Sbisa, der zu Saisonbeginn mit Nate Schmidt ein Verteidiger-Duo bildete:

Schmidt liefert zudem noch Zweit- und Drittmeinungen von Doping-Experten nach: Bei der bei ihm entdeckten Substanz (um was es sich genau handelt, verschweigen bislang sowohl Spieler, Team als auch Liga) handle es sich um «sieben Milliardstel eines Milligramms». Und um seinen Standpunkt noch klarer zu machen, folgt der bildliche Vergleich: Das entspreche etwa «einer Prise Salz in einem olympisch genormten Swimming Pool.»

Die Golden Knights nehmen ihren Spieler in Schutz:

«Nahm nur, was das Team mir gab»

Schmidt erhält Unterstützung von seinem Agenten, der ihn als einen der ehrlichsten Menschen beschreibt, den er in seiner 30-jährigen Tätigkeit in der NHL kennengelernt habe.

Das Statement von Spieleragent Matt Keator:

Und dann schreibt Schmidt in seinem Statement noch etwas bemerkenswertes: Er sei immer äusserst vorsichtig gewesen, was er seinem Körper zufüge. Und er habe stets nur Substanzen zu sich genommen, die ihm von seinem NHL-Team verabreicht worden seien.

Letzteres ruft natürlich auch Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Oder steckt da wirklich mehr dahinter? Hängt über dem sensationellen Finaleinzug der Golden Knights nun eine dunkle Wolke? Waren doch nicht bloss bemerkenswerte Leistungen von Management, Coaching-Staff und Spielern der Hauptgrund für den in diesem Ausmass nie erwarteten Erfolg der letzten Saison?

Hohe Lohneinbusse

Wie auch immer. Die Vorbereitung auf die zweite Saison der Vereinsgeschichte steht nun unter einem anderen Stern als jene im Vorjahr. Der neue Club muss unangenehme Fragen beantworten. Und Schmidts Sperre schmerzt die Mannschaft sportlich und den Spieler finanziell: Der Verteidiger wird erst Mitte November ins Spielgeschehen eingreifen können. Und da in der NHL suspendierte Spieler während ihrer Sperre keinen Lohn erhalten, kostet Schmidt die ganze Affäre knapp eine halbe Million Franken.

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