ZSC-Stadion: Grüne vermuten Stimmungsmache

Laut Kanton gilt der Planungsstop wegen der Kulturlandinitiative auch fürs geplante Hockeystadion. Die Grünen widersprechen – und wittern politische Ränkespiele.

Planungshorizont 2022: Innenansicht der neuen ZSC-Halle nach den alten Plänen von Caruso St. John Architects. (Visualisierung: PD)

Planungshorizont 2022: Innenansicht der neuen ZSC-Halle nach den alten Plänen von Caruso St. John Architects. (Visualisierung: PD)

Pascal Unternährer@tagesanzeiger

«Ich will endlich Klarheit», sagt die grüne Kantonsrätin Esther Guyer. Deshalb hat sie eine Anfrage an den Regierungsrat eingereicht. Anlass sind widersprüchliche Aussagen von verschiedenen Stellen zur Auswirkung der vom Volk angenommenen Kulturlandinitiative aufs Bauvorhaben der ZSC Lions in Zürich-Altstetten.

Aus der kantonalen Baudirektion von Markus Kägi (SVP) kämen unterschiedliche Signale, sagt Guyer. Die einen bestätigten, die Initiative sei keine Gefahr fürs Stadion. Derselben Meinung ist die Stadt Zürich. Offizielle Diktion des Kantons ist aber, dass das Planungsmoratorium, das Kägi nach Annahme der Initiative 2012 verhängt hat, auch für die Eishockeyarena gilt.

Vorzeitiger Abstimmungskampf

ZSC-Saisonkarteninhaberin Guyer vermutet hinter Kägis Haltung Abstimmungspropaganda. Es sei nach dem Bundesgerichtsurteil absehbar, dass es zu einer zweiten Volksabstimmung über die Kulturlandinitiative komme. Und da nütze es den Gegnern, wenn sie andeuten könnten, die Initiative verhindere das Stadion.

Das sei aber nachweislich falsch. Und zwar gleich aus zwei Gründen, wie der grüne Kantonsrat und Planungsspezialist Robert Brunner erklärt. Erstens sei das betroffene Areal, auf dem derzeit Schrebergärten stehen, eine Erholungszone. Laut dem Planungs- und Baugesetz darf diese überbaut werden, wenn das geplante Gebäude im kantonalen Richtplan eingetragen ist – was im Fall des Stadions gegeben ist. Zweitens sei besagte Fläche keinesfalls eine Fruchtfolgefläche oder sonst wie ökologisch wertvolle Fläche, wie es in der Initiative erwähnt ist. «Die Familiengärten sind sogar im Altlastenkataster», so Brunner.

Kägi: «An den Haaren herbeigezogen»

Zudem weist er darauf hin, dass das fragliche Areal an der Vulkanstrasse nicht auf der Karte mit den heiklen Gebieten figuriere, welche den Gemeinden nach dem Moratorium zur Verfügung gestellt wurde. Sie wollten verhindern, dass anhand des falschen Objekts Stimmung gegen die Kulturlandinitiative gemacht werde, sagen Guyer und Brunner.

Den Propagandavorwurf findet Markus Kägi «komplett an den Haaren herbeigezogen», wie er auf Anfrage sagt. Nach dem Entscheid des Bundesgerichts liege das Geschäft Kulturlandinitiative beim Kantonsrat. «Eine Zweitauflage beziehungsweise Abstimmung steht nicht zur Diskussion», sagt der Baudirektor. Entsprechend werde auch kein Abstimmungskampf betrieben. Zur Anfrage Guyers werde der Regierungsrat zu gegebener Zeit Stellung nehmen. Dazu hat er zwei Monate Zeit.

ZSC macht trotzdem weiter

Die ZSC Lions sind im ersten Moment durch die Kulturlandinitiative verunsichert worden. Inzwischen haben sie aufgrund der Verlautbarungen der Stadt beschlossen, mit Hochdruck an ihrem Stadion weiterzuplanen. «In absehbarer Zeit» würden der Club und die Stadt über die Projektfortschritte informieren, kündigt ZSC-CEO Peter Zahner an. Das Risiko sei überschaubar, er gibt sich optimistisch. Trotzdem begrüsst er den politischen Vorstoss. «Alles, was die Rest-Rechtsunsicherheit aus der Welt schafft, ist gut.»

baz.ch/Newsnet

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