Zum Hauptinhalt springen

«Wo gibt es sowas? Kennst du eigentlich Offside?»

Frontalangriff von Xamax auf den Schiedsrichter nach dem 1:1 beim FCZ. Er habe nicht das Niveau, sagt der Assistenztrainer. Das lässt dieser nicht auf sich sitzen.

Xamax-Assistent Stéphane Henchoz bespricht sich mit seinem Chef Michel Decastel.
Xamax-Assistent Stéphane Henchoz bespricht sich mit seinem Chef Michel Decastel.
Keystone

Eigentlich, findet Stéphane Henchoz, sei dieses 1:1 von Xamax beim FCZ «nicht so schlecht», und als der Assistenztrainer der Neuenburger am Morgen nach dem Spiel zwischen dem Ersten und dem dem Zweiten der Challenge League so anfängt, tönt alles noch harmlos.

Aber die Freude über den einen Punkt weicht schnell dem Thema, das den 42-jährigen ehemaligen Nationalspieler beschäftigt – und nicht mehr loslassen will. Henchoz widmet sich dem Schiedsrichter, dem er vorhält, eine Partie mit seinen Entscheiden verpfuscht zu haben.

England? «Da sagen sie Schlimmeres!»

Zwei Szenen stehen dabei im Zentrum: die Rote Karte gegen Doudin nach 14 Minuten – und die Aktion in der Nachspielzeit, in der Xamax ein Foulpenalty verwehrt bleibt. Henchoz versteht nicht, warum Doudin vorzeitig vom Feld musste. Seine Version: «Er fragte den Schiedsrichter: ‹Bist du blind?›» Und sieht nichts Verwerfliches darin, «sicher nicht nach zwei offensichtlichen Fehlern. Es ist doch nicht weiter schlimm, wenn er das sagt. Wenn nach solchen Worten jedes Mal ein Platzverweis ausgesprochen würde, käme es sehr häufig vor, dass ein Match mit sieben gegen sechs Spieler enden würde».

Um dann einen kurzen Exkurs nach England zu machen, wo er ja selber bei Liverpool spielte: «Es soll nur keiner glauben, dass es in England braver zugeht. Da sagen die Spieler wesentlich schlimmere Dinge – aber die Schiedsrichter wissen das einzuordnen und sind niemals so empfindlich.» Keine Diskussion ist für ihn die Beurteilung des Duells von FCZ-Verteidiger Kryeziu gegen Xamaxien Teixeira in der Nachspielzeit: «Ein klarer Penalty.» Und auch: «Wäre das gleiche auf der anderen Seite passiert, hätte Bieri gepfiffen.»

Und schliesslich war da auch noch diese Sache, in der sich Henchoz selber an Bieri wandte und ihn fragte: «Kennst du eigentlich die Offsideregel?» Enerviert hatte er sich darüber, dass die Wiederaufnahme des Spiels nach einem Abseitspfiff in der Platzhälfte des Gegners stattfand: «Wo gibt es so etwas?» Alles in allem leistete sich Bieri in den Augen von Henchoz einen Auftritt, der für den Romand nach Sanktionen ruft: «Doudin wird gesperrt – und Bieri? Ich würde ihn für eine Weile in den Amateurfussball versetzen.»

Der Konter des Schiedsrichters

Und Bieri? Schildert, dass Doudin zwei Mal gesagt habe: «Du bist ein Blinder!» Und dass der Spieler dann angefügt habe: «Ich schwöre, du bist ein Blinder.» Für den Schiedsrichter ist das ein klarer Fall von Beleidigung, die er nicht einfach überhören darf: «Wenn mir ein Spieler sagt, ich sei blind, heisst das auch, dass er mir jegliche Kompetenz, ein Spiel zu leiten, abspricht.»

Bieri stört sich daran, dass Doudins Verhalten von Xamax-Seite nicht einmal im Ansatz kritisiert wird: «Ich weiss nicht, welchen Umgang diese Leute untereinander pflegen. Aber man stelle sich vor, dass ich als Schiedsrichter einem Spieler vorhalte, er sei ein Blinder. Das gäbe einen wahnsinnigen Aufstand. Wir hingegen müssen uns offenbar alles gefallen lassen. Von uns wird zu Recht ein respektvoller Umgang mit Spielern und Trainern verlangt. Diesen fordern wir jedoch auch ein.»

Trotzdem gesteht er Fehler ein

Auf Henchoz’ Vorwurf, die Offsideregel nicht beherrschen, antwortet Bieri mit einem Konter: «Seit Beginn dieser Saison sagt die Regel, dass ein Freistoss nach einem Offside dort ausgeführt wird, wo der Spieler den Ball berührt. Das kann durchaus in der eigenen Platzhälfte sein. Diese Weisungen sind allen Trainern und Spielern mitgeteilt worden. Aber offenbar haben das nicht alle verstanden. Es macht ganz den Eindruck, dass man sich alles so zurechtlegt, wie es einem in den Kram passt.»

Nur in einem Punkt bringt Bieri für Henchoz Verständnis auf: «Wenn ich die Fernsehbilder sehe, muss ich sagen: Den Penalty würde ich heute eher pfeifen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch