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Williiiiiiiiiie macht den Reiseführer

Der einstige Aussenverteidiger coacht die Bayern am Sonntag gegen die Hertha. Ein Kurzporträt.

Sagnol, hier beim trauten Weissbier-Fototermin zusammen mit Ex-Trainer Ancelotti, übernimmt vorerst für die Bundesliga-Partie am Sonntag.
Sagnol, hier beim trauten Weissbier-Fototermin zusammen mit Ex-Trainer Ancelotti, übernimmt vorerst für die Bundesliga-Partie am Sonntag.

Willy Sagnol hat damals oft gegrinst und wenig gesagt. Vor knapp acht Jahren war das, der Franzose sprach an einem Februarmorgen über seinen Abschied vom Profifussball und damit auch vom FC Bayern. Er gestand, dass seine Achillessehne zuletzt sehr geschmerzt hatte, sprach von «vielen guten Erinnerungen», lächelte schelmisch, wie so oft, und liess dann die anderen reden. Einen gewissen Ulrich Hoeness zum Beispiel, damals noch Manager beim FC Bayern, der neben Sagnol sass und bei der Gelegenheit an den Triumph in der Champions League von 2001 erinnerte.

«Da war der Willy ja dabei», sagte Hoeness, neben dem Kahn, Linke und dem Lizarazu, dem Hargreaves, Effenberg und Salihamidzic. Keine überteuerte oder haushoch überlegene Mannschaft, fand Hoeness, «aber sie war zusammengewachsen» und hatte so an Europas Spitze gefunden. Auf dem «Münchner Weg», betonte Hoeness.

Es ist schon lustig, dass jener Willy Sagnol, geboren in Saint-Étienne, den ein wenig vom Erfolgsweg abgekommenen FC Bayern jetzt wieder in die Spur bringen soll, als Interimstrainer und Reiseführer. Mit dem Münchner Weg kennt der 40-Jährige sich ja zumindest bestens aus.

Die Fans nannten Sagnol bei seinem Karriereende den «letzten Helden von Mailand» Er wechselte im Sommer 2000 von Monaco zum FC Bayern, etablierte sich als Rechtsverteidiger, mit einer Mischung aus List, Technik und Kraft. Er war weder ein Künstler noch einer fürs Grobe, hatte dafür ein gewisses Etwas, irgendwie recht bayerisch also. Die Zuschauer begleiteten seine Flankenläufe auf der Aussenbahn mit Williiiiiie-Rufen, von dort schlug Sagnol seine längst patentierten Willy-Sagnol-Gedächtnisflanken, die Roy Makaay und Michael Ballack für das eine oder andere Kopfballtor nutzten. Fünf Mal gewannen die Bayern mit Sagnol die Meisterschaft, und 2001 in Mailand die Champions League, klar.

Sie schätzten in München seinen französischen Eigensinn, Sagnol sei prinzipientreu, «manchmal auch furchtbar stur», wie Hoeness einmal erzählte. Und: Einer, «der querdenkt, mit ihm konnte man auch mal darüber philosophieren, was das Leben sonst noch bringt». Es gebe viele, «auch im Büro, die jetzt für mich Freunde sind», sagte Sagnol, als er ging. In einem dieser Büros lernte er übrigens seine Frau kennen. Die Fans verabschiedeten ihn im Mai 2009, sie nannten sie ihn «den letzten Helden von Mailand».

Die neutrale und vitalisierende Instanz

Sagnol hat nach seiner Münchner Zeit zunächst pausiert, er war dann im französischen Verband für den Nachwuchs tätig und arbeitete zwei Jahre als Trainer bei Girondins Bordeaux. Anfang Juni gliederten ihn die Bayern in ihren Trainerstab ein, wobei es ein offenes Geheimnis war, dass Sagnol auch installiert wurde, um Carlo Ancelotti eine neutrale und vitalisierende Instanz zur Seite zu stellen.

Dass sie Sagnol schon jetzt in die nächsthöhere Instanz befördern müssen, war wohl kaum vorgesehen, andererseits bringt er ja gute Referenzen mit. Er beherrscht Französisch, Italienisch, Deutsch und Bairisch in Wort und Schrift, ist Träger des sogenannten Bayern-Gens. Als der Klub ihn im vergangenen Sommer vorstellten, sagte Sagnol: Er sei jetzt wieder «zu Hause».

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