Wild, hektisch und spektakulär

Im aufwühlenden und intensiven Spitzenkampf trennen sich der FCZ und YB 3:3. Thun gewinnt in Luzern 2:0.

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Fabian Ruch

Hat jemand behauptet, Partien des FCZ würden kein Spektakel bieten? Mit 10:10 Toren hat er es nach 10 Spieltagen auf Rang 2 gebracht, 11 Punkte hinter YB, und nun führt er am Samstagabend Anfang der zweiten Halbzeit 2:0 gegen die Young Boys. Doch der Meister ist nicht geschlagen. Er ist nun die bessere Mannschaft und physisch stärker, er drängt auf das Anschlusstor, und er erhält einen zweifelhaften Handelfmeter zugesprochen, den Guillaume Hoarau in der 55. Minute verwandelt. Keine 120 Sekunden später verteilt Schiedsrichter Adrien Jaccottet auf der anderen Seite ein Penaltygeschenk, Steve von Bergen soll Roberto Rodriguez gefoult haben. Rodriguez stören die heftigen Diskussionen nicht, auch er trifft aus elf Metern.

3:1 also Mitte der zweiten Hälfte, aber die Young Boys spielen weiter mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit nach vorne. Roger Assalé bereitet bald das 3:2 durch Nicolas Ngamaleu vor, bald das 3:3 durch Hoarau. Der leidenschaftliche FCZ hat seine Stilsicherheit längst eingebüsst. Miralem Sulejmani, Djibril Sow und Hoarau verpassen in der Schlussviertelstunde das Siegestor für die Gäste, aber auch der eingewechselte Assan Ceesay vergibt für die Zürcher kurz vor Spielende alleine vor dem Tor das 4:3.

Magnins grosser Ärger

Der Spitzenkampf im Letzigrund ist eine emotionale Achterbahnfahrt für alle Beteiligten und ein Vergnügen für neutrale Beobachter. Knackige Zweikämpfe würzen das Geschehen, die Debattenkultur auf dem Rasen mit mehreren Teilnehmern beider Teams ufern teilweise aus, Referee Jaccottet verliert in hektischer Ambiance Linie und Übersicht, insgesamt gibt es 10 Verwarnungen. Manchen ist das noch zu wenig. Die Zürcher fordern einen Platzverweis für Sékou Sanogo nach einem harten Einsteigen des YB-Vorkämpfers, auch von Bergen und Kevin Mbabu hätten zweimal verwarnt werden können, FCZ-Trainer Ludovic Magnin lebt und leidet an der Seitenlinie gesten- und wortreich mit.

Nach dem Spiel ist er verärgert und möchte sich aus Selbstschutz nicht äussern zu den heiklen Szenen. Und natürlich sind auch die YB-Vertreter nach der lebhaften Veranstaltung aufgewühlt. Coach Gerardo Seoane aber zieht ein versöhnliches Fazit: «Es gab viele strittige Situationen. Letztlich war dieses Spiel beste Werbung für den Schweizer Fussball. Und das Ergebnis ist sicher gerecht.»

Berner Verletzungspech

Der Abend beginnt für die Young Boys mit Rückschlägen. Sie verlängern die Nationalmannschaftspause kurzerhand um ein paar Minuten, ihre Defensivabteilung ist vorerst unsortiert.

Nach sieben Minuten bereiten Von Bergen und Sandro Lauper, die zentralen Abwehrspieler, an der Mittellinie mit ungeschicktem Verhalten die Grosschance für Stephen Odey vor, die der FCZ-Stürmer nach langem Lauf übers halbe Feld ausnutzt. Nur kurze Zeit später hinterlässt erneut Lauper keinen vorteilhaften Eindruck, Benjamin Kololli enteilt Mbabu, der jenen streng gepfiffenen Foulelfmeter verursacht, den Kololli verwertet. 2:0 führt Zürich nach 10 Minuten, und der Fehlstart des souveränen Leaders wird durch die verletzungsbedingte Auswechslung von David von Ballmoos (Gehirnerschütterung und Nasenbeinbruch) komplettiert, nachdem der YB-Torhüter und FCZ-Verteidiger Andreas Maxsö heftig mit den Köpfen zusammenprallen.

Und so sind die Young Boys nach intensiver, wilder Begegnung stolz auf ihre Mentalität. Steve von Bergen lobt Charakter und Kampfgeist seines Teams und findet, am Ende hätte YB gar gewinnen müssen: «Wir hatten genügend Möglichkeiten.» Der Captain zeigt wenig Verständnis für die zwei FCZ-Elfmeter, während Zürichs Kevin Rüegg sagt, er habe sich in der Aktion, die zum Penalty für die Gäste führte, nur mit den Händen schützen wollen. Europa-League-Teilnehmer FCZ (am Donnerstag gegen Bayer Leverkusen) und Champions-League-Teilnehmer YB (am Dienstag gegen Valencia) teilen nicht nur die Punkte, es eint sie auch das Unverständnis.

Zürich - Young Boys 3:3 (2:0)

12'663 Zuschauer. - SR Jaccottet. - Tore: 7. Odey (Hekuran Kryeziu) 1:0. 10. Kololli (Foulpenalty) 2:0. 56. Hoarau (Handspenalty) 2:1. 58. Rodriguez (Foulpenalty) 3:1. 64. Moumi Ngamaleu (Assalé) 3:2. 69. Hoarau (Assalé) 3:3.

Zürich: Brecher; Rüegg, Bangura, Maxsö, Pa Modou; Hekuran Kryeziu, Domgjoni; Rodriguez (68. Khelifi), Marchesano (74. Ceesay), Kololli (87 Winter); Odey.

Young Boys:Von Ballmoos (20. Wölfli); Mbabu, Lauper, Von Bergen, Benito; Moumi Ngamaleu (75. Fassnacht), Sow, Sanogo, Sulejmani (87. Nsame); Assalé, Hoarau.

Bemerkungen: Zürich ohne Palsson, Aliu, Kempter, Rohner und Omeragic (alle verletzt). Young Boys ohne Wüthrich und Lotomba (beide verletzt). Von Ballmoos verletzt ausgeschieden (Hirnerschütterung nach Zusammenstoss). 33. Pfostenschuss Hoarau. Verwarnungen: 37. Rüegg (Foul), 40. Sow (Foul), 46. Odey (Foul), 61. Sanogo (Foul), 61. Wölfli (Reklamieren), 61. Pa Modou (Reklamieren), 73. Hekuran Kryeziu (Foul), 91. Von Bergen (Foul).

Luzern - Thun 0:2 (0:0)

8250 Zuschauer. - SR Tschudi. - Tore: 64. Sorgic (Kablan) 0:1. 96. Salanovic 0:2.

Luzern: Zibung; Kakabadse, Lucas (81. Demhasaj), Knezevic, Schwegler; Grether, Schulz; Vargas, Gwilja (65. Schneuwly), Schürpf; Eleke.

Thun: Faivre; Glarner, Rodrigues, Sutter, Kablan; Hediger; Tosetti, Stillhart (91. Gelmi), Da Silva (62. Fatkic); Sorgic, Spielmann (72. Salanovic).

Bemerkungen: Luzern ohne Voca (gesperrt), Ndenge, Rodriguez und Lustenberger (beide verletzt). Thun ohne Karlen, Righetti, Joss, Costanzo und Schwizer (alle verletzt). 58. Pfostenschuss Schürpf. 93. Pfostenschuss Sorgic. Gelb-rote Karte: 84. Schwegler (Foul). Verwarnungen: 5. Schulz (Foul), 31. Kakabadse (Foul), 66. Schwegler (Foul), 68. Sorgic (Foul), 70. Hediger (Hands), 83. Tosetti (Foul), 92. Kablan (Foul).

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