Wieso Maradona mit Usain Bolt in Basel kickt

Usain Bolt, Diego Maradona, José Mourinho, Roberto Carlos und viele weitere Legenden trafen sich zum exklusiven Fussballplausch in Basel. Wer alles da war.

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Sebastian Briellmann

Es ist durchaus ein Ereignis, wenn sich Grössen und noch Grössere des Sports auf einem Minifussballfeld einfinden, um ein wenig zu spielen. Wenn Usain Bolt zeigen möchte, dass er es durchaus auch als Profikicker zu etwas brächte; wenn Diego Maradona etwas für die Gesundheit tut und für seine Figur; oder wenn Startrainer José Mourinho am Spielfeldrand seinen Jungs zuschaut, gewohnt etwas gelangweilt, mit verschränkten Armen, das Kinn auf die Bande gestützt.

Organisiert hat dieses kleine Spektakel die Uhrenfirma Hublot. Für Jean-Claude Biver, den Uhrenpatron und Vorstandsvorsitzenden der Schweizer Unternehmung, war dieser Anlass schon ein Erfolg, bevor das eigentliche Fest auf dem Kunstrasen überhaupt begonnen hat. «Wir sind bei Hublot ein Winning Team.» Da überraschte es auch wenig, dass sich Ambassador Bolt enorm über den Besuch in Basel freute und ziemlich überzeugt ins Mikrofon hauchte, dass ihn die Partnerschaft mit Hublot wohl sogar zu einem besseren Menschen gemacht hätte.

Artig wurde dieser Satz, der eigentlich seinesgleichen sucht, von den meisten Menschen im Saal staunend aufgesaugt – aber kaum hinterfragt. Biver lächelte zufrieden. Er hatte die Sphäre erreicht, die er angestrebt haben dürfte. Das ist eine reife Leistung und verdient Respekt. Elegant-sportlich auch die neue Kollektion, die an der Baselworld präsentiert wird, besonders modern kommt die Smartwatch daher, die extra für die Fussballweltmeisterschaft in Russland konzipiert wurde. Spielstand, Torschützen, Verwarnungen; alles ist auf dem Display live abrufbar. Wahnsinn, nicht? Für den offiziellen «Timekeeper» der WM aber natürlich kein Problem.

Danach durfte der «Match of Friendship» gespielt werden, die geladenen Gäste jubelten, sie waren ihren Sporthelden ganz nah. Ob der ehemalige Assistent der Schweizer Nationalmannschaft, Michel Pont, der den Plauschmatch kommentierte, zwingend in diese Jubelorgie mit­einsteigen und sekündlich in gefühlt 18 Sprachen seine Begeisterung zeigen musste, sei einfach mal dahingestellt.

Es gab aber auch viele freudige Momente. Wie die ehemaligen Serie-A-Profis Marco Materazzi, Hernan Cres­po, Gaizka Mendieta und David Trezeguet miteinander schäkerten, wirkte in diesem ultraschicken Umfeld herrlich bodenständig. Genau wie die beiden Iren, Damien Duff und Robbie Keane, die dem ganzen Zauber den nötigen Pfeffer verliehen: Sie spielten mit einem Ernst, der dieser Show im Congress Center der Messe ganz gut anstand. Selbst der mitunter mürrische Mourinho taute im Verlaufe der Partie auf, erst erhob er sich, dann lächelte er für ein paar Selfies und wurde fast ein wenig euphorisch, als er mit Roberto Carlos, jetzt strahlend, Nettigkeiten austauschte.

Gianni Infantino war auch noch da

Lustig wars, als Maradona den schier ausflippenden Pont ignorierte, als der ihn mehrfach aufforderte, endlich ein paar Spielerwechsel vorzunehmen. Ebenso amüsant die Szene mit Mourinho und Stéphane Chapuisat: Sie guckten sich an, lächelten, nickten sich zu, lächelten – aber zu sagen hatten sie sich anscheinend nichts. Was die Frage nach sich zieht, ob der Portugiese den ehemals brillanten Schweizer Goalgetter überhaupt kennt.

Ach ja, Fifa-Präsident Gianni Infantino war auch noch da. Aber das schien niemanden zu interessieren.

Seis wies wolle, zum Schluss gabs zuerst Komplimente an alle und jeden, und dann ging jeder Star zur Tagesordnung über. Alan Shearer, der ebenfalls als Moderator zugegen war, sprach über die positive Entwicklung der Premier League, lobte Manchester City und auch noch Tottenham-Spieler Dele Alli. Marcel Desailly, dieser fantastische französische Innenverteidiger, liess nochmals Revue passieren, wie wunderbar das war an der WM im eigenen Land, 1998, als am Ende der Titel geholt werden konnte.

Zu klären gabs einzig noch, ob Usain Bolt, der ja zuletzt für mächtig Schlagzeilen sorgte, als er ankündigte, in Kürze tatsächlich einen Profivertrag bei einem Club zu unterschreiben, ­dieses Ziel – nachdem sich diese Mitteilung als PR-Gag entpuppt hatte – nach wie vor erreichen möchte. Er sagte dazu: «Ich schaue vorwärts, indem ich mich vorwärts bewege.» Okay. José Mourinho, der mit Manchester United Bolts Lieblingsverein trainiert, sagte: «Vielleicht ist uns mit ihm ein grosses Talent abhandengekommen – zumindest von der Athletik her.» Sehr diplomatisch. Und Diego Maradona gab noch einen Tipp für den Sprinter ab: «Du bist am Ball noch etwas hektisch.» Danach war alles gesagt und wirkten die meisten Protagonisten ziemlich erleichtert darüber.

Das Spiel, das der Vollständigkeit halber, endete nach 30 Minuten plus Nachspielzeit (ja, die musste sein) wenig überraschend unentschieden, 11:11. Gewonnen hat dafür Hublot. Es war ein wunderbar glitzernder Event, der aber ein wenig leiser, wenig pathetischer hätte daherkommen können.

Basler Zeitung

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