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Verlieren die Schweizerinnen ihr Superhirn?

Martina Voss-Tecklenburg führte das Fussball-Nationalteam in neue Sphären. Nun lockt Deutschland, ihre Heimat. Ob sie widerstehen kann, ist völlig offen.

Mit ihrem wachen Blick und ständigen Willen, das Frauen-Nationalteam weiter zu verbessern, wurde Martina Voss-Tecklenburg zu einem der wichtigsten Trainerentscheidungen beim Schweizerischen Fussballverband überhaupt.
Mit ihrem wachen Blick und ständigen Willen, das Frauen-Nationalteam weiter zu verbessern, wurde Martina Voss-Tecklenburg zu einem der wichtigsten Trainerentscheidungen beim Schweizerischen Fussballverband überhaupt.
Keystone
Mit ihrem taktischen und technischen Wissen wurde Martina Voss-Tecklenburg nach ihrer Verpflichtung Anfang 2012 zum Gewinn für ein Nationalteam, das bereits gut aufgestellt war, dem aber noch etwas fehlte für die grossen Höhenflüge.
Mit ihrem taktischen und technischen Wissen wurde Martina Voss-Tecklenburg nach ihrer Verpflichtung Anfang 2012 zum Gewinn für ein Nationalteam, das bereits gut aufgestellt war, dem aber noch etwas fehlte für die grossen Höhenflüge.
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Die Endrunde geriet aber nicht nach Wunsch: Nach einem unglücklichen Start war die EM für die Schweiz nach der Vorrunde und einem 1:1 gegen Frankreich so früh wie möglich vorbei.
Die Endrunde geriet aber nicht nach Wunsch: Nach einem unglücklichen Start war die EM für die Schweiz nach der Vorrunde und einem 1:1 gegen Frankreich so früh wie möglich vorbei.
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Es ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Seit Martina Voss-Tecklenburg im Januar 2012 das Schweizer Frauen-Nationalteam übernommen hat, ist es zum Dauersieger geworden. Die erste WM-Qualifikation der Geschichte, die erste EM-Qualifikation der Geschichte, 28 von 38 Pflichtspielen gewonnen – die Deutsche hat den Schweizer Fussballerinnen das Sieger-Gen implantiert. Nach dem 1:0 von gestern Abend gegen Schottland stehen sie in der laufenden WM-Ausscheidung ohne Verlustpunkt da.

Doch nun droht Ungemach. Wie deutsche Medien berichten, ist die 50-Jährige eine Kandidatin auf die Nachfolge von Steffi Jones als deutsche Nationaltrainerin. Jones war im März entlassen worden, weil den Verantwortlichen die Entwicklung des Teams nicht mehr gefiel – an der EM im vergangenen Jahr war das erfolgsverwöhnte Deutschland schon im Viertelfinal ausgeschieden, und in der laufenden WM-Qualifikation setzte es eine Heimniederlage gegen Island ab.

Auf eine neue Ebene geführt

Wie Reinhard Grindel, der Präsident des deutschen Fussballbundes (DFB) erklärt, sei nun eine Lösung gefragt, «die den Frauenfussball im Land auf eine neue Grundlage stellt». Der aktuelle Interimscoach Horst Hrubesch ergänzt: «Es braucht jemanden, der den deutschen Frauenfussball über die nächsten Jahre wieder fit macht für Titel.»

Ein Anforderungsprofil, das perfekt auf Martina Voss-Tecklenburg zugeschnitten ist. Auch in der Schweiz war sie vor gut sechs Jahren angetreten, um mit dem Nationalteam den nächsten Schritt zu tun. Bis 2011 hatte ihre Vorgängerin Béatrice Von Siebenthal die Basis geschaffen und einen Kern von Spielerinnen geformt, den Voss-Tecklenburg schliesslich auf eine neue Ebene führte. Spielerinnen wie Lara Dickenmann, Ramona Bachmann, Martina Moser oder Ana-Maria Crnogorcevic.

Daneben kümmerte sich Voss-Tecklenburg um die Ausbildung der Juniorinnen, trieb die Basis des Schweizer Frauenfussballs in Biel voran und bildete Trainerinnen aus. Die Deutsche ist das Superhirn im Schweizer Frauenfussball. Unverzichtbar eigentlich – und überhaupt zu ersetzen?

Enge Beziehung zu Deutschland

Dass sie das Interesse des DFB weckte, ist nichts als logisch. Wie gross der Kreis der Kandidaten und Kandidatinnen bei diesem aber ist, ist offen. Für Männer ist ein Amt im Frauenfussball – auch wenn es sich um ein angesehenes Nationalteam handelt – nicht zuletzt auch finanziell oft zu wenig lukrativ. Trotzdem werden Ralf Kellermann vom VfL Wolfsburg (Sportdirektor Frauenabteilung) oder Thomas Wörle (Trainer Bayern München) als Kandidaten genannt.

Ohne Zweifel würde eine Offerte aus Deutschland dagegen auf Voss-Tecklenburg grossen Reiz ausüben. 125 Länderspiele hat die gebürtige Duisburgerin selbst für das Nationalteam bestritten, zwischen 1989 und 1997 wurde sie viermal Europameisterin. Und ihr Bezug zu Deutschland ist unverändert eng: In Straelen bei Düsseldorf bewohnt sie zusammen mit ihrem Ehemann Hermann ein Haus, alle paar Wochen legt sie die gut 600 Kilometer zurück, die ihren derzeitigen Wohnort im Kanton Aargau von Straelen trennen. Vor zwei Monaten liess sie sich zudem in den Verwaltungsrat des deutschen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf wählen.

Auf das Interesse aus Deutschland angesprochen, zeigt sich Voss-Tecklenburg bedeckt. «Im Moment bin ich hier, und da bleibe ich erst einmal auch», sagte sie nach dem Spiel gegen Schottland am Donnerstag gegenüber dem Schweizer Fernsehen mit einem Lächeln. Sie dementierte allerdings auch nicht, sondern fügte an, sie könne nichts dazu sagen. Beim Schweizerischen Fussballverband besitzt sie einen Vertrag bis Ende 2018.

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