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US-Juristen: Blatter in Handschellen und WM-Neuvergaben möglich

Es droht eine Milliardenbusse. Eine US-Anklage gegen die Fifa und deren Chefs ist laut Experten «sehr wahrscheinlich». Dafür reiche eine Mitwisserschaft.

Dem Weltfussballverband droht noch mehr Ungemach: Fifa-Präsident Sepp Blatter verkündet in Zürich Russland als Sieger im Kampf um die WM 2018. (2. Dezember 2010)
Dem Weltfussballverband droht noch mehr Ungemach: Fifa-Präsident Sepp Blatter verkündet in Zürich Russland als Sieger im Kampf um die WM 2018. (2. Dezember 2010)
Michael Probs, Keystone

Bisher haben die US-Behörden nach den Enthüllungen rund um den Weltfussball-Verband (Fifa) gegen Individuen ermittelt. Nun werde das amerikanische Department of Justice (DoJ) in Bälde auch die Fifa als Organisation genauer untersuchen, schreibt die «Schweiz am Sonntag». Die Zeitung zitiert einen Gewährsmann, der mit den Vorgängen innerhalb der Fifa bestens vertraut ist. Er sagt, es herrsche grosse Verunsicherung am Sitz in Zürich.

Dabei geht es um viel Geld: Die Fifa hat über die Jahre ein Eigenkapitalpolster von über 2 Milliarden Franken angespart. «Auf diese prall gefüllte Kasse hat es das DoJ abgesehen», sagt der Gewährsmann zur «Schweiz am Sonntag». «Ich rechne mit einer Busse im Umfang von 1,5 Milliarden Franken.» Die Amerikaner seien auf das Geld aus, das habe man schon bei den Schweizer Banken gesehen. Die Angst der Fifa vor dem Knüppel der Amerikaner ist begründet. US-Anwalt Jeffrey Neiman sagt: «Falls sich die Vorwürfe des DoJ und anderen Strafermittlungsbehörden bewahrheiten und zweifelsfrei erwiesen wird, dass Korruption bis in die obersten Chargen hinein praktiziert oder geduldet wurde, wird die Fifa in den USA angeklagt werden.»

In der Zwickmühle wie andere Unternehmen auch

Eine Anklage verhindern könnte die Fifa nur, wenn sie zwei Dinge mache: «Vollumfänglich mit den Strafermittlungsbehörden kooperieren und eine Busse bezahlen.» Damit würde es der Fifa nicht anders ergehen wie allen anderen multinationalen Unternehmen, die «tagtäglich riesige Summen bezahlen, um eine Klage abwenden zu können», sagt Anwalt Neiman. Der gleichen Ansicht ist auch William Sharp, amerikanischer Anwalt mit Büros in Zürich und den USA. Eine Klage durch die Amerikaner sei «sehr wahrscheinlich», sagt er zur Zeitung. Insbesondere dann, wenn es den Verantwortlichen nicht gelingt aufzuzeigen, dass die Fifa nicht primär dem Vereinszweck gedient habe, sich also der Förderung des Fussballs in der Welt gewidmet habe, sondern vor allem zur persönlichen Bereicherung korrupter Funktionäre.

Schlechte Karten habe die Fifa laut Sharp, falls die Amerikaner belegen könnten, dass die Schmiergeldzahlungen tatsächlich systematisch erfolgten und die höchsten Organe davon wussten. Laut amerikanischem Recht reiche lediglich die Mitwisserschaft dieser Machenschaften, um in die juristische Mühle zu geraten. Eine Fifa-Pressesprecherin sagt, dass die Fifa vollumfänglich mit den US-Behörden kooperieren würde. Zu einem möglichen Verfahren und einer Busse äusserte sich die Sprecherin nicht.

«Die WM-Vergabe könnte nichtig sein»

Derweil berichtet die «SonntagsZeitung», dass die Fussball-Weltmeisterschaften von 2018 an Russland sowie 2022 an Katar womöglich neu vergeben werden müssen. «Sollten Beweise dafür vorliegen, dass die Vergabe nach Katar und Russland nur dank gekaufter Stimmen zustande kam, dann könnte die Vergabe nichtig sein», sagt Domenico Scala, der Präsident der Compliance-Kommission der Fifa. Allerdings sei dieser Beweis noch nicht erbracht worden, erklärte der Baselbieter gegenüber der SoZ. Er wisse nichts von Ermittlungen gegen Joseph Blatter, sagt Scala. «Die Fifa würde mich als Präsidenten der Compliance-Kommission informieren, falls sie von Ermittlungen wüsste. Das ist nicht passiert.»

Zur Forderung, dass als Blatters Nachfolger ein unabhängiger Präsident gewählt wird, der nicht der Funktionärsgilde angehört, meinte Scala: «Aufgrund der Statuten der Fifa ist das gar nicht möglich. Ein Kandidat für das Amt des Präsidenten muss eine aktive Rolle als Spieler oder Funktionär in der Fifa, einer Konföderation oder einem nationalen Verband gespielt haben. Wenn jemand diese Bedingung nicht erfüllt, müsste ich ihn als Präsident der Wahlkommission von vornherein ablehnen.»

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