Und ausgerechnet jetzt fehlt Luzern der Topskorer

Noch nie hat der FC Luzern ein Europacup-Auswärtsspiel gewonnen. Nie aber waren die Chancen besser als heute auf den Färöer. Wäre da nur nicht die Unruhe im Team.

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Es ist eine Chance mit fast historischem Ausmass: Noch nie in der Vereinsgeschichte hat der FC Luzern ein Auswärtsspiel auf europäischer Ebene gewonnen. Diesen Makel kann er heute Abend im 15. Anlauf ausbügeln, wenn er im Rückspiel der Europa-League-Qualifikation auf den Färöer auf Klaksvik trifft und ein knappes 1:0 aus dem Hinspiel verteidigt.

Als aber der FC Luzern am Mittwoch Richtung Torshavn abhebt, fehlt ein wichtiger Spieler. Just an diesem Tag platzt die Nachricht, dass Christian Schneuwly nicht weitermacht. Nach 138 Partien löst der Routinier seinen bis Sommer 2020 laufenden Vertrag mit dem FC Luzern im gegenseitigen Einvernehmen auf. Ausgerechnet er!

Die Gründe für den abrupten Abgang liegen auf der Hand: Der Routinier kam zuletzt mit dieser Rolle des Ersatzspielers immer weniger klar. Genau in dieser hätten Sportchef Remo Meyer und der Trainer den 31-Jährigen in Zukunft aber gern gesehen. Und von einer Vertragsverlängerung schon zum jetzigen Zeitpunkt wollten sie im Gegensatz zum Freiburger nichts wissen.

Schneuwly teilte mit, er habe mit den Clubverantwortlichen über seine zukünftige Rolle im Team gesprochen und danach entschieden, den Vertrag per sofort aufzulösen. Wohin es ihn zieht, ist offen. Als mögliche Abnehmer gilt der FC Thun, für den er bereits 98 Partien absolviert hat. Aber auch Xamax scheint interessiert.

Sonst traf nur Eleke

Dennoch irritiert der Zeitpunkt seines Abgangs – und die Unruhe erwischt den FCL in einem unangenehmen Moment. Der FCL hatte im Hinspiel gegen Klaksvik mehr Mühe, als im lieb war. Vor allem die Chancenauswertung war miserabel – fünfmal landete der Ball an der Torumrandung.

Für die späte Erlösung sorgte Joker Schneuwly. Einmal mehr: Denn von den bisher drei FCL-Saisontoren erzielte der 31-Jährige deren zwei - dabei stand er kein einziges Mal in der Startelf. Ansonsten traf nur noch Blessing Eleke, der in St. Gallen einen Elfmeter zum 2:0 verwandelte.

Trainer Thomas Häberli strotzt gleichwohl vor Zuversicht: «Unser Ziel ist, auch das Rückspiel zu gewinnen.» Wer aber soll die Tore schiessen, die für einen Sieg nötig sind? Die Null-Tore-Stürmer wie Pascal Schürpf, Francesco Margiotta und Shkelqim Demhasaj sind nun im Rückspiel und auch danach gefordert. An vorderster Front: Captain Schürpf. Er geht kämpferisch ans Werk, aber oftmals scheint er es mit der Verantwortung zu gut zu meinen. Ein Zuspiel mehr, eine Vorlage zum richtigen Zeitpunkt wären manchmal mehr.

Ein Remis reicht zum Weiterkommen

Allerdings würde den Zentralschweizern zum Weiterkommen in der EL-Qualifikation bereits ein Remis reichen. Und Luzern hat in den ersten drei Pflichtspielen noch kein Gegentor kassiert. Goalie Marius Müller ist ein Glücksgriff. Gegen St. Gallen war der deutsche Neuzugang von RB Leipzig der Matchwinner. Im Hinspiel gegen Klaksvik verhinderte er mit Glanzparaden ein Auswärtstor der Färinger und ermöglichte seiner Mannschaft die gute Ausgangslage, die nächste Runde zu erreichen. Das haben die Luzerner letztmals 1992 geschafft.

Kurzum: Behält Müller auch in Toftir seine weisse Weste, steht der FCL in der nächsten Runde und würde am 8. und 15. August wohl auf Espanyol Barcelona treffen. Die Katalanen haben aus dem Hinspiel gegen den isländischen Vertreter Stjarnan Gardabaer ein 4:0-Polster.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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baz.ch/Newsnet

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