Und alle warten auf die Werbung

Vor dem EM-Final der U-21-Fussballer kam es zu einer neuen und kuriosen Variante der Produktplatzierung.

Das Spielgerät kommt mit dem Mittelklassewagen: Der Ball wird mit einem Fernsteuerauto aufs Feld gebracht. (Video: TRT)

Die Nationalhymnen sind gesungen, die Wimpel getauscht, die Platzwahl erfolgt und die jungen Kicker bereit. Es ist Zeit für den Anstoss des U-21-EM-Finals in Udine. Doch halt! Die spanischen und deutschen Nachwuchskicker müssen warten. Denn das wichtigste – neben ihnen selbst – für ein Fussballspiel fehlt: der Ball.

Dieser erhält einen besonderen Auftritt. Er wird, wie die grossen Filmstars an den roten Teppich, in den Mittelkreis chauffiert. Zwar nicht von einer Stretchlimousine wie die Leinwaldhelden, sondern von einem deutschen Mittelklassewagen. Einem ferngesteuerten Miniatur-Modell mit einer Lackierung – sagen wir es mal so – die wohl nicht ganz Jedermanns Sache ist, aber für Aufmerksamkeit sorgt.

Der deutsche Autohersteller ist offizieller Sponsor der U-21-EM und hat eine weitere Möglichkeit des Werbetreibens entdeckt. Und das an einem Turnier an dem Nationalteams teilnehmen, denen vom Fussballweltverband Fifa verboten wird, ihre Brust an einen Sponsoren zu verkaufen. In dieser Hinsicht hält die Fifa die Tradition hoch. Das Geld ginge nämlich an die einzelnen Landesverbände und nicht an den Weltverband.

Werbung kennt (fast) keine Grenzen

Seit Jahren werden im Fussball, wie im Sport allgemein, neue Wege der Kommerzialisierung gesucht – und auch gegangen. Letztes Jahr kam es beispielsweise zum Saisonvorbereitungsspiel zwischen Arsenal und Paris St-Germain, präsentiert von einer asiatischen Kreditkartenfirma. So weit, so normal heutzutage. Nur, vor Spielbeginn wurde zur Seitenwahl nicht etwa eine Münze geworfen, nein, es flog eine Kreditkarte zu Boden.

Vorder- oder Rückseite? Zur Seitenwahl fliegt die Kreditkarte durchs Stadion. (Bild: Thananuwat Srirasant/Getty Images)

Bereits vor fast 50 Jahren stand man der damals im deutschen Profi-Fussball einsetzenden Kommerzialisierung kritisch entgegen, und dem damit verbundenen Neuen.

Als 1973 Bundesligist Eintracht Braunschweig seine Trikotfront an einen Likörhersteller verkaufte, wollten einige Zeitungen da nicht mitmachen und druckten fortan Bilder der Spieler nur noch mit einem schwarzen Balken auf der Brust ab. Man wollte ja keine Schleichwerbung machen. Heute ist die Werbung auf dem Trikot normal, gar die Jugendteams der Dorfvereine haben Werbung von Coiffeur, Garagist oder Dorfbeck auf dem Leibchen.

Dass in 50 Jahren bei einem F-Junioren-Spiel nun der Matchball von einem Miniatur-Modell der dortigen Autovermietung oder der Regionalbahn aufs Feld gefahren wird, bleibt aber zu bezweifeln. Aber das hat man vielleicht vor 50 Jahren auch gedacht.

tzi

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