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Trikot ohne Spielernamen: «Werk von Schreibtischtätern»

Die Fifa verärgert die Fans mit dem faktischen Verbot von Spielernamen auf den Trikots. Auch Ausrüster und Fachhandel schütteln den Kopf und befürchten tiefere Umsätze.

Die Fifa sorgt für Aufregung: Seit die Rückennummern nicht mehr frei gewählt werden dürfen, laufen die Nationalteams ohne Spielernamen auf. Auch der Schweizerische Fussballverband wird alle Qualifikationsspiele für die WM 2010 ohne Namenszug auf dem Rücken bestreiten.

Puma, als offizieller Ausrüster der Fussballnati direkt betroffen, würde die Trikots zu gerne wieder mit Namen versehen. Faktisch sei das aber unmöglich, sagt Nicolas Bichsel. «Das Reglement verbietet ja Spielernamen auf den Fussballshirts nicht, aber in der Praxis ist es schlicht unmöglich, diese in den 75 Minuten zwischen der Bekanntgabe der Aufstellung und dem Anpfiff aufzudrucken», erklärt der Verantwortlich für den Schweizer Fussball bei Puma gegenüber Redaktion Tamedia

Den Schaden tragen vor allem die Fans

Die Sportartikel-Produzenten sparen nichts, wenn künftig auf die Namen verzichtet werden kann. Den Schaden tragen aber die Fussballfans: « Wenn ein Fan das Trikot mit der Drei von Magnin will, dann will er diese Drei auf dem Rücken, nicht eine Achtzehn, nur weil Magnin einmal nicht in der Startaufstellung steht», so Bichsel.

Der finanzielle Schaden, der dem Sportfachhandel entstehen wird, ist noch schwer abzuschätzen: «Die Regelung gilt ja vorläufig nur für die Qualifikation zur Weltmeisterschaft. Da hält sich der Schaden noch in Grenzen», meint etwa Heinz Meier vom Fachgeschäft Fussball-Corner Oechslin in Zürich. «Wenn Derdiyok ausfällt, der sonst die Nummer Elf trägt, und eine Woche später läuft Lustrinelli mit der gleichen Nummer auf dem Rücken auf, ist das schon eigenartig.»

Der Klubfussball ist wichtiger

Auch bei Puma will man noch keine Prognosen wagen: «Das wird einen Einfluss auf das Verhalten der Konsumenten haben, das ist sicher. Wir hoffen aber, dass wir deswegen nicht weniger Fussballtrikots verkaufen.»

Meier glaubt, dass in seinem Laden nicht weniger Shirts über die Theke gehen werden. «Schlimmer wäre es, wenn im Klubfussball oder an Endrunden keine Spielernamen mehr aufgedruckt sein dürfen.» An der EM hätten 60 – 70 Prozent aller Fans Spielernamen verlangt. Während der Qualifikationsphase falle das weniger ins Gewicht. Dann würde primär ein Team gekauft, die Identifikation mit einzelnen Spieler sei dann von untergeordneter Bedeutung, sagt Meier.

Vermutlich wird Fussball-Corner Oechslin trotz konstanter Verkaufszahlen wohl fallende Umsätze verzeichnen. «Das Bedrucken mit einem Namen kostet bei uns 40 Franken. Wenn Sie nur die Nummer aufdrucken wollen, kommt das auf 12.50. Wir machen deshalb pro Trikot sicher weniger Umsatz», sagt Meier.

«Schreibtischtäter am Werk»

Der Deutsche Fussball-Bund ist bereits bei der Fifa vorstellig geworden. «Wir haben Protest eingelegt, der wurde aber abgewiesen. Wir werden allerdings nochmal dagegen vorgehen und hoffen, dass sich da auch andere Verbände einreihen», sagte der Manager der DFB-Elf, Oliver Bierhoff, dem ZDF.

Was den Weltfussballverband wohl zur neuen Regelung inspiriert hat? Nicolas Bichsel von Puma fehlt das Verständnis: «Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, was man sich bei der Fifa überlegt hat. Da waren wohl irgendwelche Schreibtischtäter am Werk. Die Emotionen im Fussball gehen mit einem solchen Gebaren einfach verloren.»

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