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Strukturen kommen vor den Figuren

Am Ende eines chaotischen Jahres ist klar: Der FC Basel braucht eine Person, bei der alle Fäden zusammenlaufen.

Die Führung im Fokus. Die Frage, die sich nach dem turbulenten Jahr 2018 für den FC Basel stellt, ist: Wer führt den Verein, damit die Visionen von Präsident Bernhard Burgener erreicht werden?
Die Führung im Fokus. Die Frage, die sich nach dem turbulenten Jahr 2018 für den FC Basel stellt, ist: Wer führt den Verein, damit die Visionen von Präsident Bernhard Burgener erreicht werden?
Keystone

2:1 gegen den FC Sion. So steht es jetzt da, bis in alle Ewigkeit. Das letzte Resultat des Jahres 2018. In Zukunft wird man sicher irgendwann mal darüber stolpern, und dann werden diese beiden Zahlen sämtliche Erinnerungen an das Jahr 2018 wieder nach oben spülen. Die Erinnerungen an ein Jahr, dessen beste Eigenschaft aus Sicht des FC Basel ist, dass es nicht mehr allzu lange dauert.

Denn trotz des 2:1-Sieges im Wallis wird die zweite Jahreshälfte als eine Ansammlung von Basler Niederlagen und Fehlgriffen in die Geschichte eingehen. In den ersten Monaten gab es dank den Transfers von Akanji, Lang oder Elyounoussi sowie dem Sieg bei Manchester City noch ein paar Lichtblicke. Was nach der Sommerpause passierte, muss man aber als vorübergehenden Kontrollverlust bezeichnen.

Die Entlassung von Trainer Raphael Wicky nach nur zwei Spielen. Der erste Europacup-freie Herbst seit 17 Jahren. Ein 1:7 gegen YB. 19 Punkte Rückstand auf den Leader aus Bern. Spieler, die zuletzt bei Trainer, Sportchef sowie Präsident vorsprachen und so eine mediale Diskussion um die Zukunft von Marcel Koller auslösten. All das wurde dann noch abgerundet von den vielen kleinen Anekdoten, die den Eindruck nur noch verstärkt haben, dass der FC Basel sich selbst verloren hat.

Da war die Reise zum kapitalen Spiel nach Limassol, das für keinen Verwaltungsrat wichtig genug war, um die Mannschaft zu begleiten. Da war ein Konsolen-Fussballer, der überschwänglich begrüsst wurde, während die Profis das 1:7 in Bern verarbeiteten. Da war die verunglückte Influencer-Werbeaktion, um neue Mitglieder zu gewinnen. Eine chaotische Organisation der 125-Joor-Gala; mitsamt verschickten Einzahlungsscheinen an verdiente Personen rund um den Verein. Und als Krönung das international beachtete «Tombola-Gate» des Frauenteams.

Ja, beim FC Basel werden sie froh sein, wenn sie das Jahr 2018 endlich zu den Akten legen können.

Erfolgreiche Führung

Am Mittwoch will der Verein bei der alljährlichen Bilanzrunde zurück- und vorausschauen. Sportchef Streller und Trainer Koller sind angekündigt, was noch lange nicht heissen muss, dass die beiden auch tatsächlich auf dem Podium sitzen. In der aktuellen Situation darf beim FCB nichts als gesichert gelten, nicht mal die Positionen von Sportchef und Trainer. Aber viel wichtiger ist ohnehin, wer bislang nicht vorgesehen ist für den Termin am Mittwoch: Bernhard Burgener.

Damit zeigt sich beim letzten Auftritt des Jahres, was dem FCB fehlt: Eine Person nämlich, die sich auf die vergangenen Zeiten besinnt und den Verein so führt, wie er viele Jahre lang erfolgreich geführt worden ist.

Man kann nach den vergangenen Monaten über vieles diskutieren. Über den Trainer, den Sportchef, den COO und vielleicht sogar über den Greenkeeper. Man wird in jedem Bereich Gründe finden, die mit der sportlichen Krise in Verbindung stehen. Am Ende landet man jedoch immer wieder bei der Frage, wer beim FCB die Fäden in der Hand hält. Wer ist derjenige, der Linien und Grenzen vorgibt, damit Trainer, Sportchef, COO (und Greenkeeper) ihre Arbeit erledigen können?

Burgener führt den Club, wie er es vor seinem Amtsantritt angekündigt hatte: zurückhaltend, aus dem Hintergrund. Das hat man zuletzt wieder eindrucksvoll gesehen, als die Gespräche zwischen Spielern und dem Vorstand via Blick bekannt wurden. Burgener war gerade in Südafrika, als in Basel darüber gerätselt wurde, ob Marcel Koller als FCB-Trainer überhaupt noch denkbar ist. Vom Vorstand äusserte sich niemand dezidiert zu dem Vorfall.

Am Ende einer turbulenten Woche las Koller eine Erklärung vor, und nach der Partie gegen den FC Zürich wurden aus Mangel an Führungspersonal unter anderen Yves Kaiser (20) und Raoul Petretta (21) zu den Vorfällen befragt.

Abgesteckte Richtlinien

Wenn das Jahr 2019 weniger chaotisch und dafür wieder etwas erfolgreicher verlaufen soll, muss sich im «Führungslosen Club Basel», wie die BaZ bereits im September titelte, in der Winterpause etwas ändern.

Es braucht eine klare Führungsstruktur und definierte Grenzen. Sei das, indem man ein weiteres Mal in die Strukturen eingreift und in Anlehnung an den Schweizer Verband einen Super-Manager installiert, der streng darauf achtet, dass jeder seine Zuständigkeiten einhält und von anderen nicht darin beschnitten wird. Nur wird es nicht leicht, so eine Person überhaupt zu finden. Oder aber, man steckt die Richtlinien des vorhandenen Personals künftig noch konsequenter ab.

So wären die Verantwortungen klar verteilt und Situationen wie zuletzt vermeidbar, in denen Präsident BernhardBurgener sich in finanziellen Fragen punktuell einschaltete und damit die Autorität der eigentlich Zuständigen einschränkte. So würde auch nach aussen hin nicht das Gefühl vermittelt, als arbeite beim FCB jeder gegen jeden.

Klar ist: In der jetzigen Situation ist dem FC Basel nicht geholfen, wenn er sich vom Trainer, vom Sportchef, von beiden oder keinem trennt – auch wenn beide Besetzungen zur Disposition stehen. Aber ohne klar definierte Strukturen würde ein Wechsel wirkungslos verpuffen und die Probleme wenig später wieder auftauchen.

Es geht darum, klare Strukturen zu schaffen. Nur so können die Basler die Rückrunde nutzen, um sich auf einen möglichen Cup-Sieg zu konzentrieren und die Grundlagen zu legen, um YB nächste Saison wieder ein Konkurrent zu sein. Geschieht das nicht, besteht die Gefahr, dass die Basler die Rolle der Young Boys einnehmen. Als ständige Nummer 2 der Schweiz, die in ihren Bemühungen, den Leader oder das europäische Geschäft zu erreichen, jedes Jahr viel Geld investiert – und am Ende mehr ausgibt als einnimmt.

Darum geht es jetzt für die Basler. Eine Antwort auf die Frage zu finden, wie man sich für die Zukunft aufstellt. Denn nur so kann der Verein darauf hoffen, dass das Jahr 2019 nicht so wild und chaotisch verläuft wie das Jahr 2018.tilman.pauls@baz.ch

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