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Sozialer Fussball für die Welt

Im Auftrag der Basler Scort Foundation werden junge Menschen aus der ganzen Welt zu Fussballtrainern mit Vorbildfunktion ausgebildet. Protagonist dieses Programms ist das Basler Fussball-Urgestein Willy Schmid.

«Mal spielt man auf der Strasse, mal auf einem modernen Kunstrasen», sagt Willy Schmid, der als Instruktor für die Scort Foundation in verschiedenen Ländern unterwegs ist.
«Mal spielt man auf der Strasse, mal auf einem modernen Kunstrasen», sagt Willy Schmid, der als Instruktor für die Scort Foundation in verschiedenen Ländern unterwegs ist.

Hier ein Acker oder ein Teerplatz in Mexiko-Stadt. Da ein schlecht präparierter Rasen in Dar es Salaam, Tansania. «Fussball kann überall gespielt werden», sagt Willy Schmid, während er auf seinem Smartphone stolz Bilder von verschiedensten Projekten zeigt. Er muss es wissen, denn Willy Schmid ist einer der Protagonisten, die den Fussball für die Scort-Stiftung überall in der Welt verbreitet und gefördert haben. «Dabei geht es gar nicht mal um den Fussball», wie er betont. Der Fussball dient nur als Mittel zum Zweck, als spassige Ablenkung und als Sinnbild von Sitten und sozialen Normen für Kinder in limitierten Lebensverhältnissen.

2007 wurde die Scort Foundation ins Leben gerufen, um ein Netzwerk zu schaffen, durch welches Kinder trotz erschwerter Bedingungen Sport treiben können. Zunächst war die Organisation vor allem darauf ausgerichtet, Kindern in Kriegsgebieten, Flüchtlingslagern oder aus einem von extremer Armut betroffenen Umfeld zu helfen. Mehr und mehr bildete sich jedoch ein zweiter Zweig innerhalb der Stiftung, der darauf ausgerichtet ist, kontinuierlich auch mehr körperlich und geistig behinderte Kinder in das Programm zu integrieren.

Die Stiftung, die seit je von Gigi Oeri präsidiert wird (siehe Interview), ist verantwortlich für Organisation und Planung der Projekte. Sie kann auch Mittel, aber nicht Kompetenzen stellen. Dafür sorgt die kurz danach gegründete Football Club Social Alliance, kurz FCSA, die als Exekutiv-Organ funktioniert und von verschiedenen Fussballvereinen gebildet wird. Gründungsmitglieder waren Bayer Leverkusen, Werder Bremen und der FCB.

«Du musst in den Sudan»

Jeder Verein der FCSA, die mit dem Schalke, Mainz und Austria Wien mittlerweile auf sechs Clubs angestiegen ist, stellt einen oder mehrere Instruktoren. Willy Schmid ist einer von ihnen, durch ihn engagiert sich der FC Basel für die Scort Foundation. Als er vor zwölf Jahren erstmals mit dem Projekt in Berührung kam, war das für ihn ziemlich überraschend. «Der damalige FCB-Nachwuchschef Peter Knäbel kam aus heiterem Himmel zu mir und sagte: Willy, du musst sofort in den Sudan!»

Schmid arbeitete damals noch als Frauentrainer beim FCB sowie als technischer Leiter des regionalen Fussballverbands. Er brachte also viel Erfahrung, aber auch ein bekanntes Faible für fremde Kulturen mit, weshalb er den Verantwortlichen prädestiniert schien, um den FC Basel innerhalb der damals frisch gegründeten FCSA zu repräsentieren. Schmid war sofort interessiert. Er wurde Instruktor und ist es bis heute geblieben.

Die Instruktoren reisen für die Scort Foundation in verschiedene Länder, um dort sogenannte Young Coaches auszubilden, die wiederum für die Weiterentwicklung der Kinder verantwortlich sind. Diese Young Coaches werden in diversen Modulen geschult. Hauptaugenmerk liegt sowohl auf der fussballerischen als auch der sozialen Förderung.

«Die Young Coaches sollen als Vorbilder fungieren», so Schmid. «Es macht Sinn, Leute vor Ort auszubilden, anstatt die Kinder selbst zu schulen, da Einheimische viel besser Bescheid wissen über die lokal vorherrschenden Kulturen, Bräuche und Sitten.» Zudem kann die Arbeit der Instruktoren auf diese Weise nahtlos fortgesetzt werden, sobald diese wieder nach Hause geflogen sind.Young Coach kann nicht jeder werden. Man muss ein spezifisches Anforderungsprofil erfüllen, um infrage zu kommen. Die Anwärter sollten zwischen 18 und 26 Jahren alt sein und beruflich Erfahrungen in der Arbeit mit Jugendlichen gesammelt haben.

Je nach Land sind nicht nur die sozialen, sondern auch die materiellen Bedingungen verschieden. «Gearbeitet wird mit dem, was verfügbar ist. Zwar werden Pylonen und Überziehleibchen von der FCSA gestellt, aber wir können nicht grenzenlos viel Material herumfliegen und verteilen», sagt Schmid. Während etwa in den einen Gebieten mit handelsüblichen Fussbällen geschult wird, muss man sich die Spielgeräte andernorts aus Bambusblättern selbst basteln. «Ähnlich verhält es sich mit der Infrastruktur. Mal spielt man auf der Strasse, mal auf einem modernen Kunstrasen.» Ein Problem ist das nie. Denn es geht nicht primär um die fussballerische Ausbildung, sondern um das soziale Engagement.

Willy Schmid war von Anfang an dabei. Er ist der mit Abstand erfahrenste Instruktor und wird von vielen als Herzstück der Organisation bezeichnet. Zumal er der Einzige ist, der als technischer Direktor für die Scort und gleichzeitig als Instruktor für die FCSA arbeitet – und so das Bindeglied zwischen Stiftung und Exekutivorgan herstellt.

Neue Länder, grosse Ziele

Da er bei der Scort in Basel sein Büro hat, ist sein Heimathafen unverändert Basel. Von hier aus hat er für die Scort-Stiftung die Welt bereist: Schmid schätzt, dass er in die Ausbildung von 480 der inzwischen 728 Young Coaches direkt involviert war – und damit indirekt 72000 der knapp 10000 geförderten Kinder unterstützte. Bis auf Indien war er schon in jedem Gebiet, in dem auch die Foundation ihre Zelte aufgeschlagen hat. Und das sind einige: Begonnen mit Gebieten im Sudan und in Kosovo, erfuhr die Stiftung eine globale Ausbreitung. Sie ist in rund 20 Ländern tätig, darunter Vietnam, Indonesien, Sudan, Libanon, Kolumbien oder Uganda.

Im Schnitt werden pro Jahr zwei bis drei neue Länder für die Stiftung generiert, für 2020 stehen Äthiopien und Malaysia auf dem Plan. Geht es nach Willy Schmid, könnte der Wachstumsprozess noch schneller vorangehen: «Jetzt haben wir 100000 Kinder helfen können. Mein Ziel ist es, dass es bis zur 200000er-Marke nur halb so lange dauert.»

Acht bis zwölf Wochen im Jahr ist Willy Schmid noch immer für die Stiftung unterwegs. Das Pensionsalter hat er schon längstens überschritten, 71 Jahre zählt er inzwischen. Wie die Scort-Stiftung dereinst ohne ihre Triebfeder, ihr Herzstück zurechtkommt? Es ist eine Frage, die sich vorerst nicht stellt. Denn ans Aufhören denkt Willy Schmid noch lange nicht: «Solange meine Frau damit klarkommt, der FCB mich noch will und ich gesundheitlich noch kann, mache ich weiter.»

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