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Sogar die Engländer wollen deutsch werden

Nach der WM befindet sich das Mutterland des Fussballs wieder einmal im Jammertal. Ausgerechnet der Erzrivale Deutschland muss nun als Vorbild dienen.

«Schau, was du uns angetan hast, Roy»: Englische Fans mit deutschen Farben im Gesicht während des WM-Viertelfinals zwischen der DFB-Elf und Frankreich. (4. Juli 2014)
«Schau, was du uns angetan hast, Roy»: Englische Fans mit deutschen Farben im Gesicht während des WM-Viertelfinals zwischen der DFB-Elf und Frankreich. (4. Juli 2014)
Keystone
Galgenhumor beim bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica: «Flüge nach Rio: 1200 Pfund. Die Ambiance geniessen: 2000 Pfund. Unterkunft: 2000 Pfund. Ankommen nach dem Ausscheiden: unbezahlbar.» (24. Juni 2014)
Galgenhumor beim bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica: «Flüge nach Rio: 1200 Pfund. Die Ambiance geniessen: 2000 Pfund. Unterkunft: 2000 Pfund. Ankommen nach dem Ausscheiden: unbezahlbar.» (24. Juni 2014)
Keystone
Sehnsucht: Englische Fans mit einer überdimensionalen Kopie des WM-Pokals. (24. Juni 2014)
Sehnsucht: Englische Fans mit einer überdimensionalen Kopie des WM-Pokals. (24. Juni 2014)
Keystone
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2022 soll der Fussballweltmeister nach 56 Jahren wieder England heissen. Das ist kein Hirngespinst der britischen Presse, sondern die ehrgeizige Zielvorgabe von Greg Dyke, dem Präsidenten der ehrwürdigen Football Association (FA). Das Vorbild der Engländer ist ausgerechnet der Erzrivale Deutschland, der sich nach dem Ausscheiden in der Gruppenphase an den Europameisterschaften von 2000 und 2004 wieder zur Fussballweltmacht aufgeschwungen hat.

Ein Faktor des deutschen Erfolgs sind die hervorragend ausgebildeten Trainer, die überall im Land – auch an der Basis – tätig sind. Gemäss Daten der Uefa verfügen in Deutschland 6934 Fussballlehrer über eine Uefa-A- oder -Pro-Lizenz, England bringt es nur auf 1457. Auch bei den Uefa-B-Lizenzen hat der vierfache Weltmeister gegenüber dem einmaligen Titelträger von 1966 die Nase vorn: 21'731:9420 steht es dort. Muss England also vor allem in diesem Bereich nachrüsten? Nein, findet die FA. Sie setzt den Fokus mehr auf altersspezifische Ausbildung. 40'000 Trainer absolvieren pro Jahr eine entsprechende Ausbildung.

Das neue Programm für Nachwuchsspieler mit Hauptaugenmerk auf technische Aspekte läuft bereits seit 2009, und das mit gutem Erfolg, wie Nick Levett, der nationale Entwicklungschef der FA, der BBC versichert: «Eine ganze Menge Dinge sind am Laufen, aber wir haben einen Zehnjahresplan. Es ist ein wenig wie Gärtnern. Wenn man eine Zwiebel in den Boden steckt, bekommt man auch nicht gleich am nächsten Tag eine Blume zu sehen.» Stolz macht die Engländer, dass kürzlich eine Delegation des Deutschen Fussball-Bunds (DFB) ihr Ausbildungszentrum in Burton-upon-Trent besuchte.

Das Problem Premier League

Ein Name, der immer wieder fällt, wenn es darum geht, die Problemquellen der englischen Nationalmannschaft zu benennen, ist jener der Premier League. Die finanzielle Stärke der Liga führt dazu, dass das Geld für Spieler aus dem Ausland locker sitzt, was wiederum die Einsatzchancen englischer Nachwuchsleute schmälert. Die BBC präsentiert Zahlen, die dies belegen. Nur 32 Prozent der Spielminuten, die in den ersten drei Monaten der letzten Saison abgespult wurden, gehen auf das Konto von Einheimischen, in der Bundesliga betrug der Anteil im gleichen Zeitraum 50 Prozent.

Der frühere englische Internationale Phil Neville fordert entsprechende Gegenmassnahmen. «Wir wollen, dass die besten Spieler der Welt in die Premier League kommen. Nur wer gegen die Besten spielt, kann besser werden. Was wir nicht wollen, ist die Kategorie darunter. Diese Leute besetzen die Plätze, die junge englische Spieler einnehmen könnten.» Neville findet, dass die jungen englischen Spieler noch nie so gut ausgebildet gewesen seien wie heute, dass sie zwischen 19 und 21 zu wenig Chancen bekommen, sich zu beweisen, habe aber äusserst negative Folgen. «Ich kam in die erste Mannschaft, als ich 17 war», so der frühere Manchester-United-Profi. Inzwischen sind die Neuen 21 oder 22. «Sie verlieren 12 bis 18 Monate ihrer Karriere, weil sie nicht genug Erfahrung auf einem Toplevel bekommen.»

Sechs deutsche WM-Stammspieler spielten an der U-21-EM zusammen

Interessant ist auch das Argument der Turniererfahrung: Fünf Spieler, die 2009 mit Deutschland die U-21-EM gewannen, standen im WM-Final gegen Argentinien in der Startelf – Goalie Manuel Neuer, die Verteidiger Mats Hummels, Benedikt Höwedes und Jérôme Boateng sowie der Mittelfeldmann Mesut Özil. Sami Khedira fehlte nur wegen einer Verletzung, die er sich beim Einlaufen zugezogen hatte. Bei den Engländern fand sich im WM-Kader nur einer der U-21-EM-Finalisten von 2009: James Milner. «Das ist etwas, das wir von den Deutschen lernen können. Sie halten eine Anzahl Akteure zusammen und lassen sie auf U-21-Stufe ein Turnier spielen. Wir hätten an die letzte U-21-EM auch sechs, sieben A-Nationalspieler schicken können, haben das aber versäumt», sagt Neville.

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