Kims «Sklaven» schuften für Putins WM-Stadion

Arbeiter aus Nordkorea sind am Bau des neuen Fussballstadions in St. Petersburg beteiligt. Laut einem norwegischen Bericht werden sie unter miserablen Bedingungen gehalten.

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«Sie leben wie Sklaven in einem mit Stacheldraht umzäunten Containerlager, haben keine Rechte, einer von ihnen wurde tot an seinem Schlafplatz gefunden. Mindestens 110 Nordkoreaner schuften laut einer Recherche des norwegischen Magazins ‹Josimar› unter miserablen Bedingungen auf der Baustelle des russischen WM-Stadions in Sankt Petersburg.» So beschreibt Welt.de die Arbeitsbedingungen von Nordkoreanern, die mithelfen, der ehemaligen Zarenstadt St. Petersburg zu einem neuen, prunkvollen Stadion für die Fussball-WM 2018 zu verhelfen.

Diese Menschen kommen demnach auf Befehl des nordkoreanischen Regimes nach Russland. «Man wirbt sie für zehn Jahre an, indem man ihnen höhere Reisrationen und den ewigen Dank Kim Jong-uns verspricht», erklärt der russische Menschenrechtsanwalt Andrei Jakimow. Er erzählt auch, dass diese Arbeiter fast rund um die Uhr überwacht würden und kaum Kontakt mit anderen Menschen hätten. Sie erhielten minimale Löhne. Es seien ungelernte Arbeiter, die wenig bis gar nicht mit modernem Werkzeug umgehen könnten.

Der Lohn wird beschlagnahmt

90 Prozent des Lohnes in ausländischer Währung reisse die nordkoreanische Regierung an sich und sichere sich so den Devisenzufluss ins Land, weiss Welt.de. Gemäss der UNO würden so zwischen 50'000 und 100'000 Nordkoreaner weltweit an lokale Auftraggeber vermittelt werden. Die meisten von ihnen werden in Russland, im Nahen Osten, in Südostasien und China gebraucht.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass den Nordkoreanern im Gastland der Reisepass entzogen wird, damit sie nicht mehr ausreisen können. Die beschlagnahmten Löhne nutze die heimische Funktionärselite zum Kauf von Luxusgütern oder um das Atomwaffenprogramm voranzutreiben. «Beklagt sich ein Arbeiter, kann das in der Heimat Folgen für seine Familie haben», hält die Onlineausgabe der «Welt» fest.

«Arbeiten, arbeiten und arbeiten»

Ein russischer Arbeiter erzählt von den Arbeitsbedingungen seiner nordkoreanischen Kollegen. Auf der WM-Baustelle von Sankt Petersburg würden sie in ungeheizten, eisig kalten und überfüllten Containern schlafen. «Sie sind wie Roboter. Alles, was sie tun, ist arbeiten, arbeiten, arbeiten. Von sieben Uhr morgens bis Mitternacht. Jeden Tag. Sie haben kein Leben.»

Das russische WM-Komitee reagiert auf die Kritik mit Statements wie «Der Schutz der Menschenrechte aller am Stadienbau beteiligten Arbeiter ist uns sehr wichtig, unabhängig von deren Staatsbürgerschaft.» Es gebe zudem nur wenige Arbeiter aus Nordkorea. Auch die Fifa wurde über die Zustände auf der Baustelle informiert. Der Weltfussballverband hat versprochen, tätig zu werden. Geschehen ist gemäss Welt.de nichts. Die Fifa, die schon wegen der Stadien in Katar aus dem gleichen Grund ein grosses Imageproblem hat, gab bekannt, dass sie «jegliche Menschenrechtsverletzung verurteilt und solche Konditionen beim Bau von WM-Stadien nicht toleriert». Im Mai 2016 hatte der Verband mit Sitz in Zürich erklärt, mithilfe von unabhängigen NGOs Arbeitsschutzmassnahmen auf den Baustellen überprüfen zu wollen. Der Erfolg lässt offenbar auf sich warten.

Chaotische Zustände

Die neue Zenit-Arena, die Platz für 68'000 Zuschauer bieten soll, hat bereits eine Milliarde Euro an Kosten verschlungen. Seit elf Jahren wird an diesem Stadion gebaut, und es ist immer noch nicht ganz fertig. Beobachter und Experten sprechen von chaotischen Zuständen, haben Wasserlecks oder Risse im Beton entdeckt, der Boden unter dem Spielfeld vibriert.

Dennoch ist dort am 2. Juli der Final des Confed-Cups, der Hauptprobe für die ein Jahr später stattfindende WM, vorgesehen. Auf Befehl von Staatspräsident Putin ist die Arena in seiner Heimatstadt schon im Februar eröffnet worden. Ohne den Schweiss der nordkoreanischen Arbeiter wäre dies kaum möglich gewesen.

fal

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