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Schmale Lippen nach der vollen Dröhnung

Hä? Was? Erklärungsversuche von Silvan Widmer und Fabian Frei.

«Ich habe Vertrauen, dass unser Trainer uns da rausführt.» Fabian Frei gibt sich wie Silvan Widmer (hinten) nach der Partie schmallippig.
«Ich habe Vertrauen, dass unser Trainer uns da rausführt.» Fabian Frei gibt sich wie Silvan Widmer (hinten) nach der Partie schmallippig.
Keystone

Loris Benito musste lange überlegen. «Ich mag mich nicht erinnern, derart hoch gewonnen zu haben», sagte der YB-Linksverteidiger und lächelte sanft, «der FC Basel hat es uns heute aber auch einfach gemacht.»

Benito war nicht der Einzige mit guter Laune im Berner Lager. Als Michel Aebischer, das Talent im Mittelfeld, ein Interview mit dem Stadion-TV gab, schrie Miralem Sulejmani im Hintergrund: «Toni Kroos! Toni Kroos!» Der Serbe machte eine Anspielung an die tolle Leistung von Aebischer, der in seiner Spielweise etwas an Kroos, den deutschen Star bei Real Madrid, erinnerte. Aber nur ein bisschen.

Die Garderobentüre des FC Basel blieb länger zu. Dann kam Silvan Widmer. «Ein unglaublicher Nachmittag, ich kann es kaum in Worte fassen», meinte der Rechtsverteidiger, «es ist ein Albtraum.» Hä, was? Sieben Gegentore in einem «Spitzenspiel» gegen die Young Boys, das ist monumental, episch, unglaublich, unfassbar. «Wir sind in der zweiten Halbzeit auseinandergebrochen», fuhr Widmer fort, «das darf uns nicht passieren.»

Widmer: «Resultat ist zu hoch»

Wie gewohnt agierte Widmer beim FCB rechts hinten. Sein Gegenpart auf der anderen Seite, Kevin Mbabu, musste bereits nach einer halben Stunde verletzt vom Platz. Der Rastamann fing sich nach einem Foul von Noah Okafor eine schmerzhafte Knöchelverstauchung ein. Während Mbabu später an den Kabinen vorbeihinkte, sagte Widmer: «Wir sind sicher besser, als es das 1:7 vermuten lässt. Das Resultat ist zu hoch. Champions stehen nach einem Schlag wieder auf. Das versuchen wir am Mittwoch.» Überzeugend tönte Widmer nicht, eher schmallippig – wer will es dem Aargauer verübeln nach einer solchen Dröhnung? In Form ist der Mann, der im Sommer rund 5,3 Millionen Franken Ablöse gekostet hat, immer noch nicht.

Nach Silvan Widmer war die Reihe beim FC Basel an Fabian Frei, dem Captain. Der zeigte eine Leistung zum Vergessen. Beim ersten Gegentor liess er Christian Fassnacht bei dessen Kopfball zum 1:0 gewähren (33.). Beim Freistoss, der zum 2:0 durch Sulejmani führte, fälschte Frei den Ball unglücklich ab, weil er dem Schützen den Rücken zudrehte – da erinnerte Frei eher an ein kleines Mädchen als an einen Fussballprofi. Abdrehen bei Freistössen ist unter Männern tabu.

Frei: «Das stinkt mir am meisten»

Auch das 3:0 von YB war das Resultat eines ruhenden Balles: Innenverteidiger Mohamed Ali Camara köpfelte einen Eckball Sulejmanis ungestört ein (52.). «Das», sagt Frei, «stinkt mir am meisten: Dass wir die ersten drei Gegentore bei Standards bekommen.»

Die Klasse von Sulejmani bei ruhenden Bällen ist schweizweit bekannt. Schon im Juli 2017 war der Flügelflitzer aus Serbien entscheidend am Sieg über den FCB beteiligt; damals schoss er zum Saisonauftakt das 2:0 – per Freistoss. Gestern war Sulejmani mit seinen Eckbällen der Türöffner zur grossen Gala. «Wir müssen den Finger aus dem A…nehmen», meinte Frei noch, «und ich habe Vertrauen, dass unser Trainer erfahren genug ist, um uns da rauszuführen.»

Schon am Mittwoch gehts weiter, da tritt der FCB zu Hause gegen Luzern an (20 Uhr). Stellt sich die Frage, ob die Spieler das Debakel innert drei Tagen aus den Knochen schütteln können. Und ob Trainer Marcel Koller einen besseren Tag haben wird als in Bern. Der Entscheid, Spielmacher Luca Zuffi auf die Bank zu setzen und stattdessen Afimico Pululu zu nominieren, war ein Fehler. Pululu begann zwar ordentlich, doch dem jungen Franzosen gehen Routine und Power ab, gerade in den Zweikämpfen.

Es mutet seltsam an, wenn Koller ständig davon spricht, wie viel Erfahrung dem FCB fehlt – um dann einen Luca Zuffi draussen zu lassen, der unbestritten besser in Form ist als manch anderer Basler. Zuffi gab sich hinterher schmallippig wie seine Teamkollegen, zu verdenken war es dem Winterthurer natürlich nicht.

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