Zum Hauptinhalt springen

Schafft ein Underdog eine Sensation?

In Eschenbach LU, Colombier NE und Domdidier FR herrscht dieses Wochenende Ausnahmezustand. Der Grund: Die drei Amateurvereine treten im Schweizer Cup gegen Super-League-Klubs an.

Von der Champions League zum Schweizer Cup: Der FC Basel tritt beim Unterklassigen FC Eschenbach LU an.
Von der Champions League zum Schweizer Cup: Der FC Basel tritt beim Unterklassigen FC Eschenbach LU an.

Welcher kleine Klub träumt nicht davon, im Cup einmal einen Schweizer Spitzenverein zugelost zu erhalten und damit seinen Spielern und treuen Fans ein unvergessliches Erlebnis zu bescheren? Und vielleicht sogar Cup-Geschichte zu schreiben. Oder zumindest die oft klamme Vereinskasse nachhaltig sanieren zu können. Für den Freiburger Drittligisten Domdidier (gegen die Young Boys), den Neuenburger Zweitligisten Colombier (gegen Sion) und den interregionalen Zweitligisten Eschenbach aus dem Kanton Luzern (gegen Basel) wird dieser Traum am Wochenende Wirklichkeit.

Seit Wochen laufen in den drei Dörfern die Vorbereitungen für das grosse Spiel auf Hochtouren. In Eschenbach wurden diese Woche gleich sieben (!) Tribünen rund um den Sportplatz Weiherhus errichtet. Über 2800 Tickets waren im Vorverkauf weggegangen, für 3500 Zuschauer ist man eingerichtet. Das sind mehr Besucher als das Dorf Einwohner zählt. Obwohl die Sicherheitskosten ziemlich viel Geld verschlingen, rechnet man beim Verein, der in den letzten fünf Jahren einen rasanten Aufstieg von der 3. Liga in die 2. Liga interregional geschafft hat, mit einem Reingewinn von rund 30'000 Franken. 131 Matchbälle konnten bis am Donnerstag verkauft werden. Um die Gäste-Fans friedlich zu stimmen, wird jedem ein Gratisgetränk offeriert. «Und da wir ja zu 99,9 Prozent verlieren werden, geben wir den Basler Fans auch keinen Grund zu Aggressionen», vertraute OK-Chef Rolf Frank der «Neuen Luzerner Zeitung» seine Deeskalations-Strategie an.

Gross freut sich auf Volksfest

Sportlich haben die Luzerner aus dem Amt Hochdorf im Schweizer Cup noch keine Stricke zerrissen. Die 1. Hauptrunde bildete stets Endstation aller Cup-Träume. Letzte Saison schieden die Innerschweizer, die 2010 mit dem früheren Internationalen Herbert Baumann (FCL) in die vierthöchste Liga aufgestiegen sind, gegen Wohlen nach einer 1:3-Niederlage nach Verlängerung aus.

Immerhin mit einer Achtelfinal-Erfahrung kann sich der Freiburger Drittligist Domdidier brüsten. 1995 empfing der einstige Erstligist im Stade du Paquier den NLB-Vertreter FC Schaffhausen und scheiterte nur knapp mit 0:1. Der Besuch der Young Boys stellt nun den absoluten Höhepunkt der Vereinsgeschichte dar. 2000 Zuschauer werden im Dorf nahe des Murtensees erwartet. Auch dies würde beinahe der Einwohnerzahl von Domdidier (2535 Ende 2009) entsprechen. YB-Trainer Christian Gross hat den Drittligisten am Mittwoch im vorgezogenen Meisterschaftsspiel gegen Cugy-Montet (0:1) beobachtet und das Team von Trainer Slobodan Rojevic für dessen Spielstärke gelobt. Gross: «Wir freuen uns auf ein Fussballfest.»

Colombier warf schon Xamax raus

Auf ein solches freuen sich auch die Anhänger von Colombier am Neuenburgersee gegen Titelverteidiger Sion. Der langjährige Erstligist verfügt über reichlich Cup-Erfahrung. Für Schlagzeilen sorgten die Neuenburger am 11. November 2001, als sie den grossen Kantonsrivalen Neuchâtel Xamax im Penaltyschiessen aus dem Wettbewerb warfen und als Belohnung in den Achtelfinals den späteren Cupsieger Basel empfangen durften. Ein einziger Treffer von Christian Gimenez bedeutete damals das Ende der Träume. Nun ist der Titelverteidiger im Stade des Chézards zu Gast, wie in früheren Jahren bereits andere NLA-Vertreter wie YB (0:1, 0:4), Lausanne (0:5, 1:5) oder Xamax (0:6, 2:2 n.V., 4:2 n.P.). Die Einwohnerzahl (5590) dürfte zwar nicht erreicht werden, aber der Vereinskassier wird sich dennoch über positive Zahlen erfreuen können.

Schwierige Aufgaben für Servette und FCZ

Die auf dem Papier schwierigsten Aufgaben aller Super-League-Vereine haben Servette und der FC Zürich zugelost erhalten. Die Genfer treffen auf Erstligist Düdingen mit dem Alt-Internationalen Martin Weber (YB), der FCZ bekommt es mit Erstligist Grenchen, der den Cup 1959 gar einmal gewinnen konnte und daneben dreimal den Final erreichte, zu tun. Nicht gerade ein idealer Aufbaugegner nach der enttäuschenden Leistung am Donnerstag gegen Sporting Lissabon.

Die Auslosung der Paarungen sorgte dafür, dass zwei der vier im Wettbewerb vertretenen Drittligisten gute Aussichten besitzen, auch in der nächsten Runde noch dabei zu sein und dannzumal erneut auf einen attraktiven Gegner hoffen zu können. Deitingen SO empfängt den Urner Zweitligisten Schattdorf, Ellikon Marthalen ZH erhält Besuch von Freienbach aus der 2. Liga interregional.

si/fal

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch