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Salah oder Ronaldo? Der Teamcheck zum Final

Liverpool und Real Madrid stehen sich erstmals seit 37 Jahren im Champions-League-Final gegenüber. Wer dabei die besseren Chancen hat.

Letztmals trafen Real Madrid und Liverpool 2014 aufeinander.
Letztmals trafen Real Madrid und Liverpool 2014 aufeinander.
Getty Images

Fehlentscheidungen, spektakuläre Treffer, Dramatik und insgesamt 20 Tore aus vier Spielen. Welch Spektakel wurde der Fussball-Welt in den Champions-League-Halbfinals geboten. Mit Ach und Krach setzten sich am Ende Real Madrid gegen Bayern München (Gesamtskore 4:3) und gestern Liverpool gegen die AS Roma (7:6) durch.

Am 26. Mai kommt es im Olympiastadion von Kiew nun zum Aufeinandertreffen der beiden Traditionsvereine. Es ist das erste Wiedersehen in einem europäischen Final seit 37 Jahren. 1981 standen sich die Reds und die Königlichen im Pariser Parc de Prince gegenüber – damals noch im Endspiel des Europacups der Landesmeister. In Rot spielte die schottische Legende Kenny Dalglish an der offensiven Front. In Weiss liefen Vicente del Bosque, Uli Stielike und José Antonio Camacho auf. Dank eines späten Treffers durch Verteidiger Alan Kennedy ging die Trophäe damals an Liverpool.

Nun sind die Karten wieder neu gemischt. Die Farben sind zwar immer noch Rot und Weiss. Doch die Protagonisten heissen nun Zidane und Klopp, Ronaldo und Salah. Wer hat da wohl die besseren Chancen?

Der Trainer

Der eine ist redegewandt, temperamentvoll und durch seine Erfolge bei Dortmund bereits jetzt eine Trainerlegende. Der andere war das Spielervorbild einer ganzen Generation und hat sich in seinen ersten Jahren an der Seitenlinie bewährt. Der eine heisst Jürgen Klopp, der andere Zinedine Zidane. Der charismatische Klopp besitzt zwar als Coach die grössere Erfahrung und hat aus Liverpool innerhalb von drei Jahren wieder ein konkurrenzfähiges, für Spektakel garantierendes Team geformt. Doch seine Finalbilanz ist bescheiden: fünf von sechs Endspielen hat er verloren, eines davon in der Königsklasse. «Zizou» weiss im Gegensatz zum Deutschen, wie man die Champions League gewinnt. Seit 2016 ist der Franzose Trainer der Königlichen. Seine bisherige Ausbeute: ein Meistertitel und zwei Champions-League-Trophäen. Nun könnte die dritte in Serie folgen.

Resultat: Real Madrid - Liverpool 0:0. Die beiden Trainer sind im Final auf Augenhöhe. Es bleibt noch torlos.

Der Torhüter

Einen steilen Aufstieg erlebte der Deutsche Loris Karius. Zuerst benötigte er mehrere Jahre, um bei Mainz 05 zum Stammtorhüter aufzusteigen. Dann kam 2016 der Wechsel zum FC Liverpool, wo er wiederum nur als Ersatz eingesetzt wurde. Doch auch an der Anfield Road zeigte sich der 24-Jährige hartnäckig. In der aktuellen Saison verdrängte er mit starken Leistungen in der Champions League Stammtorhüter Simon Mignolet und stand nun seit dem 23. Spieltag auch in der Premier League ununterbrochen zwischen den Pfosten. In seinem ersten Champions-League-Final steht Karius jedoch Keylor Navas gegenüber. Der Costa Ricaner hütet seit 2014 – und nach einer überragenden WM in Brasilien – das Tor der Madrilenen. Verlassen hat es der 31-Jährige seither kaum mehr. Navas ist ein fester Bestandteil der Mannschaft und glänzt mit mirakulösen Paraden. So rettete er im Rückspiel gegen die Bayern mehrmals akrobatisch und blitzschnell auf der Linie. Vorteil Navas. Jedoch muss relativiert werden: Beide Torhüter haben in der diesjährigen Champions-League-Saison bereits gepatzert und sind nicht über alle Zweifel erhaben.

Resultat: Real Madrid - Liverpool 1:0. Karius muss sich ein erstes Mal geschlagen geben.

Die Abwehr

Es waren in beiden Halbfinals nicht gerade defensive Höchstleistungen, die zu den Entscheidungen führten. Im Gegenteil: Sowohl Liverpool (6 Tore) wie auch Real Madrid (3 Tore) mussten sich einige Gegentreffer zuschreiben lassen. Die Kader beider Teams sind jedoch hochklassig. Bei den Reds sorgen Dejan Lovren und Virgil van Dijk für Ruhe und Ordnung, bei den Königlichen Raphaël Varane und Sergio Ramos. Auch die Statistiken sind kaum auseinanderzuhalten: Liverpool bekam in der Liga und der Champions League nur zwei Gegentore weniger als die Madrilenen.

Resultat: Real Madrid - Liverpool 1:0. Beide Defensiven bleiben stabil.

Das Mittelfeld

Toni Kroos zieht bei den Weissen seit Jahren die Fäden und bildet zusammen mit Luca Modric, Marco Asensio, Isco und Mateo Kovacic das stabile wie auch offensive Mittelfeld. Demgegenüber steht die englische Garde um James Milner und Captain Jordan Henderson sowie der Holländer Georginio Wijnaldum. Madrid verfügt jedoch über die grössere Breite. Zudem wiegt bei den Reds der verletzungsbedingte Ausfall des blitzschnellen Oxlade-Chamberlain schwer.

Resultat: Real Madrid - Liverpool 2:0. Kroos erhöht mit einem seiner berüchtigten Weitschüsse, Madrid zieht davon.

Das Sturmtrio

SFM oder BBC? Die Sturmtrios der beiden Teams sind berühmt. Mohamed Salah, Firminho und Sadio Mané haben sich bei Liverpool im Verlaufe der Saison zu einer Traum-Einheit verschmolzen. 28 Champions-League-Tore hat das Trio bisher erzielt und somit den Rekord von Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Gareth Bale aus dem Jahre 2014 egalisiert, ein Treffer fehlt noch zum alleinigen Rekord. Derweil existiert der BBC-Sturm in Madrid immer noch – auch wenn die erfolgreichsten Tage wohl der Vergangenheit angehören. Bale steht unter Zidane nicht mehr regelmässig in der Startaufstellung. Benzema trifft eher selten. Und bereits im Winter wurden Stimmen laut, dass dieses Trio im Sommer aufgelöst werden könnte.

Resultat: Real Madrid - Liverpool 2:1. Der formstarke Sturm um Salah bringt die Reds wieder ran.

Der Superstar

Er ist der Alleinherrscher im Team. Der Dreh- und Angelpunkt. Der Mann der entscheidenden Momente und wichtigen Tore. Der Weltfussballer des Jahres. Wo Real Madrid spielt, steht (fast) immer Cristiano Ronaldo an vorderster Front. Zwar blieb er im Halbfinal gegen Bayern torlos, dennoch ist seine Saison mit 15 Treffern in der Champions League sowie 24 in der heimischen Liga absolut sehenswert. Unvergessen ist zudem sein Fallrückzieher gegen Juventus.

Doch auf der anderen Seite des Feldes steht der Mann der Stunde. Mo Salah, der «ägyptische Prinz», ist zurzeit das Ausrufezeichen der Fussballwelt, glänzt mit Spielwitz, Übersicht und seiner Schnelligkeit. In fast jedem Spiel steht der 25-Jährige auf der Torschützenliste. So sind in der Premier League bereits rekordverdächtige 31 Tore auf seinem Konto.

Resultat: Real Madrid - Liverpool 3:2. Salah ist zwar in bestechender Form, doch Ronaldo ist nunmal Ronaldo. Beide Superstars treffen.

Die Fans

Die richtige Unterstützung ist ebenfalls eminent wichtig. Die Madrilenen geniessen eine breite Fangemeinschaft, ob im über 70'000 Zuschauer fassenden Estadio Bernabéu oder bei den Auswärtspartien. Doch wenn von den Reds-Fans «You never walk alone» angestimmt wird und für Gänsehautstimmung sorgt, ist wohl klar, welches Team am 26. Mai in Kiew mehr Rückendeckung bekommen wird.

Resultat: Real Madrid - Liverpool 3:3. Beflügelt von den Fangesängen, gelingt den Reds der Ausgleich.

Die Vergangenheit

Selbstverständlich sagt die Statistik kaum etwas über ein zukünftiges Spiel aus. Dennoch kann sie in den Hinterköpfen der Protagonisten schweben. Die Vergangenheit zeigt dabei einen leichten Vorteil für die Engländer. In der Königsklasse trafen die beiden Teams erst fünfmal aufeinander. Nebst dem Sieg von 1981 konnten die Reds die beiden Achtelfinal-Spiele von 2009 für sich entscheiden. Lediglich 2014 gewann Real Madrid in der Gruppenphase beide Direktduelle.

Resultat: Real Madrid - Liverpool 3:4. Ein knapper Sieg für Liverpool. Doch das reale Duell wird auf dem Rasen in Kiew ausgetragen.

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