Rückspulen bitte

«Für immer Rotblau », das Konzept von FCB-Präsident Bernhard Burgener, ist eine Mogelpackung. Am einfachsten wäre, es den Film zurückzuspulen und die Rechte zu verkaufen.

«Das System der Kumpanei» hiess der Streifen «Für immer Rotblau» wirklich und flimmerte fortan in alter VHS-Qualität über den St.-Jakob-Rasen.

«Das System der Kumpanei» hiess der Streifen «Für immer Rotblau» wirklich und flimmerte fortan in alter VHS-Qualität über den St.-Jakob-Rasen.

(Bild: Keystone)

Ein Schtutz war schon noch etwas wert, damals als die Mary Long noch 1.80 kostete, der Becher im «Bluetige Chnoche» 1.50 und zwei Filme im «Union» einen Fünfliber – oder waren es sechs Schtutz?

Aber eines Tages war Schluss mit «Union», machte doch der Burgener Bernhard gleich um die Ecke einen Videoverleih auf. Damit waren die legendären, ja teils epochalen Filmnächte des Kiffergrüppchens Allschwil Ost aus der Taufe gehoben. Erlesene Filme zu erlesenen Crus hiess das Motto. So passte beispielsweise «Life of Brian» vorzüglich zu einem roten Libanesen, «Cheech & Chong, up in smoke» stand ein blumiger grüner Marok gut zu Gesicht, während «2001 Space Odyssey» geradezu nach einem kräftigen schwarzen Afghanen schrie.

Vermögen mit Bussgeldern

Die Abende waren günstig, kostete die Ausleihe je nach Film (Aktualität, Genre, A-, B-, C-Movie, Blockbuster etc.) bei Burgeners «Moviestar» zwischen vier und acht Franken. Dazu kamen etwa ein bis zwei Gramm Haschisch für ein paar Spätadoleszente, zwei Franken für Orangensaft, und warfen die wohlhabenden Stifte noch etwas in den Pot, gab es ein, zwei Büchsen Stalden Schoggicrème obendrauf. So kam eine Movie-Night «avec» auf plus ou moins acht Franken pro Person.

Die Welt wäre sowas von in Ordnung gewesen, wäre sie nicht jedes Mal beim Zurückbringen der Filme sogleich wieder zusammengebrochen. Irgendeiner hatte vergessen, die Kassetten zurückzuspulen – hey, Mann, «wollte den flow des Abends nicht unterbrechen», war die gängige Ausrede. Das kostete: einen Schtutz pro Film, machte bei vier Kassetten 4 Franken, machte beinahe 10 Prozent des Gesamtbudgets aus oder mehr als zwei Päckchen Mary Long, fast drei Becher Lager im «Chnoche» oder eine Kalte Schoggi mit gutem Rückgeld im Brändis. Shiit!

Der Moviestar-Besitzer Burgener machte auf diese Weise mit dem Bussgeld Tausender schlampiger Kiffer wie uns ein Vermögen. Ein Vermögen, das ihm, viele erfolgreiche Geschäftsjahre später, ermöglichte, den FC Basel mit zigfach verzinstem Rückspulschtutz zu kaufen. Sogleich versprach der Burgener den Vereinsmitgliedern des FCB an der GV vom 7. April 2017 einen veritablen Blockbuster mit dem Titel: «Für immer Rotblau – Fortschreibung der bisherigen Erfolgsgeschichte».

In der Endlosschlaufe

Kaum kam der Film ins Joggeli, entpuppte sich der grossspurige Titel als Mogelpackung. «Das System der Kumpanei» hiess der Streifen wirklich und flimmerte fortan in alter VHS-Qualität über den St.-Jakob-Rasen. Er berichtet in Endlosschleifen davon, wie der Präsident sich von Kumpel Odermatt beraten lässt, wie Sportchef Streller alte Kumpels mithilfe alter Kumpels zurückholt und wie CEO Brigger mangels Kumpels rasch wieder ins Wallis zurückmusste.

Das Talent der Haupt- und der Nebendarsteller taugt bestenfalls für die Laienbühne Hundsbach-le-Bas, die Story ist lahm und die Filmmusik spielt eh in Bern. Es ist ein arg dünner B-Movie, den uns Burgeners Highlight Productions als Blockbuster verkauft hatte.

Happy End? Ganz einfach, der Videoausleiher macht ein doppeltes Geschäft, indem er den Film zurückspult, spart so einen Franken Strafgebühr, und verkauft die Rechte für einen Schtutz weiter. Und plötzlich reiten alle glücklich in den Sonnenuntergang.

Patrick Tschan, Schriftsteller, lebt mit Basel

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt