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Petkovic: «Jungen Spielern eine Chance geben»

Nachdem Valon Behrami über seinen Rauswurf informiert hat, sind Trainer Petkovic und der Schweizer Verband um Klarstellung bemüht.

Ein Herrenleben: Nationaltrainer Vladimir Petkovic kommt nach den Wirren um Valon Behrami unter Druck.
Ein Herrenleben: Nationaltrainer Vladimir Petkovic kommt nach den Wirren um Valon Behrami unter Druck.
Keystone
Nati-Coach Vladimir Petkovic hat überraschend einen seiner wichtigsten Stammspieler aus der Nationalmannschaft geworfen – zumindest für die nächsten Länderspiele. Nämlich:
Nati-Coach Vladimir Petkovic hat überraschend einen seiner wichtigsten Stammspieler aus der Nationalmannschaft geworfen – zumindest für die nächsten Länderspiele. Nämlich:
Keystone
... und Johan Djourou.
... und Johan Djourou.
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Die Meldung kommt aus dem Nichts. Wie der Tessiner Fernsehsender RSI am Montagabend berichtet, ist Valon Behrami nicht mehr Teil der Schweizer Nationalmannschaft. Behrami selbst berichtete vom Rauswurf in einem exklusiven Interview. Der 33-Jährige zeigt sich darin überrascht und ein bisschen ratlos.

Grund für die Entscheidung soll die Rolle des Mittelfeldspielers im Team sein, Behrami habe in der Kabine zu viel Macht. «Es handelt sich um einen taktischen Entscheid», sagt dagegen Petkovic. Allerdings, so der Schweizer Verband in einem Communiqué, wollte der Trainer lediglich jungen Spielern die Chancen geben, sich in der im September startenden Nations League zu beweisen. Darum werden einige Routiniers dafür nicht aufgeboten. Ein Ausschluss sei kein Thema. Auch mit Blerim Dzemaili und Gelson Fernandes habe Petkovic Gespräche geführt.

«Petkovic hat mich angerufen, heute Mittag», erzählte Behrami. Er habe gedacht, es handle sich dabei um ein normales Gespräch, einen Höflichkeitsanruf quasi, aber Petkovic habe ihn per sofort vor die Tür gesetzt.

Das Ende nach 13 Jahren und 83 Spielen

Behrami fährt fort: «Das ist eine politische Entscheidung, der Trainer kann sagen, was er will, aber es ist offensichtlich.»Der Mittelfeldspieler gab das Ende seiner Karriere in der Nationalmannschaft auch über Twitter bekannt.

Behrami, der die Schweiz auch schon als Captain anführte, hat bisher 83 Länderspiele (zwei Tore) bestritten und war seit 13 Jahren Teil des Nationalteams, nahm an vier Weltmeisterschaften und zwei Europameisterschaften teil.

Auch die Doppelbürger-Debatte spielte eine Rolle

«Nach der Weltmeisterschaft hat es einige Vorgänge gegeben, die mir nicht gefallen haben», sagt Behrami. Genau ausführen mag der Spieler von Udinese nicht, es seien Vorgänge gewesen, die gegen seine Ideen der Einheit in der Mannschaft gingen. In seiner Karriere sei es ihm immer wichtig gewesen, zu einen. In den letzten Wochen aber gab es gemäss Behrami eine Teilung in der Nationalmannschaft, die ihm nicht gefallen habe. Auf die Frage des Interviewers Armando Ceroni, ob hierbei auch die Vorfälle um Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka und die damit verbundene Diskussion um Doppelbürger Teil waren, antwortet Behrami mit einem klaren Ja. Die Vorfälle hätten ein falsches Licht auf die Spieler geworfen.

«Wir sind alle Jungs, die in die gleiche Richtung gehen wollen», erklärt Behrami, «Jungs, die die Schweiz stolz machen wollten.» Weiter störte er sich an der ganzen Kritik, die von vielen Seiten auf ihn und seine Kollegen einprasselte. «Wir übernehmen die Verantwortung als Schweizer, wenn wir gewinnen und wenn wir verlieren.» Nach dem Ausscheiden gegen Schweden habe es viele Spieler gegeben, die «schwerwiegende Entscheidungen» treffen wollten, besonders nach den Aussagen von Generalsekretär Alex Miescher. Um welche Spieler es sich dabei handelt, führte er nicht weiter aus.

Miescher habe ihn nach der WM angerufen und nach Hilfe gefragt, um seine Teamkollegen zu beruhigen. «Das habe ich gemacht, weil ich so bin. Ich will Leute vereinen und nicht teilen.» Ob er eher wütend oder enttäuscht sei, wird Behrami gefragt. Er entscheidet sich für enttäuscht. Enttäuscht von bestimmten Personen und dem Trainer.

Die Fackel an Xhaka weitergegeben

Behrami sagt, er habe sich früher überlegt, aus der Nationalmannschaft zurückzutreten. Er hatte vor, bis 35 weiterzumachen. Behrami wirft den Entscheidungsträgern in seinem Fall vor, nichts von Fussball zu verstehen. Das sei ein allgemeines Problem des Schweizer Fussballverbands. «Es entscheiden Leute, die noch nie Fussball gespielt haben.»

«Es tut weh», sagt Behrami, er streicht aber auch das Positive heraus. Nun habe er noch mehr Zeit für seine Frau und seine Kinder. Dennoch hätte er sich gewünscht, den Entscheid persönlich übermittelt zu bekommen, anstatt mit einem 30-sekündigen Telefonat. Er wird nach wie vor die Schweiz anfeuern. Als erstes habe er seinen Kollegen Granit Xhaka angerufen, ihm klar gemacht, dass er jetzt der Leader dieser Mannschaft sei. «Granit hat mir gesagt, ich sei ein Beispiel für ihn. Das sind die Gesten und Personen, die mir bleiben.»

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