Petkovic über Shaqiri: «Verhältnis könnte besser sein»

Der Nationaltrainer erklärt, warum er akzeptiert, dass Xherdan Shaqiri auf die Spiele gegen Irland und Gibraltar verzichtet.

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Florian Raz@razinger

Die Aussage kommt ohne Zögern. «Unser Verhältnis ist okay. Aber es könnte auch besser sein», sagt Vladimir Petkovic über Xherdan Shaqiri. Das ist direkt und ehrlich, ohne Ausflüchte. Und es zeigt, dass der Schweizer Nationaltrainer an diesem Montag durchaus darum bemüht ist, in der Personalie Shaqiri möglichst offen zu kommunizieren.

Bloss ist das wahrscheinlich in diesem Fall gar nicht möglich. Viel war spekuliert worden, nachdem am Freitag bekannt worden war, dass Shaqiri nicht zum Nationalteam reisen wird. Hat er keine Lust? Hat er Streit mit Petkovic? Ist er beleidigt, weil er nicht wie ein kleiner König hofiert wird?

Mentale Probleme

Wer Petkovic zuhört, der bekommt einen anderen Eindruck. Es klingt ganz danach, als ob Shaqiri mentale Probleme hätte. Als ob ihn seine Situation beim FC Liverpool, bei dem er kaum zum Einsatz kommt, in ein tiefes Loch habe fallen lassen.

«Man spürt als Fussballer, wenn man nichts geben kann. Wenn da eine Leere ist», sagt Petkovic über die Gründe, warum Shaqiri nicht gegen Irland und Gibraltar um die Qualifikation zur Europameisterschaft spielen mag.

So rückten die Nationalspieler heute ein. Quelle: SDA

Er habe viel mit Shaqiri geredet, erzählt Petkovic. Der Trainer versuchte, dem 27-Jährigen das Nationalteam als Jungbrunnen schmackhaft zu machen. Als Ort, an dem schon andere Spieler in schwierigen Situationen frische Motivation und neuen Mut gefasst haben. Spieler wie Fabian Schär oder Haris Seferovic.

Das Nationalteam – kein Wohlfühlort?

«Wir haben immer wieder Spielern die Möglichkeit gegeben, bei uns etwas Positives zu erleben – und vielleicht auch spielen zu können, wenn sie das in ihrem Club nicht konnten», erzählt Petkovic.

Aber ganz offensichtlich sieht Shaqiri das Nationalteam nicht als einen Ort, an dem er sich so wohl fühlt, dass er auf frische Gedanken kommen könnte. Und nach diesen sucht er. Daran lassen Pektovics Aussagen keine Zweifel aufkommen. «Der eine braucht in so einer Situation einen Tapetenwechsel», sagt Petkovic, «der andere sitzt fünf Tage alleine zu Hause und schaut TV.»

Auf die Frage, ob Shaqiri schlicht keine Lust mehr aufs Nationalteam habe, sagt Petkovic: «Ich will nicht pessimistisch sein. Für mich ist das Glas immer halbvoll.» Und so steht der Trainer hin und stützt Shaqiri den Rücken, so gut er kann. Er sagt, dass er dessen Entscheid akzeptiere, in Liverpool zu bleiben. Dass er verstehe, wenn der Offensivspieler sich nicht in der Lage fühlt, dem Team etwas zu geben.

Fall für den Verband

Nach Shaqiris Entscheid habe er ihm ein langes SMS geschrieben, schildert Petkovic: «Mit positiven, mit freundlichen Gedanken. Wir wollen für ihn da sein. Damit er aus der kleinen Krise wieder rauskommt.»

Klar ist, dass der Fall auch für den Schweizerischen Fussballverband noch nicht abgeschlossen ist. «Meine Aufgabe ist es, die Nähe von Xherdan zu suchen», sagt der neue Teammanager Pierluigi Tami: «Wir alle wollen den richtigen Shaqiri bei uns sehen, jenen Shaqiri, der in vielen Spielen den Unterschied für uns gemacht hat.»

Bevor sich Tami aber um Xherdan Shaqiri kümmert, stehen die Spiele gegen Irland und Gibraltar an. Ohne den Spielmacher, ohne den Mann, der mit einem Geistesblitz eine Partie entscheiden kann. Vladimir Petkovic meint: «Wir haben auch schon ohne Shaqiri gespielt.» Was soll er auch anderes sagen.


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