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«Nicht immer ist der Kleine chancenlos»

Für FCZ-Trainer Bernard Challandes ist eine solide Defensive heute Abend der Schlüssel zum Erfolg gegen Milan im Uefa-Cup. Er glaubt an einen Exploit.

Bernard Challandes, was kommt Ihnen zur AC Milan spontan in den Sinn? Jeder kennt die AC Milan, sie ist einer der besten Klubs in Europa. Und für uns, den FC Zürich, ist diese Begegnung eine wunderbare Chance. Vor Jahrzehnten traf der FCZ im Europacup auf Real Madrid und Liverpool, jetzt spielen wir gegen Milan. Das ist ein weiterer Höhepunkt in der Klubgeschichte. Es sind zwei ausserordentliche Spiele, in denen wir natürlich auch eine ausserordentliche Leistung zeigen wollen.

Was bedeuten diese Spiele für Sie als Trainer? Ich war immer ein Bewunderer des Calcio. Einen Teil meiner Trainerausbildung habe ich in Italien gemacht, in Udine und in Mailand. Die italienischen Fussballer sind taktisch besser geschult als alle anderen. Das Problem kann sein, dass die von den Trainern vorgegebene strikte Taktik mitunter die Kreativität ein wenig hemmt. Bei Milan ist das nicht der Fall. Es gibt viele Künstler, die eine Partie mit einer genialen Aktion entscheiden können. Aber ich bin als FCZ-Trainer vor diesem Spiel nicht pessimistisch . . .

. . . wegen des 7:1 vom Sonntag in Vaduz? Es war ein optimaler Anlauf für das Spiel in Mailand. Der Sieg war schön, aber wir wollen ihn nicht überbewerten. Die AC Milan ist ein total anderes Kaliber. Das wird für uns ein sehr, sehr schwieriges Spiel. Der FC Vaduz in seinem Rheinpark und die AC Milan im San Siro - das sind völlig verschiedene Welten.

Und wie will sich der FCZ in dieser anderen Welt behaupten? Wir haben uns gut auf Milan vorbereitet. Wir haben das 1:2 gegen Bologna auf DVD analysiert, ich war beim 0:2 von Milan in Lugano dabei, Erich Hänzi (der Assistenztrainer) sah am Sonntag das 0:2 in Genua. Und man hat die AC Milan ja über Jahre immer in der Champions League am TV erlebt. Ich denke, wir wissen, was auf uns zukommt.

Die AC Milan steckt in einer Krise. Ist das ein Vorteil für den FCZ? Nein. Die Italiener haben im Moment vielleicht nicht so viel Selbstvertrauen, aber damit können grosse Spieler umgehen. Und Milan muss nun langsam eine Reaktion auf den missglückten Saisonstart zeigen. Für mich ist klar: Milan bleibt Milan, einer der ganz grossen Vereine.

Und dieser grosse Klub leistet sich einen Ronaldinho, der zuletzt in Genua auf dem Feld nur herumgestanden ist. Er hat gegen Genua nichts bewirkt, das stimmt schon. Aber eine Woche vorher gegen Bologna war er der beste Milan-Spieler. Leute wie Ronaldinho, Kakà oder Schewtschenko sind absolute Weltklasse. Sie fallen nur ganz selten unter ein bestimmtes Niveau.

Im Fussball ist nichts unmöglich, wie das Spiel Schweiz - Luxemburg gezeigt hat. Wir wollen ähnliche Werte hochhalten wie die Luxemburger. Immer organisiert bleiben, ruhig spielen, nicht hektisch werden und kämpferisch alles geben. Wir müssen intelligent, aber auch mutig und mit viel Herz spielen. Auf dem Papier ist die Differenz zwischen der AC Milan und dem FCZ gleich gross wie der Unterschied zwischen der Schweiz und Luxemburg. Wir sind der Kleine, aber nicht immer ist der Kleine chancenlos . . .

. . . also können Stucki und Stahel Ronaldinho und Schewtschenko stoppen? Vielleicht machen Stucki und Stahel ja das Spiel ihres Lebens. Für mich als FCZ-Trainer ist ohnehin nie ein einzelner Spieler, sondern die Mannschaft entscheidend. Das heisst: Wenn Ronaldinho Stahel einmal aussteigen lässt, muss ein anderer Spieler da sein, um ihn zu stoppen.

Was wäre für Sie ein gutes Resultat? Ich gehe nicht davon aus, dass wir im San Siro viele Tore schiessen werden. Also wird es entscheidend sein, dass wir uns in der Defensive geschickt verhalten und dem Gegner wenige Chancen zugestehen. Ein gutes Resultat? (lächelt) Ein 0:1 oder ein 1:2 wären gut, ein 0:0, 1:1 oder ein 1:0 für uns noch viel besser. Beim FCZ müssen alle am Limit spielen, um eines dieser Ergebnisse zu erreichen.

Was tun Sie, damit Ihre Spieler vor den grossen Namen beim Gegner nicht vor Ehrfurcht erstarren? Diese Gefahr besteht nicht. Wir haben sehr grossen Respekt vor Milan, aber keine Angst. Wenn wir Angst hätten, hätten wir zu Hause bleiben können. Dieses Spiel ist für meine Spieler etwas Besonderes. Die meisten Schweizer Fussballer bekommen vielleicht einmal im Leben die Chance, gegen Milan zu spielen . . .

. . . auch für Sie als Trainer ist es eine Gelegenheit, sich mit einem positiven Resultat zu profilieren. Vielleicht. Aber ich träume nicht von einer anderen Liga oder einem anderen Verein. Ich bin ganz zufrieden beim FCZ.

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